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Unterhaching:Sorge um das Klima

Gegen eine Bebauung der Frischluftschneise spricht sich die Jugendgruppe im Bund Naturschutz aus.

(Foto: Claus Schunk)

Jugendgruppe im Bund Naturschutz kritisiert Bebauung der Frischluftschneise.

Die Jugendorganisation im Bund Naturschutz (BN) hat sich in der Debatte um den Erhalt der Frischluftschneise Hachinger Tal mit massiver Kritik an der jüngsten Entscheidung des Unterhachinger Gemeinderats zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme der Gruppe "Um die Welt" heißt es, die Gemeinde Unterhaching rühme sich zwar für ihren Einsatz im Klimaschutz, doch Teile des Gemeinderates hätten Ende Juni ein Armutszeugnis abgelegt. In einem "übereilten Beschluss" habe der Gemeinderat für ein beschleunigtes Verfahren zur Erstellung eines Bebauungsplan für ein Gebiet gestimmt, das im oder am Rand des regionalen Grünzugs liegt, welcher als Frischluftschneise für die Landeshauptstadt München dient. "Dies geschah, ohne das Gutachten des Deutschen Wetterdienstes, das vier Tage später veröffentlicht wurde, abzuwarten und einzubeziehen", so Sprecherin Annika Braun. Auch die Mehrheit des Gemeinderats Neubiberg sprach sich für eine Bebauung des sogenannten Kapellenfelds aus.

Temperaturanstieg befürchtet

Die Gruppe kritisiert, dass der Unterhachinger Bebauungsplan ohne jegliches mikroklimatologisches Umweltgutachten und ohne Umweltprüfung erstellt werden solle und Gebäude bis zu 21 Metern Höhe in dem Gebiet geplant seien. Eine herbe Enttäuschung für die jungen Umweltschützer aus den umliegenden Gemeinden. "Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft", so Sprecherin Braun. Großstädte wie München seien besonders betroffen. Eine wichtige Rolle dabei spiele das Hachinger Tal als Frischluftschneise. "Das sogenannte alpine Pumpen versorgt die südöstlichen Stadtteile bis in das Zentrum hinein mit frischer und kühler Luft." Vor allem nachts bringe es Abkühlung.

Die BN-Jugendgruppe verweist auf Daten des Deutschen Wetterdienstes: Danach führt der anthropogene Klimawandel zu einem Temperaturanstieg in München und Umgebung, dieser erreichte 2018 mit einem Anstieg um 1,9 Grad Celsius im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt einen neuen Höchstwert. Werde die Luftzirkulation unterbrochen oder gestört, so habe dies Einfluss bis in die Altstadt, warnen die Umweltschützer. Sie fordern, ein mikroklimatologisches Umweltgutachten zu erstellen und die klimatologischen Studien zur Frischluftschneise des Deutschen Wetterdienstes und des weiteren Gutachtens, welches das Referat für Umwelt und Gesundheit der Landeshauptstadt München beauftragen wird, abzuwarten und zu beachten.

© SZ vom 01.08.2020 / SZ/sab

Neubiberg/Unterhaching
:Luft aus den Alpen kühlt die Region

Ob dieser Effekt durch eine Bebauung des Hachinger Tals eingeschränkt wird, diskutieren Gemeinderäte in Neubiberg und Unterhaching. Eine Studie des Deutschen Wetterdienstes wird am Dienstag vorgestellt.

Von Daniela Bode und Iris Hilberth

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