Nach einer umstrittenen Personalie rumort es an der Basis des Pfarrverbandes Unterhaching. Viele Kirchgänger insbesondere in der Pfarrei St. Korbinian verstehen auch zwei Wochen nach der Demission von Pfarrvikar Stanislaw Grzesik nicht, warum das Erzbischöfliche Ordinariat den von ihnen sehr geschätzten Pfarrer "wie einen räudigen Hund davongejagt hat", wie es ein enttäuschtes Pfarrverbandsmitglied ausdrückt.
Den Grund für die Entscheidung, Pfarrvikar Grzesik acht Jahre nach seinem Dienstantritt Ende Juli von allen Aufgaben im Pfarrverband zu entbinden, wollte eine Sprecherin des Erzbischöflichen Ordinariats nicht nennen. Aber bei den Gläubigen ist er bekannt: Während sie selbst ein sehr gutes Verhältnis zu dem polnischen Geistlichen pflegten, stimmte zwischen dem Pfarrvikar und dem seit eineinhalb Jahren in Unterhaching wirkenden Pfarrer Axel Windecker die Chemie nicht.
In einem Mediationsgespräch eskalierte die Auseinandersetzung
Nach Darstellung eines Mitglieds des Pfarrgemeinderats wollte sich der Vikar dem neuen, jungen Pfarrer Windecker nicht unterordnen, sondern "hatte seine eigenen Vorstellungen von Liturgie". In einem Mediationsgespräch im Pfarrverband vor vier Wochen sei die Auseinandersetzung nicht beigelegt worden, sondern im Gegenteil eskaliert. Axel Windecker habe daraufhin erklärt, mit Pfarrvikar Stanislaw Grzesik nicht mehr zusammenarbeiten zu können und die Mitglieder des Pfarrgemeinderats vor die Wahl gestellt: er oder ich.
In St. Alto und St. Birgitta habe man sich recht schnell auf die Seite des Pfarrers geschlagen, in St. Korbinian sei man indes lange unschlüssig gewesen, ob man die schriftliche Bitte an das Erzbischöfliche Ordinariat um eine schnelle Lösung des Problems unterstützen solle. Dann aber habe die Überzeugung gesiegt, dass man es trotz der großen Beliebtheit des Pfarrvikars nicht zulassen und nicht akzeptieren dürfe, dass der Pfarrverband an einer Personalie zugrunde geht. "Aber Mobbing war es nicht", sagte das Pfarrgemeinderatsmitglied.
Am Sonntag vor zwei Wochen erfuhren die Kirchengänger beim Gottesdienst offiziell von der Personalie, die bereits auch im Kirchenaushang zu lesen war. Man sei nicht glücklich darüber, weil ein ordentlicher Seelsorger verloren gehe, aber angesichts der Eskalation der Situation habe man das Ordinariat um eine schnelle Lösung gebeten, heißt es darin. Laut dem Erzbischöflichen Ordinariat wird der Pfarrvikar vorläufig bis Ende November Dienst im Pfarrverband "Vier Heilige" in Trudering-Riem verrichten. Grzesik und Windecker waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.