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Unterhaching:Kastanien vor dem Bahnhof vorerst gerettet

Im Sommer ist der Unterhachinger Bahnhofsvorplatz gesperrt worden, damit niemand durch herabstürzende Äste verletzt wird.

(Foto: Claus Schunk)

Nachdem bereits ein besonders geschädigter Baum gefällt worden ist, sollen die anderen nach dem Willen der Gemeinderäte nur zurückgeschnitten werden. Ob das ausreicht, ist in einem Fall aber umstritten

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Kernfäule ist eine Diagnose, die für Bäume nichts Gutes heißt. Dann ist die Motorsäge oft nicht mehr weit. So auch für eine alte Kastanie auf dem Bahnhofsvorplatz in Unterhaching, die im September wegmusste, aus Sicherheitsgründen. Dem Gemeinderat blieb damals nichts anderes übrig, als der Empfehlung zweier Gutachter zu folgen und sich von dem morschen Baum zu trennen. Allerdings stehen noch fünf weitere Kastanien auf dem mittlerweile gemeindeeigenen Platz, deren Zukunft ungewiss ist. Jetzt steht immerhin fest, dass sie erst einmal nur zurückgeschnitten werden müssen.

Es sind richtig alte Bäume, an denen man auf dem Weg zur S-Bahn-Station vorbeikommt. Vermutlich sind die Kastanien gepflanzt worden, kurz nachdem der Bahnhof einst eröffnet wurde, also vor mehr als hundert Jahren. Damals hatte es an dieser Stelle auch eine Wirtschaft mit einem Biergarten gegeben. Wie der Platz zukünftig gestaltet werden soll, darüber will sich der Gemeinderat später einmal unterhalten. Nach dem Kauf des Areals ging es erst einmal darum, wie die geplante Erweiterung der Bushaltestellen integriert werden kann. Und da stand ganz oben auf der Agenda, den Zustand der Kastanien prüfen zu lassen. Bäume sind meist eine heikle Angelegenheit, bei der die Verwaltung sich deshalb auf die Expertise von gleich zwei Gutachter stützt. Die haben nicht nur dem im September umgelegten Baum in der südlichen Reihe vor der Bäckerei keine Zukunft mehr bescheinigt, sondern sind sich auch einig, dass die nordöstliche Kastanie der Baumgruppe "in seiner Vitalität deutlich eingeschränkt" ist.

Wie nun weiter verfahren werden sollte, darüber gehen die Meinungen der beiden Gutachter allerdings auseinander. Das Büro ISB Urban Foresty empfiehlt: Auch dieser Baum wird weg müssen. Zwar nicht sofort, aber "zeitnah", wie es heißt, und darunter verstehen die Experten etwa sechs Wochen. Das Büro Tree Consult hingegen gibt dem Baum noch eine Chance. Dessen Gutachter schlagen als Sofortmaßnahme die deutliche Kronenreduzierung um vier Meter vor. Damit verliere der Baum zwar große Blattmassen, könne vorerst aber erhalten bleiben. Allerdings ist es mit dem einmaligen Ansetzen der Säge dann nicht getan. Wegen der deutlichen Vitalitätseinschränkung sei die Kastanie regelmäßig auf dem Niveau des Rückschnitts zu halten, erläuterte die Verwaltung das Vorgehen in der jüngsten Sitzung des Bau-, Umwelt und Ortgestaltungsausschusses.

Auch die anderen vier Kastanien werden nicht in ihrer vollen Größe erhalten bleiben. Bei ihnen empfehlen die Experten die Entfernung des Totholzes sowie eine umfangreiche Kronenreduzierung. So könne der konkreten Gefahr eines "Bruchversagens" entgegengewirkt werden. Bereits im Sommer hatte die Gemeinde befürchtet, Passanten könnten auf dem Bahnhofsvorplatz von herunterfallenden Ästen getroffen werden. Als sich dann auch noch ein Sturm ankündigte, wurde der Platz gesperrt.

Der Aussschuss war sich schließlich einig: Die Kronen der fünf verbliebenen Kastanien sollen reduziert und anschließend regelmäßig wieder zurückgeschnitten werden. Die Gutachter haben genaue Bilder mitliefert, wie ein solcher Rückschnitt auszusehen hat. Damit könnten die Bäume erst einmal verkehrssicher erhalten werden. Dann kann sich die Gemeinde in Ruhe an die zukünftige Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes machen. Zudem kann die Verwaltung verschiedenen vorgeschlagene Baumerhaltungsmaßnahmen näher untersuchen und die Kosten dafür schätzen.

© SZ vom 26.11.2020
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