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Unterhaching:CSU will doch eine Lärmschutzwand

Unterhachinger Gemeinderatsfraktion beantragt Stopp der Aufforstung an der A 995

Für den Unterhachinger Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) war die Sache mit dem Lärmschutz entlang der Giesinger Autobahn eigentlich erledigt. Der Gemeinderat hatte im November entschieden, dass große Baumaßnahmen aus Kostengründen derzeit nicht in Frage kommen. Der Bürgermeister wollte sich daher darauf konzentrieren, den Baumbestand entlang der A 995 zu verdichten und mit einer Petition an den Landtag weiterhin ein dauerhaftes Tempolimit zu fordern. Jetzt aber hat die CSU eine Lärmschutzwand wieder zum Thema gemacht. In der Gemeinderatsitzung am Mittwochabend hat ihre Fraktion einen Stopp der Pflanzungen beantragt. Sie will nun doch, dass die Gemeinde die Kosten für eine Lärmschutzwand ermittelt.

Man sah Bürgermeister Panzer deutlich an, dass er damit nicht gerechnet hatte. Wenige Minuten zuvor hatte er noch erläutert, dass die Bepflanzung des bestehenden kleinen Walls entlang der Autobahn noch etwas dauern werde. "Ich habe noch keine belastbaren Unterlagen", sagte der Rathauschef und vertröstete den Gemeinderat auf die Juli-Sitzung. 300 bis 500 neue Bäume hatte Panzer im vergangenen Herbst versprochen, als der Gemeinderat die Pläne für einen fünf Meter hohen Wall endgültig beerdigte, weil er den geschätzten finanziellen Gesamtaufwand von etwa zehn Millionen Euro für einen Lärmschutz zu teuer fand. Zumal ein solcher Wall laut Lärmschutzgutachten nur wenigen Unterhachingern nahe der Autobahn helfen würde. Lediglich die FDP hatte damals den für ein solches Projekt notwendigen Bebauungsplan nicht abgelehnt. Die drei Gemeinderatsmitglieder der Liberalen hatten sich dafür ausgesprochen, wenigstens mit 300 000 Euro in die Planungen einzutreten. Die CSU hingegen war im November noch strikt dagegen, das Projekt weiter zu verfolgen. Sie habe im Laufe der Planungen "massiv dazulernen müssen", meinte damals deren Fraktionschef Richard Raiser, der von dem Aufwand und den Kosten überrascht worden war.

Inzwischen sieht die CSU die Sache anders. Die Hauptverfechterin von Lärmschutzmaßnahmen an der A 995, Catia Hilgart, ist inzwischen Mitglied in der CSU und dort auch im Ortsvorstand tätig. Sie hat nach der Ablehnung des Bebauungsplans im Gemeinderat nicht locker gelassen und setzt sich weiterhin vehement für eine Lärmschutzwand entlang der Autobahn ein. Schon damals sprach sie von "völlig überzogenen Kosten" und bezeichnete Panzers Pläne zur Aufforstung und seinen Einsatz für ein Tempolimit als "Augenwischerei". Schnell hatte sie ein Angebot für eine Lärmschutzwand zur Hand, die 2,4 Millionen Euro kosten sollte. Es folgten Bürgeranfragen zu diesem Thema von ihrem Mann in der Gemeinderatsitzung und ein Brief von zwei elfjährigen Schülern an den Bürgermeister, die über Schlafprobleme klagten und Unterschriften bei Mitschülern für eine Lärmschutzwand gesammelt hatten. Auch ihnen hatte der Rathauschef erklärt, er werde Bäume pflanzen, aber keine Wand bauen.

Nun verweist die CSU auf den Bebauungsplan westlich der Robert-Koch-Straße aus dem hervorgehe, dass sich mit Bepflanzungen "keine wesentliche Verminderung des Lärmpegels" erzielen lassen. Da sich der Lärm über die gesamt Länge des Wohngebiets verteile, sei ein wirkungsvoller Lärmschutz auf ganzer Länge notwendig. Eine stärkere Bepflanzung erschwere den Bau eines effektiven Lärmschutzes. Der CSU liege ein Kostenangebot für eine vier Meter hohe, 1500 Meter lange Wand vor, "als Ersatz für die beseitigte Wand auf dem bestehenden Wall." Die Pflegekosten seien für zehn Jahre inbegriffen. Nicht nur der Bürgermeister verwies empört auf den Beschluss: "Wir können nicht so lange abstimmen, bis es passt." Auch die FDP war sehr verwundert. Über den CSU-Antrag muss nun in einer der nächsten Sitzungen abgestimmt werden.