Unterhaching Genuss ohne Reue

Im Unterhachinger Treffpunkt gibt es bereits fair gehandelten Kaffee bei den Agenda-Vorständen Klaus Schulze-Neuhof und Jutta Endres.

(Foto: Angelika Bardehle)

Unterhaching will sich um das Fairtrade-Siegel bemühen

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Im Unterhachinger Treffpunkt am Hofmarkweg, wenige Schritte vom Rathaus entfernt, stehen jede Menge Produkte aus fairem Handel im Regal. Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, Zucker, Reis und Saft kann man hier mit dem gutem Gefühl kaufen, einen kleinen Beitrag für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung geleistet zu haben. Der lokalen Agenda 21, die den Treffpunkt betreibt, reicht das aber nicht. Sie hat daher angeregt, Unterhaching möge sich doch um die Zertifizierung als "Fairtrade Town" bemühen. Der Umweltausschuss des Gemeinderats hat diese Idee bereits einstimmig begrüßt. Jetzt müsste an diesem Mittwoch noch der Gemeinderat zustimmen, damit Unterhaching das Fairtrade-Siegel erhalten kann.

Die weltweite Kampagne, mit der die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Landwirten und ihren Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika verbessert werden sollen, gibt es seit dem Jahr 2000. Mittlerweile wurden in 26 Ländern etwa 2000 Städte und Gemeinden zertifiziert, in Deutschland alleine 500. Auch der Landkreis München hat im vergangenen Herbst beschlossen, sich um den Titel zu bemühen. Zertifiziert sind bereits Neubiberg, Gräfelfing und Unterschleißheim, Pullach befindet sich im Bewerbungsprozess. Im Unterhachinger Rathaus teilt man die Ansicht der Agenda 21, dass es der größten Gemeinde im Landkreis gut ansteht, durch die Teilnahme den ersten Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Kommune zu gehen. Es gehe darum, die Menschen für die Thematik zu sensibilisieren und ein Bewusstsein zu schaffen.

Fünf Kriterien muss eine Kommune erfüllen, um sich "Fairtrade Town" nennen zu dürfen. Dann wird der Titel zunächst auch nur für zwei Jahre verliehen. Von Vertretern des Vereins "Trans Fair Deutschland" wird nach Ablauf dieses Zeitraums geprüft, ob die Kriterien weiterhin erfüllt werden. Als erste Bedingung gilt ein Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels. Hier muss zunächst überhaupt der Teilnahme am Zertifizierungsprozess zugestimmt werden. Die Gemeinde verpflichtet sich auch, bei öffentlichen Sitzungen sowie im Bürgermeisterbüro fair gehandelten Kaffee auszuschenken und ein weiteres Produkt wie etwa Tee, Zucker, Kakao oder Orangensaft aus fairem Handel zu verwenden.

Bei der Ausschusssitzung haben die Mitglieder damit schon mal angefangen und neben dem Kaffee auch Fair-Trade-Schokolade verkostet. "Es hat allen gut geschmeckt", sagte Rathaussprecher Simon Hötzl. Ist dann auch der Gemeinderat von der Idee überzeugt, muss eine Steuerungsgruppe gebildet werden, die sich aus mindestens drei Personen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammensetzt. Anschließend sollen lokale Einzelhandelsgeschäfte sowie Gastronomiebetriebe davon überzeugt werden, mindestens zwei Produkte aus dem fairen Handel anzubieten. Bei einer Gemeinde der Größe Unterhachings gilt es, fünf Geschäfte und drei Gasthäuser oder Cafés zu akquirieren. Mitmachen sollen auch mindestens eine Schule, ein Verein und eine Kirchengemeinde. Die Verwaltung sieht darin kein Problem. Die geforderte Anzahl der Einzelhandelsgeschäfte ist bereits jetzt erfüllt. In der Gastronomie zählt man mit dem Treffpunkt und dem Café Tree's bereits zwei Teilnehmer. Auch der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt, die Pfarrei St. Korbinian und das Gymnasium gelten als potenzielle Vertreter. Fünftes Kriterium ist die Öffentlichkeitsarbeit.