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Unterhaching:Kinder entdecken Eingang zu unterirdischem Bunker

Unterhaching Landschaftspark Bunker Wehrmacht Rainer Hoffmann

Magnus vor seiner Entdeckung: dem unterirdischen Bunker.

(Foto: privat)
  • Jugendliche haben im Unterhachinger Landschaftspark zufällig einen unterirdischen Bunker entdeckt.
  • Der Eingang war offenbar durch die Witterung freigespült worden.
  • Das Ordnungsamt reagierte sofort und schüttete den Eingang zu.

Wo einst Militärmaschinen die Luft erzittern ließen, herrscht heute idyllische Ruhe. Was über viele Jahrzehnte hermetisch abgeriegeltes Terrain war, ist nunmehr ein öffentlich zugängliches Erholungsgebiet. Der 127 Hektar große Landschaftspark Hachinger Tal ist seit 1998 das grüne Aushängeschild der Gemeinde, über seine Vorgeschichte als Flugplatz der Luftwaffe der Wehrmacht und der amerikanischen Besatzungsmacht ist im wahrsten Sinne des Wortes Gras gewachsen. Dennoch, wer nicht aufpasst, riskiert einen Sturz in die Vergangenheit: Spielende Jugendliche haben in der Vorwoche einen offenen Zugang zu einem unterirdischen Bunker entdeckt.

Für die Kinder mag das Abenteuer pur sein, bei deren Eltern hat die Entdeckung des schmalen Zugangs zu dem Bunker indes Alarmstimmung ausgelöst. Rainer Hoffmann, Vater des elfjährigen Magnus, hat daher per Mail das Rathaus Unterhaching über die gefährliche Stelle informiert, und das reagierte zu seiner Freude sehr schnell. "Schon am nächsten Tag wurde der Zugang zugeschüttet", sagt Rathaussprecher Simon Hötzl und kündigt an, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes nunmehr zügig den Landschaftspark nach weiteren unter der Erde liegenden Gefahrenstellen absuchen werden; offenbar gar nicht zur Freude von Magnus und seinen Freunden: "Die Kinder sind nicht gerade glücklich darüber, dass der Bunker zugeschüttet worden ist", sagt Rainer Hoffmann, der mit seiner Familie direkt neben dem Landschaftspark wohnt. Aber Sicherheit gehe vor, zumal in seinen Augen "eine sehr reale Gefahr besteht, dass ein Kind dort nicht mehr rauskommt."

Er sei froh gewesen, dass ihm sein Sohn die Geschichte mit dem unter der Erde liegenden Bunker berichtet habe. Immerhin habe ein nur sehr schmaler Spalt in das unterirdische Bauwerk geführt, einen etwa drei Mal sechs Meter messenden Bunker, in dem es noch dazu stockdunkel sei. Offensichtlich sei einer der Beton-Deckenträger verrutscht, sodass sich die Spalte zum Eingang geöffnet habe, mutmaßt Hoffmann.

Im Unterhachinger Ordnungsamt geht man allerdings vielmehr davon aus, dass der Bunkereingang durch die nasse Witterung freigespült worden ist. Wie auch immer, über die Benachrichtigung durch den Vater habe man sich gefreut, sagt Hötzl, denn wo überall im Landschaftspark sich unterirdische Bauwerke befänden, wisse man in der Gemeinde auch nicht so genau. "Es liegt im Wesen einer Militärbasis, dass sie von oben nicht zu sehen ist", sagt der Rathaussprecher. So seien die Bunker eben mit Erde zugeschüttet worden.

Dass die Gemeinde auf den Hinweis unverzüglich habe reagieren müssen, sei klar gewesen. "Wir haben den Landschaftspark als Erholungsgebiet anlegen lassen und wollen nicht, dass Eltern Angst um ihre Kinder haben müssen, sondern beruhigt sein können, wenn ihre Kinder im Landschaftspark spielen", sagt Hötzl. Die unterirdischen Bunker seien während des Zweiten Weltkrieges wahrscheinlich als Lagerräume genutzt worden, in welchem Zustand sie sich aktuell befänden wisse man nicht.

Dass es mehrere solcher unterirdischer Bunker aus dieser Zeit gebe, sei hingegen bekannt. Inzwischen auch Rainer Hoffmann: Einige ältere, alteingesessene Anwohner hätten ihm gesagt, dass sie noch mehrere unterirdische Bauten im Landschaftspark kennen würden, so etwa einen kleineren am Schlittenhang, der ebenfalls offen zugänglich sei, ließ er die Gemeinde wissen.

Oberirdische Relikte der Geschichte der Wehrmacht im heutigen Landschaftspark gibt es zur Genüge.

(Foto: Claus Schunk)

Vom Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Neubiberg hatte die Gemeinde Unterhaching im Jahr 1997 mit 127 Hektar den größten Teil gekauft und ihn von dem Berliner Landschaftarchitekten Josef Loibl zu einem beliebten Erholungspark gestalten lassen.

© SZ vom 22.04.2017/eca

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