Netzausbau„Wir können Sie aktuell nicht entstören“

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Christoph Klöckner kann sich nicht darauf verlassen, dass das Internet im Homeoffice störungsfrei funktioniert (Symbolbild). 
Christoph Klöckner kann sich nicht darauf verlassen, dass das Internet im Homeoffice störungsfrei funktioniert (Symbolbild).  (Foto: Nicolas Guyonnet/Imago)
  • Ein Vodafone-Kunde in Unterhaching kämpft seit sechs Jahren vergeblich um störungsfreies Internet, weil das Kabel fehlerhaft verlegt wurde und Wasser gezogen hat.
  • Vodafone riss ohne Absprache die erst vor fünf Jahren sanierte Straße auf, was die Gemeinde verärgerte, die nun rechtliche Schritte erwägt.
  • Die Telekom kann keinen Anschluss legen, da die Kosten zu hoch wären; sie riet dem Kunden zu warten, bis ein Nachbar auszieht.
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Ein Kunde von Vodafone bemüht sich seit sechs Jahren vergeblich um ein störungsfreies Internet. Dabei wohnt die Familie nicht im Wald oder auf einem Acker, sondern mitten in einem Münchner Vorort.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Wenn Christoph Klöckner sich von zu Hause aus in eine Video-Konferenz einwählt, kann es gut sein, dass das Internet plötzlich ruckelt oder dass auch mal online mehrere Stunden gar nichts mehr geht. Viele kennen ein solches Ärgernis mit der Technik, auch dass die Kommunikation mit dem Telefonanbieter bei derartigen Problemen mitunter mühsam ist. Doch im Fall von Klöckner nimmt die Geschichte um seinen Anschluss schon groteske Dimensionen an. Es geht um Wasser in den Kabeln, um Löcher in der Straße und die Frage, ob die Nachbarn ihm vielleicht ihren Anschluss abtreten.

Dabei wohnt Christoph Klöckner gar nicht weit draußen auf dem Land. Weder auf dem Acker noch im Wald. Dort, wo man vielleicht vermuten könnte, dass es etwas schwierig ist mit der Digitalisierung, wo man den Breitbandausbau nur vom Hörensagen kennt. Er lebt vielmehr mitten in Unterhaching, einer Vorstadtgemeinde von München. Und das seit mittlerweile sechs Jahren. 2019 ist er mit seiner Familie in ein neu gebautes Haus an der Bürgermeister-Prenn-Straße eingezogen. Und mit dem Neubau wurde damals die Firma Vodafone damit beauftragt, Kabel zu verlegen, um die Klöckners mit Fernsehen und Internet zu versorgen.

Offenbar wurde dieses Kabel fehlerhaft verlegt. So zumindest beschreibt es Klöckner. Denn die Bewohner hätten seit Einzug am 15. November 2019 durchgehend mit Problemen zu kämpfen. Er, weil er immer mal wieder im Homeoffice arbeiten möchte und dann häufig nur über einen Local Hotspot mit seinem Handy arbeiten kann, was wiederum Datenvolumen verbraucht und zusätzliche Kosten verursacht. Seine Kinder, weil sie meist ausgerechnet in der fest mit den Eltern vereinbarten Fernsehzeit schlichtweg in die Röhre schauen.

Es gab seither zahlreiche Telefonate und E-Mail-Verkehr, um dieses Problem, vor allem Ausfälle des Internets von bis zu mehreren Stunden, zu beheben. Auch verschiedene Techniker haben sich laut Klöckner bemüht und festgestellt, dass das Signal zu schwach ist. Und schließlich sogar, dass Wasser in der Telefonleitung sein soll. „Sie waren fünfmal in unserem Keller“, sagt er.

Was also tun? Den Anbieter wechseln? Genau das haben die Klöckners versucht und bei der Telekom angefragt. Letztendlich erfolglos. Denn die hat ihnen schließlich mitgeteilt, dass sie keinen Anschluss legen kann, weil der zu teuer wäre. „Ihrem Versorgungswunsch können wir leider nicht nachkommen“, hieß es in der Absage, „die Aufwände für Ihren Hausanschluss überschreiten die in unseren AGB genannte Kostengrenze.“ Auf Nachfrage der SZ bestätigt die Deutsche Telekom, dass sie aktuell keine Möglichkeit sehe, den Klöckners weiterzuhelfen.

Daten-Diaspora mitten in Unterhaching: Die Internet-Baustelle in der Bürgermeister-Prenn-Strasse.
Daten-Diaspora mitten in Unterhaching: Die Internet-Baustelle in der Bürgermeister-Prenn-Strasse. (Foto: Claus Schunk)

Eine Sprecherin begründet das so: „Der alte APL (Anschlusspunkt Linientechnik, Übergang vom Telekomnetz in das Inhouse-Netz des Kunden, Anm.de. Red.) wurde bei Abriss des Altbaus nicht korrekt zurückgebaut und kann in seiner ursprünglichen Bauweise nicht wieder errichtet und angeschlossen werden. Ein Neubau des APL überschreitet bei Weitem die Kosten von 799 Euro, die regulär beim Neubau eines Einfamilienhauses veranschlagt werden.“ Einen Tipp hatte ihm die Telekom-Beraterin aber noch gegeben, sagt Klöckner: Da in der Gegend aktuell alle Steckplätze belegt seien, könne der Neukunde nur angeschlossen werden, wenn ein Nachbar seinen Vertrag kündigen würde. Klöckner solle doch die Augen offenhalten, ob vielleicht ein Nachbar ausziehe.

Schließlich erklärte sich Vodafone bereit, aufzugraben und so nach einer Lösung zu suchen. Es rückten tatsächlich Mitarbeiter einer Baufirma an, die die Straße aufrissen.  Klöckner war darüber etwas überrascht, die Verwaltung im Rathaus eher entsetzt. Denn mit der Gemeinde war das Bauvorhaben offenbar nicht abgestimmt. Also wurde es erst einmal gestoppt. „Wir sind richtig angefressen“, sagt Rathaussprecher Simon Hötzl. Denn es ist gerade mal fünf Jahre her, dass Unterhaching den Friedensplatz neu gestaltete und im Zuge dessen auch die Bürgermeister-Prenn-Straße komplett sanierte.

Dass nun jemand wieder den Asphalt aufreißt, sei „bitter“, so Hötzl. Zumal die Gemeinde vor der Straßensanierung sämtliche Telefonanbieter kontaktiert hatte, ob sie Glasfaser legen wollten. „Doch die hatten alle kein Interesse“, erinnert er sich und vermutet, dass dies an der Struktur im alten Ortskern liegt, wo es hauptsächlich Einfamilienhäuser gibt. Aktuell wartet die Gemeinde auf Gespräche mit der Baufirma, die diese „massiven Schäden“ verursacht habe, man müsse dann sehen, ob die Sache vor Gericht landet, so Hötzl.

Der Unterhachinger Friedensplatz und die Bürgermeister-Prenn-Straße wurden erst vor fünf Jahren komplett saniert. 
Der Unterhachinger Friedensplatz und die Bürgermeister-Prenn-Straße wurden erst vor fünf Jahren komplett saniert.  (Foto: Claus Schunk)

Bei Vodafone sieht man die ganze Sache etwas anders. „Fakt ist, dass die unterirdische Zufuhrstrecke zum Haus durch Vodafone in der Neubauphase fachgerecht verlegt wurde“, betont ein Konzernsprecher. Die von dem Kunden gemeldeten Einschränkungen seien erst bei Straßenarbeiten durch Dritte verursacht – so habe das Kabel Wasser gezogen. „Unser örtlicher Tiefbau-Dienstleister hat durch Messungen und Aufgrabungen vor Ort eine detaillierte Analyse der Situation vorgenommen und das Reparaturkonzept erarbeitet. Leider war es unserem Tiefbau-Dienstleister bislang nicht möglich, die Reparatur durchzuführen.“  Laut Vodafone bestehe die Gemeinde darauf, dass ihr eigener Tiefbau-Partner die Arbeiten durchführe. Der Vodafone-Sprecher bezeichnet dieses Anliegen Unterhachings zwar als normal und redlich, weist jedoch darauf hin, dass die von diesem Tiefbau-Unternehmen veranschlagten Kosten „erstaunlicherweise um ein fünffaches (!) höher als marktüblich“ seien.

Die Gemeinde Unterhaching hat die aufgerissene Straße provisorisch wieder geflickt. V
Die Gemeinde Unterhaching hat die aufgerissene Straße provisorisch wieder geflickt. V (Foto: Iris Hilberth)

Und so haben die Klöckners aktuell noch immer kein störungsfrei funktionierendes Internet und die Gemeinde Unterhaching Löcher in ihrer neuen Straße. Laut Hötzl wurden die nun provisorisch für etwa 3000 Euro zugemacht. Eine ordentliche Wiederherstellung würde allerdings 20 000 Euro kosten. Der Rathaussprecher weist zudem darauf hin, dass insgesamt der Breitbandausbau in Unterhaching gut vorankomme. Östlich der Bahn, auf der Stumpfwiese und in der Grünau sei man schon fertig, jetzt gehe es westlich der Bahn weiter. Nur im alten Ortskern sei es eben schwierig, einen Anbieter zu finden. Dass dort die Kabel durch Bauarbeiten der Gemeinde Wasser gezogen haben sollen? „Dieser Vorwurf ist mir neu“, sagt er.

Vodafone würde weiterhin die angebotene Reparatur in Auftrag geben und führe entsprechende Verhandlungen, um die Kostenfrage zu klären. Parallel dazu habe der Anbieter Klöckner ein Sonderkündigungsrecht für ihren „Kabelvertrag für Internet & Phone“ eingeräumt. „Als Alternative haben wir ihm einen DSL-Festnetzanschluss angeboten“, so der Sprecher. Den wollen die Klöckners aber nicht, sie bestehen auf dem von ihnen gebuchten Kabelvertrag, der deutlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten zulässt. Christoph Klöckner findet: „Das ist ein Armutszeugnis nach all den Jahren.“

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