Unterhaching:Der gordische Verkehrsknoten

Unterhaching: Radfahrer am Rand, Autoverkehr in der Mitte - gewohntes Bild in Unterhaching. Die Hauptstraße soll nun zu einer Fahrradstraße werden.

Radfahrer am Rand, Autoverkehr in der Mitte - gewohntes Bild in Unterhaching. Die Hauptstraße soll nun zu einer Fahrradstraße werden.

(Foto: Claus Schunk)

Unterhachinger Grüne wollen Hauptstraße zur Fahrradstraße auf Probe erklären

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Der Bahnhofsvorplatz und die Hauptstraße zählen zu den am stärksten frequentierten Bereichen in Unterhaching. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) spricht gar von einem "Verkehrsknotenpunkt". Fahrgäste von S-Bahn und Bussen sind hier unterwegs, Radfahrer und Fußgänger auf dem Weg zu Jahnschule und Gymnasium sowie dem Kubiz drängeln sich auf dem Gehweg, die Parkplätze entlang der Straße sind meist belegt. Dass sich hier etwas ändern muss, darin sind sich Verwaltung und Gemeinderat einig. Überstürzen will man eine Umplanung aber nicht, sondern erst einmal Ideen sammeln. Eine neue und schnelle Lösung haben jetzt die Grünen vorgeschlagen und dabei sogar Zustimmung aus den Reihen der CSU bekommen: Wie wäre es, wenn die Hauptstraße zur Fahrradstraße erklärt würde?

Die Grünen finden, dass man dies auf der Strecke zwischen Kubiz-Vorplatz bis zum Kreisel an Münchner und Leipziger Straße zumindest mal probieren könnte, um rasch den Konflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern insbesondere in der Früh und nach Schulschluss zu lösen. Das würde bedeuten, dass Radfahrer die vorherrschende Verkehrsart sein müssen, die Straße zwar mit dem Zusatz "KFZ-Verkehr frei" versehen wird, Radler aber Vorrang haben. Sie dürfen auch nebeneinander fahren. Die Stadt München hat bereits 80 solcher Fahrradstraßen, Unterhaching mit der Oskar-von-Miller-Straße und der Karl-Mathes-Straße immerhin zwei.

Die Grünen wissen auch, dass die Entwicklung eines Gesamtkonzepts für diesen Bereich ein langwieriger Prozess wird und sehen in einer testweise ausgewiesenen Fahrradstraße eine kurzfristig realisierbare, kostengünstige, effektive Lösung. Die Fußgänger wären sicherer und entspannter unterwegs, die Radfahrer könnten nach Bedarf auch schneller fahren und es gebe kaum Umbaumaßnahmen. Auch blieben die Parkplätze erhalten und die Umgehung der Biberger Straße über die Hauptstraße werde für den Durchgangsverkehr unattraktiver. Dass die Busse weiterhin hier durch müssen, sehen die Grünen nicht als Problem an und verweisen auf die Stadt Erlangen, wo Busse bereits auf Fahrradstraßen unterwegs sind. Für Autofahrer, die sich ausbremst fühlen, hat die Fraktion ausgerechet: "Im Vergleich zu den jetzigen Stoßzeiten verlieren sie maximal 30 Sekunden, im Vergleich zu den Abendstunden 60 Sekunden. Es würde weiter wie bisher Tempo 30 gelten.

"Es ist eine gute Möglichkeit, hier eine Fahrradstraße einzurichten und dann ein nachhaltiges Konzept zu erarbeiten", lobte CSU-Fraktionssprecher Korbinian Rausch den Vorstoß der Grünen. Er findet, dass die Umplanung des Bereichs große Auswirkungen auf das Unterhachinger Ortsbild habe, "wir müssen uns überlegen, wie der Verkehr zukunftsgerecht wird und wie wir hier leben wollen", sagte er. Bürgermeister Panzer will nun zunächst "alles zusammenfassen", um es dann in einer Klausur des Gemeinderats zu diskutieren. Anschließend sollen in Bürgerwerkstätten - eventuell auch digital - die Unterhachinger in die Planungen mit einbezogen werden. Wichtig sei es aber, vorab ein Budget und eine Zeitschiene festzulegen.

© SZ vom 25.09.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB