Sicherheitswacht Hilfssheriffs zur Beruhigung

Seit vier Jahren geht die Sicherheitswacht in Taufkirchen und Haar auf Streife. Jetzt soll das Konzept ausgeweitet werden.

(Foto: Claus Schunk )

In Taufkirchen und Haar patrouillieren bereits Freiwillige auf den Straßen, um die Polizei zu unterstützen und das Sicherheitsgefühl der Menschen zu erhöhen. Nun will auch Unterhaching diesen Beispielen folgen.

Von Michael Morosow und Bernhard Lohr

Sie tragen keine scharfen Waffen, sind aber mit einem Pfefferspray für den Notfall ausgerüstet. Sie dürfen niemanden verhaften, aber einen Straftäter festhalten, bis die Polizei eintrifft: die Sicherheitswachten, mancherorts auch Hilfssheriffs genannt. Seit 2012 patrouillieren in Haar und in Taufkirchen uniformierte Polizeihelfer, nicht zuletzt, um den Bürgern ein "subjektives Sicherheitsgefühl" zu geben, wie der Leiter der Unterhachinger Polizeiinspektion Stefan Schraut sagt. Auf diesen Zug will nun auch die Gemeinde Unterhaching aufspringen.

Die Sicherheitswacht ist keine Bürgerwehr

In der Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstag, 18. Februar, wollen die Gemeinderäte einen Antrag an die Staatsregierung auf Genehmigung einer Sicherheitswacht auf den Weg bringen. Dabei lohnt es sich freilich, genau hinzuschauen. Denn mit dem Phänomen der Bürgerwehren, die auf eigene Faust losziehen und in denen sich - wie zuletzt in München - häufig Rechtsextreme tummeln, hat das nichts zu tun. "In keinster Weise" sei das zu vergleichen, sagt der stellvertretende Unterhachinger Polizeichef Martin Göppner.

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Polizeipräsidium hält die Sicherheitswacht in den Stadtvierteln für unverzichtbar und betont das Engagement der Bürger   Von Hubert Grundner

Der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein hat vor gut 20 Jahren die Sicherheitswacht als zusätzliches Instrument der Inneren Sicherheit im Freistaat eingeführt. Mit der freiwilligen und ehrenamtlichen Einbindung verantwortungsbewusster Bürger in das bayerische Sicherheitskonzept sollte der sich ausbreitenden Unkultur des Wegschauens wirkungsvoll entgegengetreten werden.

Die Sicherheitswacht wurde unmittelbar an die Polizei angebunden: Die Polizei trifft die Auswahl der Interessenten, stellt die Aus- und Fortbildung für die Sicherheitswacht sicher und koordiniert deren Einsätze. Die Aktiven bekommen als Ausrüstung Handy, Tierabwehrspray, Latexhandschuhe, Spritzenbehälter, Taschenlampe, Notizbuch und eine kleines Erste-Hilfe-Set zur Hand, und dazu ein Ortsplan. Und dann ziehen sie in der Regel zu zweit los.

Die Polizei hat gute Erfahrungen mit dem Konzept gemacht

Die Polizei hält das Konzept mit den Hilfssheriffs nach vier Jahren Erfahrung für gelungen. Die Sicherheitswacht unterstütze die Polizei, sagt der Haarer Polizeichef Peter Mailer, die Einsatzkräfte seien Ansprechpartner für die Bürger. Sie meldeten, wenn Autos am Straßenrand wild abgestellt seien oder wenn sie "Schmierschriften" an Wänden vorfänden, die entfernt werden müssten. Sie sollten aber auf keinen Fall die Polizei ersetzen.

Acht geben, nicht angeben

Kommentar von Sabine Wejsada

Achtsamkeit ist etwas sehr Wertvolles. Nicht umsonst ermuntern die Polizeichefs der einzelnen Inspektionen im Landkreis München die Besucher von Bürgerversammlungen immer wieder, ruhig ganz genau hinzusehen. Wenn in Nachbars Garten unbekannte Gestalten ihr Unwesen treiben oder sich an Türen und Fenstern im Haus gegenüber zu schaffen machen, und gleich die 110 zu wählen. Lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig. Das hat im besten Fall nichts mit Denunziantentum zu tun und sollte in freien Bürgergesellschaften etwas ganz Selbstverständliches sein. Dort, wo Menschen zusammen leben, ist es wünschenswert, wenn die einen auf die anderen aufpassen und umgekehrt - zum Nutzen aller. Und das nicht nur, um Einbrüche und anderes zu verhindern, sondern auch um Alarm zu schlagen, wenn man die betagte Dame aus dem dritten Stock seit Tagen nicht mehr gesehen hat und sich in deren Briefkasten die Gratis-Blättchen und Werbeprospekte stapeln. In einigen Kommunen reicht es aber wohl nicht, dass Nachbarn auf Nachbarn schauen. Dort drehen Mitglieder von Sicherheitswachten ihre Runden, ausgewählt und ausgebildet von den örtlichen Inspektionen. Seit 20 Jahren können in Bayern Freiwillige als Hilfssheriffs patrouillieren. Gerade in Zeiten, in denen Polizisten unter Überstunden ächzen oder den Mangel auf der Wache verwalten, weil Kollegen ausfallen, mag so ein Modell seine Berechtigung haben. Über eines aber müssen sich all jene, die bewehrt mit Pfefferspray und gelber Weste durch die Straßen laufen, bewusst sein: Sie sind nicht der verlängerte Arm der Polizei. Acht geben, lautet das Gebot der Stunde. Nicht angeben.

Eine Hilfe sei die Sicherheitswacht, in dem Bereich, in dem sie eingesetzt sei, aber schon, sagt Göppner. Es laufe "sehr gut". Entscheidend sei die Auswahl des Personals. An dem fehlt es nicht. Derzeit ist der Pool an Einsatzkräften bei der Unterhachinger Polizei so groß, dass man sofort anfangen könnte, sollte Unterhaching beschließen wie in der Nachbarkommune die Sicherheitswacht auf die Straße zu schicken.

In Haar sind erst kürzlich drei Frauen dazugestoßen

In Haar ist die Sicherheitswacht seit Mitte 2015 wieder mit acht Personen voll besetzt. Drei neue Frauen stießen zum Team. Dimitra Malapetsa wohnte lange in Haar bevor sie in die Nachbargemeinde Vaterstetten umzog. Sie kam über eine Freundin, die bei der Polizei arbeitet, dazu. Marika Sölch kommt aus Grafing und arbeitet in einem Sicherheitsdienst beim Empfang.

Und Sonja Mangstl ist Polizeiangestellte und will in der Sicherheitswacht als Bindeglied zwischen Bürger und Polizei fungieren. Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) lobte kürzlich bei einem Pressetermin in der Polizeiinspektion die Arbeit der Sicherheitswacht. Sie hatte zufällig selbst erlebt, wie diese eine ältere, verwirrte Dame angesprochen hat. Einfühlsam und kompetent sei man mit dieser umgegangen, sagte Müller.

Voraussetzung ist eine Ausbildung

Damit das so funktioniert, müssen alle Einsatzkräfte eine Ausbildung durchlaufen, die in einer Abschlussprüfung bei der Polizei mündet. In den 40 Unterrichtseinheiten stehen Rechts- und Dienstkunde auf dem Stundenplan, aber auch Psychologie. Denn bei ihren Streifengängen sollen die Sicherheitswachtler vor allem vorbeugend und deeskalierend tätig sein - also Situationen gewaltfrei entschärfen, Randalierer zur Räson rufen und ruhestörende Zusammenkünfte auflösen. Dazu ist Fingerspitzengefühl gefragt, und der richtige Ton in der Ansprache.

Start und Zielpunkt der rund dreistündigen Streife ist in Haar jeweils die Polizeiinspektion an der Rechnerstraße. Die Einsatzgebiete legt die Polizei in Haar fest, wobei laut Peter Mailer auf aktuelle Entwicklungen eingegangen wird. Derzeit seien die fünf Frauen und drei Männer vor allem am Bahnhof, im Ortszentrum, in der Siedlung am Jagdfeld sowie in Neu-Eglfing, aber auch mal Unter-Haar unterwegs. Mit den in Haar untergebrachten Flüchtlingen habe es für die Sicherheitswacht bislang noch keinen Vorfall gegeben.