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Unterhaching:Integration im Kubiz

Die VHS Unterhaching braucht spezielle Räume für ihre Kurse. Das Gymnasium scheidet aus, jetzt zeichnet sich eine andere Lösung ab

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Viele Kurse der Volkshochschule Unterhaching sind wieder angelaufen. Online sowieso, teilweise mit Präsenz, halbierten Gruppen, Fitnessangebote auch gerne draußen. Alles streng nach Hygienekonzept, mit Meterstab ausgemessenen Abständen und Bodenmarkierungen. "Wir sind da sehr genau und sehr kreativ", sagt Geschäftsführerin Barbara Sporrer. Doch bei den Integrationskursen muss sie sich streng an Vorgaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) halten. Und das macht die Fortsetzung der Kurse in Corona-Zeiten äußerst schwierig. Denn laut Sporrer dürfen die Teilnehmer dieser Kurse nur in vom BAMF genehmigten Räumen stattfinden. Klassenzimmer mit einer in der Pandemie notwendigen Größe für eine Teilnehmerzahl von 15 Personen, die das BAMF bereits anerkannt hat, gibt es jedoch nur am Lise-Meitner-Gymnasium. Dort aber lässt die Unterhachinger Verwaltung auf Anweisung des Schulamts derzeit keine auswärtigen Gruppen rein. Die VHS hat nun Alarm geschlagen: "Wir brauchen diese Räume, am besten nächste Woche", betonte Sporrer im Kultur- und Sozialausschuss am Mittwochabend.

Es geht dabei um drei Kurse mit je 15 Teilnehmern, die vor Corona von Montag bis Donnerstag jeweils am Abend stattgefunden haben. Sporrer verwies darauf, dass in den Nachbargemeinden Schulnutzungen durch die VHS bereits wieder möglich seien. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) gibt der VHS-Leiterin zwar recht, dass es "wichtig ist, die Integrationskurse wieder durchzuführen." Doch lehnt er es entschieden ab, diese im noch laufenden Schuljahr am LMGU stattfinden zu lassen. Zum einen sei nicht allein der Gemeinderat, sondern der Zweckverband für diese Schule zuständig. Auch wolle er den größtmöglichen Schutz für die Schüler. Bei einer Fremdnutzung müssten die Putzkräfte am späten Abend die Schule erneut reinigen, und zwar nicht nur die drei Klassenräume, sondern auch alle Gänge und Toiletten, wie die Fachbereichsleiterin aus dem Rathaus, Martina Wende, erläuterte.

Der Bürgermeister zeigte sich zunächst etwas ungehalten, warum alle anderen Schulen die Klassen teilen oder Online-Unterricht anbieten könnten, nur die VHS nicht. "Ich bin etwas von den Socken, dass Sie mir vorstellen, es gibt nur die drei Räume, sonst bricht alles zusammen", sagte Panzer. Er findet die Entscheidung richtig, die Kurse nicht in der Schule stattfinden zu lassen. "Ich schütze die Kinder", sagte er. Sporrer hingegen verwies auf ihre strenges Hygienekonzept, weshalb sie keine Probleme darin sieht, die Schule zu nutzen. Neue Räume zu finden sei auch insofern schwierig, da nicht nur Vorgaben wie der freie Blick zur Tafel und eine Teeküche erfüllt werden müssten, sondern auch eine Genehmigung nicht so schnell erteilt werden würde.

Die Problematik mit dem BAMF leuchtet Panzer ein. "Mir war nicht bewusst, dass es ein so großes Problem gibt", sagte er und versprach bei der Suche nach geeigneten Räume behilflich zu sein. "In unserem großen Sitzungssaal im Rathaus wären im Moment 19 Personen zugelassen", sagte er. Nach einem Gespräch am Freitag zwischen Sporrer und Panzer deutet nun sich doch eine Lösung an. Die Gemeinde bot der VHS den großen Saal im Kubiz für die Integrationskurse an. Den muss nun das BAMF noch anerkennen. "Notfalls rufen wir da mal an", sagte Rathaussprecher Simon Hötzl.

© SZ vom 11.07.2020

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