Süddeutsche Zeitung

Coronavirus:Vollbadvermeidung in Unterhaching

Mit einem zweigeteilten System aus analogem Verkauf und Online-Tickets will Unterhaching die limitierte Anzahl von 630 Besuchern im Freibad möglichst konfliktfrei regulieren. Die Tickets werden günstiger.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

An schönen Sommertagen besuchen normalerweise 3000 bis 5000 Badegäste das Unterhachinger Freibad, wenn es besonders heiß ist auch schon mal 7000. Dicht an dicht liegen dann die Handtücher auf der großen Liegewiese, in den Becken kann man nur noch stehen statt wirklich schwimmen. Ein Graus in Corona-Zeiten und ein Zustand, den es durch einen limitierten Einlass unbedingt zu vermeiden gilt.

20 Quadratmeter pro Badegast erlaubt die Staatsregierung seit 8. Juni. Unterhaching kann somit 630 Badegäste gleichzeitig ins Bad lassen. Das ist, wie sich am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss zeigte, eine nicht zu unterschätzende logistische Herausforderung.

In der kontrovers geführten Diskussion zeigte sich allerdings von Anfang an Einigkeit in einem Punkt: Das Bad soll von 1. Juli an wieder täglich bis zum 13. September öffnen. Um aber lange Schlangen vor dem Kassenhäuschen zu vermeiden und viele Leute wieder wegschicken zu müssen, weil das Bad voll ist, hat die Verwaltung ein zweigeteiltes System aus analogem Verkauf und Online-Tickets erdacht. Frühsportler (8 bis 9.30 Uhr) und Spätschwimmer (18.30 bis 20 Uhr), von denen nur jeweils 50 ins Bad gelassen werden sollen, weil damit das Schwimmerbecken ausgelastet ist, können weiter ihre Karten am Eingang lösen. Gäste, die für die Zeit zwischen 10.30 Uhr und 17.30 Uhr eine Tageskarte kaufen, müssen diese auf der Webseite der Gemeinde buchen und online per Paypal zahlen. Dort soll auch einsehbar sein, wie viele Plätze aktuell noch frei sind. Verlässt ein Gast das Bad frühzeitig, kann die Kassenkraft im digitalen Buchungssystem diesen Platz wieder freischalten. Geld zurück gibt es nicht, weder bei Regen, noch wenn man aus anderen Gründen auf den Schwimmbadbesuch verzichtet.

Das Parkhaus als Vorbild

Grünen und CSU gefiel der Beschlussvorschlag zunächst überhaupt nicht. In einer gemeinsamen Stellungnahme plädierten sie für ein rollierendes Zwei-Stunden- Modell über den gesamten Tag. Damit könnte man einer vielfachen Anzahl von Bürgern die Chance geben, das Bad zu besuchen, so ihre Überlegung. Sie schlugen eine automatisierte Frequenzinformation vor, wie man sie von Parkhäusern kennt.

Sportamtsleiter Michael Trautwein bezeichnete diese digitale Lösung als Zukunftsmodell, das sich innerhalb von zwei Wochen aber nicht umsetzen ließe. Problem dabei sei der Ausgang, der technisch nicht entsprechend ausgerüstet sei. "Die E-Tickets sind komplett losgelöst davon", sagte er. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) gab zu bedenken, dass es immer schon schwierig gewesen sei, die Leute um 20 Uhr aus dem Bad rauszubringen. "Das ist unser Grundproblem", so der Bürgermeister, "wenn sich alle an Vorschriften hielten, wäre es einfacher", sagte er. Letztlich folgte der Ausschuss dem Verwaltungsvorschlag, verständigte sich allerdings darauf die technischen Möglichkeiten für die Zukunft auszuloten. Um nun zu vermeiden, dass sich vor allem Badegäste mit schnellen Internetverbindungen sämtliche Karten im Voraus sichern, soll das System nur Buchungen innerhalb der nächsten sechs Tage ermöglichen.

Auch wurde die Verwaltung beauftragt, das Tool so einzustellen, dass von einem Account möglichst wenige Tage gleichzeitig buchbar sind, um so vielen Interessenten den Badbesuch zu ermöglichen. Ganz auf die digitale Lösung umzusteigen, lehnt Panzer ab, da es auch Mitbürger gebe, die weniger internetaffin seien. Alfons Hofstetter (FW) hätte gerne zusätzlich einen analogen Verkauf für Tageskarten ermöglicht. Doch davor schreckt die Verwaltung zurück, denn dies würde das Erfassen der Namen auf Listen erfordern und Warteschlangen zur Folge haben.

Weil es weder warme Duschen noch Umkleiden und auch keine Vergünstigungen geben wird, sollen die Eintrittspreise günstiger werden. Zu günstig, wie CSU und Grünen fanden. Jetzt gibt es einen Kompromiss: Erwachsene zahlen drei Euro, Kinder einen.

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Quelle:
SZ vom 20.06.2020
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