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Unterhaching:Ehrenamt und Herzensangelegenheit

Frauenrechte, Senioren und Umwelt: Waltraud Rensch wollte im Unterhachinger Gemeinderat etwas bewirken

Von Iris Hilberth, Unterhaching

An diesem Mittwoch wird Waltraud Rensch zum letzten Mal ihren Platz im Unterhachinger Gemeinderat einnehmen. Nach 30 Jahren in diesem Gremium wird das für die bald 81-jährige SPD-Politikerin ein eigenartiger Abschied werden. Von 30 Mandatsträgern dürfen nur 13 tagen. Es ist der Corona-Krise geschuldet, dass in dem eng bestuhlten Sitzungssaal derzeit nur ein Ferienausschuss zusammenkommt. So sollen die nötigen Abstände gewahrt werden. Feierlich verabschieden will die Gemeinde sie dann im Dezember. "Aber schon jetzt ist etwas Wehmut dabei, obwohl ich ja freiwillig aufhöre", sagt Rensch.

Beinahe hätte es mit dem Ausscheiden doch nicht geklappt. Weit hinten auf der Liste hatte sie bei der Kommunalwahl noch einmal kandidiert, eigentlich nur, um ihre Partei als bekannte SPD-Frau in Unterhaching noch einmal zu unterstützen. Die Wähler haben sie um zwölf Plätze nach vorne gehäufelt. Hätten die Sozialdemokraten nicht vier Plätze verloren, wäre Rensch wieder drin gewesen, im Gemeinderat. Doch jetzt ist sie froh, bald wieder mehr Zeit für anderes zu haben. Schließlich ist sie ja auch noch Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt in Unterhaching und im Treffpunkt der Agenda 21 engagiert.

Waltraud Rensch wurde weit vorgehäufelt, aber nicht weit genug. Sie wollte ausscheiden, für anderes Zeit haben.

(Foto: Claus Schunk)

"Ich werde aber auch wieder mehr zum Bücherlesen und zum Wandern kommen und endlich mal in Ruhe etwas kochen, nicht immer nur schnell, schnell", sagt sie. "Langweilig wird mir nicht, jetzt kann ich endlich mal meinen Haushalt machen", sagt sie und lacht. Denn gerade die vergangenen Wochen und Monate haben sie sehr gefordert. Der Wahlkampf sei anstrengend gewesen, und dann war Rensch auch noch im letzten Jahr ihrer letzten Amtsperiode SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat geworden, weil zwei Kolleginnen, Sabine Penka und Karin Radl, hintereinander aus beruflichen Gründen das Amt abgegeben hatten. Nach so vielen Jahren werde sie die Kommunalpolitik aber auch vermissen, ist sie sich sicher. "Es wird mir die Gestaltungsmöglichkeit fehlen", sagt sie, "man ist nicht mehr so nah dran."

Die Frauenrechte und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren stets ihre Themen und der Grund, sich politisch zu engagieren. Daher blickt sie auch mit einem gewissen Stolz darauf zurück, dass Unterhaching als erste Gemeinde im Landkreis eine Kinderkrippe eingerichtet hatte. Später setzte sie sich vor allem für die Belange der Senioren ein. "Das kann man erst wirklich verstehen, wenn man selbst in dem Alter ist." Sie fand es daher auch immer wichtig, dass diese Altersgruppe im Gemeinderat vertreten ist, "deshalb habe ich immer wieder kandidiert", sagt Rensch.

Landratsamt

Die Teilnahme an Sitzungen war für die gewählten Volksvertreter immer nur eine Seite der Medaille. Der Einsatz galt und gilt der gesamten Gemeinde mit ihren Vereinen und Organisationen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Eine weitere Herzensangelegenheit war Waltraud Rensch stets der Umweltschutz und die klimapolitische Ausrichtung der Gemeinde. Sie war dabei, als Unterhaching sich an die Geothermie wagte, "ein tolles Wagnis, das natürlich auch schief gehen kann und nicht glücklich gelaufen ist", sagt sie heute. Gleichwohl hält sie die Themen von der Erdwärme über die Photovoltaik bis hin zu den Energiesparprogrammen für sehr wichtig. Ihr letzter Antrag im Gemeinderat war die Ausrufung der Klimaschutzgemeinde.

© SZ vom 29.04.2020
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