Unterhaching:Frühschwimmer gehen auf die Barrikaden

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Wenn das Unterhachinger Freibad am Pfingstsonntag seinen Betrieb aufnimmt, öffnet es bis auf Weiteres täglich erst um 12.30 Uhr. (Foto: Claus Schunk)

Wie schon im vergangenen Sommer muss die Gemeinde die Öffnungszeiten des Unterhachinger Freibades wegen Personalmangels einschränken. Das gefällt vor allem älteren Menschen nicht, die gerne morgens ungestört ihre Bahnen ziehen würden.

Von Patrik Stäbler, Unterhaching

Es ist ein Déjà-vu, auf das man im Unterhachinger Rathaus gerne verzichtet hätte: Wie schon im vergangenen Jahr muss die Gemeinde auch in diesem Sommer die Öffnungszeiten ihres Freibads einschränken - wegen Personalmangels. Von Pfingstsonntag, 19. Mai, an können Badegäste die Einrichtung täglich von 12.30 bis 19 Uhr besuchen. Das gerade bei älteren Menschen beliebte Frühschwimmen entfällt somit komplett. Und das wiederum - auch das ist eine Parallele zum Vorjahr - führt zu Protesten seitens der Bevölkerung.

"Es gab Reaktionen auf die geänderten Öffnungszeiten, und darunter waren auch Beschwerden - vor allem wegen des Frühschwimmens", räumt Rathaussprecher Simon Hötzl ein. Insgesamt jedoch seien die Rückmeldungen "wesentlich freundlicher" ausgefallen als im Vorjahr. Damals hatte die Gemeinde aus Mangel an Rettungsschwimmern die Öffnung zunächst täglich auf die Zeit von 11 bis 18 Uhr eingeschränkt. Doch auch wegen heftiger Proteste aus der Bürgerschaft kippte in der Folge der Finanzausschuss des Gemeinderats diese Entscheidung. Stattdessen votierte er für flexible Zeiten, geöffnet war Montag bis Mittwoch von 11 bis 18 Uhr sowie Donnerstag bis Sonntag von 13 bis 20 Uhr.

"Doch das ist gar nicht glücklich gelaufen", sagt Simon Hötzl rückblickend und beruft sich dabei auf Angaben der Freibadbeschäftigten. So habe das Wechselmodell viel Verwirrung ausgelöst; immer wieder seien Gäste vor geschlossenen Türen gestanden oder hätten sich gewundert, dass das Schwimmbad schon seit Stunden geöffnet war. Daher habe sich die Gemeindeverwaltung in diesem Jahr für fixe Öffnungszeiten entschieden, die nicht zuletzt die Ansprüche von Familien mit Schulkindern berücksichtigen - "denn das ist ja eine unserer Hauptzielgruppen", sagt Hötzl. Er räumt offen ein, dass die Möglichkeiten für Frühschwimmer dadurch komplett entfallen. Jedoch glaubt der Rathaussprecher, dass man gerade in den eineinhalb Stunden nach Freibadöffnung noch relativ ungestört seine Bahnen ziehen könne. "Ab 14 Uhr wird's dann erfahrungsgemäß voll."

Auslöser für die Misere ist diesmal die Kündigung einer Fachkraft

Dass die Gemeinde heuer überhaupt dazu gezwungen ist, die Öffnungszeiten ihres Freibads einzuschränken, habe das Rathaus überrascht, gesteht Simon Hötzl. Schließlich konnten die vakanten Stellen für Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer allesamt besetzt werden, weshalb auch die Schwimmkurse für Schulkinder aus Unterhaching wie geplant stattfinden. Im Bereich der Fachangestellten für den Bäderbetrieb sei die Gemeinde jedoch kurzfristig von einer Kündigung überrascht worden. Statt drei habe man jetzt nur noch zwei Beschäftigte, die etwa für den Betrieb der Maschinen im Freibad und die Prüfung der Wasserqualität verantwortlich sind, sagt Hötzl. Dieser Engpass, der verantwortlich für die eingeschränkten Öffnungszeiten sei, werde sich so schnell nicht beheben lassen. "Das ist ein absoluter Mangelberuf", sagt der Rathaussprecher. "Solche Fachkräfte werden in München und auch in den umliegenden Schwimmbädern überall gesucht." Als kurzfristige Lösung versuche das Rathaus nun, eigenes Personal fortzubilden, so Hötzl. "Es könnte sein, dass sich das im August auswirkt."

Vorerst aber wird das Freibad nur eingeschränkt geöffnet sein. Und entgegen anderslautenden Gerüchten führe dies nicht etwa zu Einsparungen für die klamme Gemeinde, betont Simon Hötzl. "Auch aus wirtschaftlicher Sicht wäre es besser, wenn wir volle Öffnungszeiten anbieten könnten." So habe das Freibad im Vorjahr aufgrund der Einschränkungen nur knapp 110 000 Gäste verzeichnet - mithin 40 000 weniger als 2022. Und zu den geminderten Einnahmen geselle sich auch ein "Imageschaden", sagt Hötzl, der wohl auch deshalb die positiven Neuerungen der nahenden Freibadsaison hervorhebt. So kann an der Kasse erstmals per EC-Karte bezahlt werden. Und nachdem die Ticketpreise zur Saison 2023 kräftig angehoben wurden, blieben sie heuer unverändert.

Trotz dieser erfreulichen Nachrichten geht der Rathaussprecher davon aus, dass die Beschwerden über die geänderten Öffnungszeiten auch noch den Gemeinderat erreichen werden. Dieser trifft sich an diesem Mittwoch zu seiner nächsten Sitzung. "Und ich vermute stark", sagt Simon Hötzl, "dass sich dann auch Bürger wegen des Freibads zu Wort melden."

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