Unterhaching Lichtblicke

Franziska Kindsmüller vom (links) und Manfred Lingen haben die Unterhachinger Flüchtlinge bei der Vorbereitung ihrer Ausstellung begleitet.

(Foto: Angelika Bardehle)

Eine Fotoausstellung im Unterhachinger Rathaus dokumentiert den Alltag und die Integration von Flüchtlingen in der Gemeinde. Den Auslöser haben die Zugezogenen selbst betätigt

Von Silan Sarochan, Unterhaching

Fast schon traurig wirken die Gesichter der drei Kinder auf den Fotografien, die seit Mittwoch das Rathausfoyer in Unterhaching zieren. Eine Aufnahme mit dem Titel "In die Zukunft radeln" zeigt einen kleinen Jungen vor einem blauen Fahrrad in seinem neuen Zuhause. Zwischen der Aufnahme und der Flucht aus seiner Heimat mit seiner Familie liegen viele Monate. Das Bild ist aus der Fotoausstellung "Flucht und neue Heimat", zu der 19 weitere Exponate gehören. Die Fotografien sind in Zusammenarbeit mit dem Helferkreis Asyl Unterhaching und dem Fotoclub Lichtwerk sowie Menschen, die Zuflucht in Unterhaching gefunden haben, entstanden.

Bürgermeister Wolfgang Panzer sagte bei der Ausstellungseröffnung: "Wir müssen uns in unsere neuen Mitbürger hineinversetzen, damit wir sie besser verstehen können." Einblicke in die Lebenswelten von Flüchtlingen zu schaffen, das will das Projekt. Finanzielle Unterstützung kam dabei von der Caritas und Mitgliedern des Lichtwerk-Clubs. So sind Bilder zu sehen, die den Alltag der Unterhachinger Flüchtlinge zeigen: beim Einkaufen, auf dem Fußballfeld, während eines Kindergeburtstages oder auch beim Deutschkurs.

Das Fotoprojekt startete Anfang März und dauerte bis Mitte Juni. Das Besondere ist laut Lichtwerk-Chef Manfred Lingen, dass die Flüchtlinge selbst Alltagsmomente anderer Flüchtlinge eingefangen haben. Es sind insgesamt 70 Fotografien mit den unterschiedlichsten Motiven entstanden, davon sind nun 20 in der Ausstellung noch bis zum 21. Oktober zu sehen. Neben der Fotoausstellung gibt es eine Plakatausstellung, die über die Arbeit des Unterhachinger Helferkreises Asyl informiert. Dessen Leiterin, Franziska Kindsmüller, sagt: "Bürger sollen vorurteilsfrei und aus erster Hand erfahren, was der Helferkreis tut." Gleichzeitig sei es eine Aufforderung an die Unterhachinger, sich aktiv zu beteiligen.

Engagieren will sich etwa Stefan Schuchardt gemeinsam mit seiner Frau. Deshalb ist er bei der Ausstellungseröffnung dabei und informiert sich über die Arbeit des Helferkreises. Der wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen und unterstützt etwa bei Behördengängen, beim Erlernen der deutschen Sprache oder hilft Kindern bei den Hausaufgaben. Der Helferkreis gliedert sich in mehrere eigenständige Arbeitskreise: Freizeit und Sport, Arbeitswelt, Fahrradwerkstatt oder auch Begleitung und Patenschaft. Damit wollen die Ehrenamtlichen den Flüchtlingen einen Weg in die Gesellschaft ebnen und eine Brücke bauen - zwischen den Schutzsuchenden und den Unterhachingern. Die Fotoausstellung ist ein weiterer Schritt bei der Integration der Neu-Unterhachinger.

Dokumente dieser Art belegen eindrucksvoll, dass Integration wirklich gelingen kann - und wie wichtig die Arbeit der Ehrenamtlichen ist.