Hachinger Tal:Neuer Streit um die Frischluftschneise

Hachinger Tal: Der Grünzug im Hachinger Tal dient der Frischluftzufuhr Münchens und der Abkühlung der Stadt.

Der Grünzug im Hachinger Tal dient der Frischluftzufuhr Münchens und der Abkühlung der Stadt.

(Foto: Claus Schunk)

Die Grünen üben trotz eines klimatologischen Gutachtens massive Kritik an der Eile, mit der Unterhaching die Erweiterung des Gewerbegebiets Nord einschließlich 21 Meter hoher Gebäude verwirklichen will.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Wenn die Grünen im Bauausschuss gegen blütenreiche und insektenfreundliche Saatgutmischungen auf Dächern von Gewerbebauten stimmen, wenn sie als einzige Fraktion ihre Hand gegen eine Fassadenbegrünung heben, erscheint das zunächst etwas verwunderlich. Dahinter steckt allerdings ein ganz besonderer Grund, der die Unterhachinger Vertreter der Ökopartei umtreibt: Die Gemeinde will möglichst flott das Gewerbegebiet Nord am Ortsausgang nahe der Biberger Straße erweitern. Das aber grenzt direkt an den Regionalen Grünzug, und wegen der Frischluftschneise Hachinger Tal bereiten die Pläne den Grünen arge Bauchschmerzen. Vor allem hat Unterhaching kürzlich selbst noch die Nachbargemeinde Neubiberg wegen derartiger Ambitionen in diesem sensiblen Bereich scharf kritisiert. Prompt kam von dort auch die Nachfrage nach den "näher zu untersuchenden Umweltbelangen".

Immerhin hat die Gemeinde Unterhaching inzwischen ein klimatologisches Gutachten erstellen lassen. Für die Grünen, die zudem monieren, das seit Juli fertiggestellte Papier erst kurz vor der Sitzung am Dienstagabend auf Anfrage erhalten zu haben, bleiben auch nach der Expertise des Ingenieurbüros Rau entscheidende Fragen offen, um den Plänen zuzustimmen. Zwar hatte die Verwaltung die empfohlene Begrünung der Gebäude in die Vorgaben miteingearbeitet, doch sind die Grünen nicht davon überzeugt, dass das für einen ausreichenden Klimaschutz genug ist und die Frischluftzufuhr für die Stadt durch die bis zu 21 Meter hohen Neubauten nicht beeinträchtigt werden. "Es geht uns um die Höhe der Hochhäuser", brachte es Max Heiland in der Sitzung auf den Punkt.

Nun war die Verwaltung offenbar der Ansicht, dass der Gemeinderat die Auswertung des Gutachtens dem Rathaus überlassen sollte. Die Mehrheit im Ausschuss war auch zufrieden mit dieser Haltung. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) wunderte sich schlichtweg darüber, warum die Grünen noch einmal diskutieren wollten. Die stoßen sich vor allem daran, dass das Gutachten nach Angaben der Ersteller als "eine erste Einschätzung" bezeichnet wird.

Dafür wurde auf vorliegende Untersuchungen zurückgegriffen, die Gutachter haben keine experimentellen Methoden oder Messmethoden verwendet. Ausdrücklich weisen die Verfasser darauf hin, dass derzeit eine Klimauntersuchung zum Hachinger Tal läuft, die vom Referat für Klima- und Umweltschutz in München in enger Abstimmung mit dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung begleitet wird. Die Ergebnisse dieser Studie liegen allerdings noch nicht vor, sie werden Ende des Jahres erwartet.

So lange will man im Unterhachinger Rathaus nicht warten, zumal man dort nicht damit rechnet, in diesem Jahr tatsächlich Ergebnisse zu bekommen. Auch verwies Rathaussprecher Simon Hötzl in der Sitzung darauf hin, dass das Plangebiet im Unterhachinger Norden gar nicht mit untersucht werde. "Stimmt nicht", sagt Grünen-Gemeinderat Stefan König, der zusammen mit der Bürgerinitiative "Frischluftzufuhr für München" bei der Stadt nachgefragt hat.

Gerne hätten also die Grünen zunächst gewusst, was die aktuellen Untersuchungen ergeben. Auch die Unterhachinger Ortsgruppe des Bundes Naturschutz, der König vorsteht, hatte angemahnt, abzuwarten, ob der Nachweis erbracht wird, dass die Planungen keine schädlichen Auswirkungen auf die Funktion des Grünzugs und das Klima hervorrufen. Die Jugendnaturschutzgruppe hat sich ebenfalls mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet; sie forderten nicht viel, schreiben die jungen Leute, nur Geduld, bis die neuen Daten vorliegen. "Liebe Gemeinde, warum die Eile?", wollen sie wissen.

Im Rathaus hält man die Planungen für "essenziell", wie Hötzl in einer früheren Sitzung betont hatte, denn es handele sich um eines der wenigen klassischen Gewerbegebiete, das man im Bestand entwickeln könne. Es soll bereits Anfragen von Unternehmen geben. So beruft man sich in vielen Punkten auf das vorliegende Gutachten, in dem es heißt: "Die Untersuchungen zur Durchlüftung zeigen insgesamt, dass eine räumlich ausgedehnte Einschränkung der Durchlüftung in den an das Plangebiet angrenzenden Gebieten durch die geplante Bebauung nicht gegeben ist." Es gebe nur ein paar Punkte, die hinsichtlich der Durchlüftung verbesserungswürdig seien.

Die Empfehlungen konzentrieren sich auf die klimatisch-lufthygienische Optimierung des Planentwurfs selbst, also zum Beispiel den Schutz der Gebäude gegen Aufheizung, der Außenbereiche gegen Überwärmung und ein Niederschlagsmanagement. Dazu zählen die Dach- und die Fassadenbegrünung sowie das Pflanzen von Bäumen. Alles Maßnahmen, denen die Grünen eigentlich zustimmen wollen.

© SZ vom 23.09.2021/lb
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