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Kinderbetreuung:Unterhaching stellt Kita-Personal auf Vorrat ein

Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer will Personalengüässe wie 2018 vermeiden.

(Foto: Claus Schunk)

Um Engpässe wie im vergangenen Jahr zu vermeiden, beschäftigt die Gemeinde mehr Erzieher und Kinderpfleger als nötig.

Auf die Frage, warum manche Jahrgänge besonders geburtenstark sind, zucken die Mitarbeiter in den Rathäusern meist nur mit den Schultern. War es besonders warm oder auch ziemlich kalt in den Monaten zuvor, hat die Fußball-Weltmeisterschaft damit zu tun oder wurde irgendeine Förderung in Aussicht gestellt? Der 2015er jedenfalls stellte sich in Unterhaching als der Babyboomer-Jahrgang schlechthin heraus. Was drei Jahre später, also 2018, zu erheblichen Engpässen in der Kinderbetreuung am Ort führte und Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) so manch harsche Kritik von Eltern einbrachte.

Der Bürgermeister wirkte ob der Empörungswelle, die ihm entgegenschlug, mitunter recht verzweifelt, hatte er doch genügend Plätze für all die Dreijähren, allein das Personal für die Betreuung fehlte. Inzwischen kann Panzer aufatmen, die Maßnahmen die die Gemeinde ergriffen hat, scheinen mittlerweile zu wirken. Im Kultur- und Sozialausschuss meldete die Verwaltung: Alles wieder im grünen Bereich. Keine Kinder mehr auf der Warteliste und genügend Erzieherinnen sind eingestellt.

Damit ein solches Debakel aber in Zukunft nicht mehr passiert und auch im derzeit neu entstehenden Kinderhaus am Oberweg eine Eröffnung im September 2020 nicht am Personalmangel scheitert, stellt die Gemeinde inzwischen Erzieher und Kinderpfleger "auf Vorrat" ein, wie Bürgermeister Panzer es ausdrückt.

Nun sitzen die vorausschauend eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber nicht im Rathaus, bis sie irgendwo dringend benötigt werden, um den vorgeschriebenen Betreuungsschlüssel zu erfüllen. Vielmehr sind sie in den bereits vorhandenen gemeindlichen Einrichtung im Einsatz und entlasten so die Kollegen und Kolleginnen. "Wir übererfüllen dadurch die Vorgaben", sagt Rathaussprecher Simon Hötzl, mindestens ein Kind weniger pro Erzieherin bedeute das derzeit.

Dies führe auch dazu, dass die Stellen in Unterhaching attraktiver für das Betreuungspersonal würden, einer von verschiedenen Bausteinen, welche die Akquise erleichtert hätten. Auch eine bessere Bezahlung als in der nahen Landeshauptstadt München sowie ein Angebot an gemeindeeigenen Wohnungen hätten dazu geführt, "dass wir einen Lauf haben", sagt Hötzl.

Gestartet hat Unterhaching inzwischen auch die eigene Ausbildung von Erzieherinnen. Mit dem bayernweiten Modellversuch Optiprax werden angehende Erzieherinnen und Erzieher bei der Gemeinde angestellt und absolvieren ihre Praxis in deren Einrichtungen. Für den theoretischen Teil ist die Katholische Fachakademie für Sozialpädagogik und Sozialberufe in München Ausbildungspartner. Die erste Auszubildende hat am 1. September begonnen und ist im Gemeindekindergarten Kunterbunt im Bonhoeffer-Haus tätig.

Dieser wurde nun um einen Gruppe erweitert, die im ehemaligen Pfarrhaus unterkommt. Dort waren bis zuletzt die Kinder aus dem Gemeindekindergarten Regenbogen untergebracht, deren Räumlichkeiten an der Walter-Paetzmann-Straße nach einem Wasserschaden umfangreich saniert werden mussten. Zu Beginn dieses Kindergartenjahres konnten sie auf die Stumpfwiese zurückkehren.

Neu im Angebot hat die Gemeinde zudem den Kindergarten "Glockenblume" in den ehemaligen Räumen des umgezogenen privaten Kinderhauses "Froschkönig" an der St.-Alto-Straße direkt neben der Kinderkrippe. 25 bis 35 Kinder können hier unterkommen, acht Plätze sind laut Martina Wende noch frei. Sie leitet in der Gemeinde den Geschäftsbereich, zu dem auch die Kinderbetreuung zählt.

Der starke 2015er-Jahrgang wird in zwei Jahren wieder viele Kindergartenplätze frei machen, gleichzeitig aber in die Horte drängen. Auch hier sieht sich die Gemeinde mittlerweile gut aufgestellt. Aktuell gibt es sogar 99 freie Plätze in den vier Einrichtungen, denn mit dem Bau des neuen Horts gegenüber der Grund- und Mittelschule am Sportpark wurden 100 zusätzliche Plätz geschaffen.

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