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Unterhaching:Ein weites Land

Peter Casagrande hat ein leuchtend gelbes Kunstwerk für die Heilandskirche erschaffen.

(Foto: Peter Rogowsky)

Künstler Peter Casagrande zeigt Installation in Heilandskirche

Von Angela Boschert, Unterhaching

Leuchtend gelb, fast golden scheint es ab Ostersonntagabend im Chor der evangelisch-lutherischen Heilandskirche Unterhaching. Grund ist ein Großbild von Peter Casagrande, das mächtig hinter dem großen Kreuz des dann Auferstandenen hängt. "Wow, da hat sich etwas verändert", werden sich die Besucher der Gottesdienste denken, hofft Pfarrer Fabian Ludwig, der die Idee hatte, "die Auferstehung bildhaft zu inszenieren". Bild und Kreuz werden miteinander in eine Wechselbeziehung treten. Ob und wie, muss jeder Besucher für sich entscheiden.

Impulse hierzu gibt das diesjährige Oster-Thema "frei.sein" der Unterhachinger Kirchengemeinde. Zwei Begriffe, die sich in der Corona-Zeit aufdrängen und bewusst nur durch einen Punkt voneinander getrennt sind. So sehr gehören sie zueinander. Auftakt zu der bis Pfingsten währenden Aktion ist der "Vernissage-Gottesdienst" am Sonntag, 19 Uhr, in dem Pfarrer und Künstler auch über "frei.sein" und das vier mal vier Meter große Ölgemälde sprechen.

Die Installation des in Maitenbeth im Landkreis Mühldorf am Inn lebenden Malers ist Teil eines insgesamt achtteiligen Großformats, das 560 mal 800 Zentimeter umfasst. Casagrande möchte "das Prozesshafte des Malens" zeigen, statt etwas Bestimmtes darzustellen. Er mache daher "Works in Progress", wie etwa in der säkularisierten Jesuitenkirche in Aschaffenburg (Foto links), wo das Gesamtbild 1995 vor Augen von Betrachtern entstanden ist, sagt der heute 75-Jährige aktive Maler. Sein Thema sind große Räumlichkeiten: "Ein Bild entwickelt sich im Raum durch den Einfluss des Raumes."

Für seine Großwerke lässt er Ölfarbe und Bitumen - das aus Erdöl gewonnene Bindemittel für Teer - übereinanderlaufen. Je nach Struktur der Leinwand sacken beide unterschiedlich tief ein. Die schwarz-bräunliche Färbung von Bitumen schlage immer wieder durch, verbinde sich aber mit den anderen Farbschichten. Das ergibt eine bewegte Struktur. Hat die Freiheit der Farbe nun etwas mit dem Freisein des Malers zu tun? Für Casagrande ist das Thema Freiheit "ein weites Land" und sei auf seine Malerei bezogen immer ein Sichbefreien, ein Tun und kein Zustand. Seinem eigenen Empfinden kann jeder jetzt selbst nachspüren. Dazu lädt die Heilandskirche ein, betont aber, zu allen "frei.sein"-Veranstaltungen müsse man sich auf der Kirchenhomepage anmelden.

"Frei.sein zur großen Farbigkeit!" - Eine Installation von Peter Casagrande in der Heilandskirche Unterhaching vom 4. April bis 22. Mai 2021.

© SZ vom 03.04.2021
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