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Unterhaching:Grüne fordern Planungsstopp in der Frischluftschneise

Treffen der Grünen zum Thema Frischtluftschneise : (v.l.) Claudia Köhler, Christoph Nadler, Christian Hirneis, Tania Campbell, David Grothe, Armin Konetschny, Kilian Körner, Katrin Habenschaden, Christian Smolka, Paul Heger, Joachim Lorenz, Markus Büchler.

(Foto: Claus Schunk)

Politiker aus Stadt und Landkreis setzen sich für ein Moratorium ein, bis die Gutachten zum Hachinger Tal vorliegen.

Die Grünen aus Stadt und Landkreis München wollen sich gemeinsam für den Erhalt der Frischluftschneise Hachinger Tal stark machen. Bei einem Treffen in Unterhaching forderten die Bürgermeisterkandidaten aus den südöstlichen Gemeinden, Landratskandidat Christoph Nadler und die Münchner OB-Kandidatin Katrin Habenschaden ein Moratorium über die weitere Ausweisung von Bauflächen für Wohnen und Gewerbe, bis beide Gutachten zum Regionalen Grünzug öffentlich vorliegen. Ein solches Stillhalteabkommen würde sämtliche Planungen für eine mögliche Bebauung des 27 Hektar großen Kapellenfelds auf dem Gebiet der Gemeinde Neubiberg und dem angrenzenden Areal der Landeshauptstadt erst einmal stoppen. Der Münchner Landtagsabgeordnete Christian Hierneis geht davon aus, dass das Ergebnis der Gutachten sein wird, "hier nicht zu bauen".

Für die Frischluftzufuhr der südöstlichen Münchner Stadtbezirke bis hin zum Ostfriedhof kommt dem Grünzug Hachinger Tal eine besondere Bedeutung zu. Das geht allein aus den bereits vorliegenden Klimafunktionskarten hervor, auf die der Fraktionssprecher der Grünen im Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten und ehemalige Münchner Umweltreferent Joachim Lorenz verweist, wenn er sagt: "Die Frischluftschneise muss freigehalten werden. Der Bau von Infineon war schon eine Fehlentscheidung."

OB-Kandidatin Katrin Habenschaden warnt davor, nur innerhalb von Gemeindegrenzen zu denken.

(Foto: Claus Schunk)

Die südlichen Schwachwinde aus den Alpen und das sogenannte alpine Pumpen, das dafür sorge, dass in der Nacht kühle Luft aus den Bergtälern nach München ströme, bahnten sich den Weg durch das Hachinger Tal und sorgten für eine Abkühlung der Stadt um bis zu acht Grad. "Eine Bebauung hätte einen massiven Einfluss darauf", sagt auch Paul Heger, Meteorologe und Sprecher des Grünen-Ortsverbands Ramersdorf-Perlach. In Sommernächten hätte man dann 22 bis 23 Grad statt 16 bis 17, "das ist hochgradig riskant, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Hitzetoten steigt", so Heger.

Es gelte ein Abstimmungsgebot der Gemeinden

Zwei Gutachten stehen derzeit noch aus, um präzise sagen zu können, welche Auswirkungen eine Bebauung hätte. Seit 2014 arbeitet der Deutsche Wetterdienst an einer aktuellen Untersuchung des alpinen Pumpens, Ende dieses Jahres soll sie öffentlich gemacht werden. Zudem hat der Münchner Stadtrat Ende 2019 beschlossen, ein mikroklimatisches Gutachten über die uneingeschränkte Wirksamkeit der Frischluftzufuhr in Auftrag zu geben.

Interessent Intel

Wie aus Unterlagen einer nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung in Neubiberg hervorgeht, hat bereits eine ortsansässige Firma Interesse an einer Gewerbeansiedlung auf dem Kapellenfeld nördlich des Infineon-Campeons bekundet. Nach Informationen der SZ soll es sich dabei um den Halbleiterhersteller Intel handeln, der im Neubiberger Ortsteil Unterbiberg bereits an der Lilienthalstraße und am Infineon-Campeon sitzt. Als dem Gemeinderat 2018 das Strukturkonzept Hachinger Tal vorgestellt wurde, war sowohl ein Vertreter des Chipherstellers Infineon sowie einer von Intel anwesend. Infineon-Sprecher Gregor Rodehüser erklärte auf Nachfrage, dass Infineon nicht die Absicht habe, am Kapellenfeld zu bauen. Intel ließ mitteilen, das Unternehmen mache "generell keine Angaben zu Standorten oder Mitarbeiterzahlen." dabo

Die Grünen kritisieren vor allem, dass die Planungen für das Bauprojekt längst begonnen hätten, die Öffentlichkeit aber bisher so gut wie nicht darüber informiert worden sei. Sie fordern Aufklärung und ein Ende der Geheimniskrämerei. "Uns ist bewusst, dass es die Planungshoheit der Gemeinde betrifft, dennoch gilt hier ein Abstimmungsgebot zwischen den Gemeinden", sagt Landratskandidat Nadler. Auch der Unterhachinger Bürgermeisterkandidat Armin Konetschny mahnt ein Ende der "Kirchturmpolitik" an. Man müsse die Öffentlichkeit einbinden und dürfe das nicht in kleinen Sitzungssälen vereinbaren. "Es darf nicht sein, dass der eine dem anderen etwas vor die Nase setzt", so Konetschny.

Der Neubiberger Grünen-Bürgermeisterkandidat Kilian Körner mahnte eine interkommunale Zusammenarbeit an. Seine Gemeinde habe nur die Stadt München einbezogen, die anderen nicht. Natürlich liege die Planungshoheit alleine bei Neubiberg, doch die Dinosaurierzeiten, in denen man den anderen Beton vor die Tür stelle, seien vorbei, vor allem bei einem so sensiblen Thema wie der Frischluftschneise. "Es geht nicht nur um die Frischluft für München, sondern auch um die Lebensqualität der Menschen im Landkreis", fügte der Taufkirchner Bürgermeisterkandidat David Grothe hinzu, der überzeugt ist, in deren Sinn zu handeln: "Ich denke die Mehrheit der Leute haben wir hinter uns."

Auch der Hachinger Bach spielt eine Rolle

Auch die Münchner OB-Kandidatin Habenschaden forderte eine Gestaltung im Sinne aller Bewohner, man dürfe nicht innerhalb der Gemeindegrenzen denken: "Es geht um den Schutz dieser Flächen und da wollen wir in die Verantwortung gehen." Bei Wohnbebauung müsse die versiegelte Fläche angeschaut werden, es dürfe nicht der einfache Weg auf die grüne Wiese gegangen werden. Zudem gehöre das Gewerbegebiet Neuperlach überarbeitet, "da gibt es jede Menge Möglichkeiten".

Bei einer möglichen Bebauung des Grünzugs spiele zudem der Hochwasserschutz am Hachinger Bach ein Rolle. "Es gibt Wasserrahmenrichtlinien, die schon umgesetzt werden sollen", rief Hierneis in Erinnerung. Der ökologische Zustand des Hachinger Bachs sei schlecht, der natürliche Verlauf und die oberirdische Führung von Taufkirchen bis zum Hüllgraben müsse gewährleistet sein. Hierneis betonte: "Es spricht alles gegen eine Bebauung entlang des Bachs."

© SZ vom 16.01.2020/hilb
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