Unterhaching:Mit allem, aber ohne Auto

Ein Geschäftsmann muss nur einen Stellplatz für einen Döner-Laden nahe dem Gymnasium nachweisen

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Ein Imbiss in der Nähe einer Schule ist sicher keine schlechte Geschäftsidee. Wäre da nicht der Stellplatzschlüssel der Gemeinde. So musste der Geschäftsmann, der nach einem Umbau einer Doppelhaushälfte an der Hauptstraße in Unterhaching demnächst unweit des Lise-Meitner-Gymnasiums Döner verkaufen will, im Ferienausschuss hoffen, dass die Gemeinderäte wohlwollend abstimmen und eine Abweichung von der Stellplatzsatzung zulassen. Der Mann konnte am Ende aufatmen: Mit einer Mehrheit von neun zu sechs Stimmen erlaubte der Ausschuss eine Ablösezahlung für einen von zwei Stellplätzen.

Damit folgte das Gremium der Empfehlung der Rathausverwaltung. Bauamtsleiter Stefan Lauszat hatte in der Sitzung mehrfach die Bemühungen des Betreibers betont, hier gemeinsam mit der Gemeinde eine gute Lösung zu finden. Er habe auch anders als vielleicht andere erst einmal die Entscheidung abgewartet, bevor er den Imbiss eröffnet. Tatsache ist, dass der Platz an dieser Stelle direkt neben der Zufahrt zum Penny-Parkplatz sehr eng ist. Wollte der Betreiber hier zwei Parkplätze im Vorgarten anordnen, müsste die Grüninsel auf der Straße zurückgebaut werden. Das wiederum sieht die gemeindliche Straßenverkehrsbehörde sehr kritisch, weil der Schulweg dann noch stärker durch querende Fahrzeuge beeinträchtigt würde. So stellte sich also die Frage: Braucht der Imbiss tatsächlich zwei Stellplätze?

Die Meinungen hierzu gingen im Ferienausschuss weit auseinander. Während Christa Helming (Freie Wähler) einen Imbiss an dieser Stelle als "viel zu gefährlich" erachtet und Peter Wöstenbrink (SPD) davor warnte, für einen Imbiss von der Stellplatzsatzung abzuweichen und damit die Ortsentwicklung nicht ernst zu nehmen, sprachen sich andere für die Stellplatzablöse aus. "Wer werden denn die Kunden sein? Die werden doch sicher nicht alle mit dem Truck vorfahren", mutmaßte Korbinian Rausch (CSU). "Es werden ja hauptsächlich Schüler sein", sagte auch Max Heiland (Grüne). "Da versucht einer, sich eine Existenz aufzubauen", gab Julia Mittermeier (Freie Wähler) zu bedenken und schlug vor, dass die Kunden ja auch den nahen Penny-Parkplatz nutzen könnten. Das allerdings geht nicht so einfach, wie Bauamtsleiter Lauszat erläuterte. "Manchmal sind die einfachsten Lösungen rechtlich die schwierigsten", sagte er. Die Mehrheit im Ferienausschuss sah die Sache schließlich so wie Peter Hupfauer von der FDP, der sagte: "Es ist ja auch unsere Aufgabe, vernünftige Lösungen zu finden." Dem zukünftigen Imbiss-Betreiber auf der Zuschauerbank im Sitzungssaal sah man die Erleichterung an.

© SZ vom 19.08.2021
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