UnterhachingJeden Tag ein Aha-Effekt

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Am 4.Mai tritt der neu gewählte Bürgermeister in Unterhaching, Korbinian Rausch (CSU), sein Amt an.
Am 4.Mai tritt der neu gewählte Bürgermeister in Unterhaching, Korbinian Rausch (CSU), sein Amt an. Sebastian Gabriel
  • Korbinian Rausch (CSU) tritt am 4. Mai sein Amt als neuer Bürgermeister von Unterhaching an und löst nach 18 Jahren Wolfgang Panzer (SPD) ab.
  • Der 33-Jährige plant Mini-Praktika in allen Abteilungen, will durch KI und Automatisierung die Verwaltung effizienter machen und Mails binnen 48 Stunden beantworten lassen.
  • Auf seiner To-do-Liste stehen die Kinderbetreuung durch den Ganztagsanspruch, die Sportplatzsituation nach dem Stadionverkauf und die Wirtschaftsförderung als Chefsache.
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Korbinian Rausch löst nach 18 Jahren Wolfgang Panzer an der Spitze der Gemeinde ab. Was er anders machen möchte und welche Ideen er zuerst umsetzt. Eines stellt er klar: Die Verwaltung muss effizienter werden.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

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Eigentlich hat Korbinian Rausch das Unterhachinger Freibad als Treffpunkt für ein Gespräch vorgeschlagen. Weil es einer seiner Lieblingsplätze in der Gemeinde ist. Doch es ist noch zu früh im Jahr und Mitte April definitiv kein Schwimmbadwetter. Man verschiebt den Fototermin und spricht bei leichtem Nieselregen im Restaurant „51 by Georg“ bei einem Glas Cola mit dem neu gewählten Unterhachinger CSU-Bürgermeister über seine Pläne für die ersten Wochen und die kommenden sechs Jahre als Chef im Rathaus.

Wie oft der 33-Jährige außer bei der Eröffnung des im Bau befindlichen neuen Schwimmhauses dann Zeit haben wird, tatsächlich ins Freibad zu gehen, wird sich zeigen. Denn der Neue an der Spitze der Gemeinde hat sich viel vorgenommen. Los geht es am 1. Mai, wenn er die Amtsgeschäfte von Wolfgang Panzer (SPD) übernimmt und dann am 4. Mai das erste Mal seinen neuen Arbeitsplatz tatsächlich als Erster Bürgermeister betritt. Zwei Wochen Urlaub im Heimatland seiner Frau, in China, also weit weg von Unterhaching, liegen gerade hinter ihm. Die habe er gebraucht, um nach dem Wahlkampf herunterzukommen und umzuschalten auf den Arbeitsmodus. Freischwimmen muss er sich als Neuer jetzt vor allem im Rathaus.

„Eine solche Wahlkampfdynamik habe ich noch nie erlebt“, sagt Rausch, aber es sei ein guter Wahlkampf gewesen, alle seien für etwas und nicht gegen etwas gewesen, man habe sich nicht mit Dreck beworfen. Deshalb hofft er auch, dass der neue Gemeinderat gut zusammenfindet.  „Die Leute wollen, dass wir uns mit Sachthemen und nicht mit Postenverteilung beschäftigen“, sagt er. Und er denkt, wenn alle Fraktionen gut vertreten sind, könne das auch gut funktionieren. Man brauche nicht wie bisher Beauftragte in jeder Fraktion für jedes Thema. „Es geht um die Kompetenzen zum Wohle der Gemeinde. Ob das nun Stefan König von den Grünen als Experte für Holzbau ist oder Stefan Zöllinger von der CSU für Finanzen.“

Damit ein gutes Miteinander gelingen kann, sucht Rausch vor der konstituierenden Sitzung am 20. Mai das Gespräch vor allem auch mit den Grünen. Während zum Start der jetzt ablaufenden Amtszeit fast so etwas wie eine schwarz-grüne Liebe im Unterhachinger Gemeinderat auszumachen war, kühlte diese gegenseitige Zuneigung schnell ab, das Verhältnis war zuletzt eher kompliziert. Die Stichwahl zwischen Rausch und der unterlegenen Grünen-Kandidatin Johanna Zapf wird die Zusammenarbeit womöglich nicht unbedingt erleichtern und könnte davon abhängen, wen das Gremium zu Rauschs Stellvertretern wählt.

Dabei, sagt Rausch, sei er Grünen-Themen gegenüber sehr aufgeschossen. „Ich habe zuletzt für eine Klimaschutz-Organisation gearbeitet“, verweist er auf seine Anstellung beim bundesweit agierenden gemeinnützigen Verein „Heimatwurzeln“ mit Sitz in Bonn. Dass er jetzt wieder ausschließlich in die Heimat und zu seinen Wurzeln zurückkehrt, von der Bundesbühne und dem zwischenzeitlichen Engagement als Referent für Außen- und Sicherheitspolitik in der CSU-Landesleitung an die Spitze der Kommunalpolitik seiner Heimatgemeinde, habe er sich schon länger ganz gut vorstellen können. Wenngleich er betont: „Bürgermeister war nicht immer meine Lebensplanung.“ Metzger aber auch nicht, wenngleich manche in Unterhaching das bis heute glauben, weil der Historiker Rausch seit einem Schülerjob in einer Metzgerei dort weiterhin nebenberuflich tätig war.

Er betont, dass er schon lange bei seinen Tätigkeiten Personalverantwortung hatte. Doch jetzt werden es 340 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Gemeinde sein, die er führen muss. Er spricht von einer „harmonischen Übergabe“ von Wolfgang Panzer und von „Wertschätzung“, die ihm wichtig sei. Man müsse die Leute ernst nehmen und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Daher plant er erst einmal in jeder Abteilung ein Mini-Praktikum, um alle und alles kennenzulernen. Gleichwohl hat er bereits Pläne, einige Dinge zu ändern. Das große Bürgermeisterbüro will er wieder in einen Sitzungssaal umwandeln und sich mit einem kleineren Zimmer begnügen. Unnütze Arbeiten will er durch KI und Automatisierung abschaffen und somit die Verwaltung schneller und effizienter machen. „Das funktioniert natürlich nur mit intensiven Gesprächen, mit Fragen und nicht mit Weisungen“, sagt er. „Wir müssen feststellen, wer macht was und was machen wir nicht mehr.“

Priorität hat für Rausch zunächst die Kinderbetreuung und die Sportplatzsituation nach dem Sportpark-Verkauf

„Pragmatisch“ ist das Wort, das Rausch in dem Gespräch im großen, samtenen Ohrensessel im „51 by Georg“ immer wieder nennt. Und damit meint er auch die Bürokratie. Man müsse schauen, welcher absurder Aufwand die Leute immer wieder vom Arbeiten abhält. Denn sein Ziel ist es, die Ansprechbarkeit der Verwaltung zu verbessern, ohne das Personal weiter aufzublähen. „Mails müssen innerhalb von 48 Stunden beantwortet werden“, sagt er und findet auch: „Man muss das vorleben. Wir müssen Erfolgserlebnisse haben, jeden Tag einen Aha-Effekt.“

Politisch stehen ganz oben auf seiner To-do-Liste die Lösung für die Kinderbetreuung durch den Ganztagsanspruch, die Sportplatzsituation nach dem Stadionverkauf und die Standortsuche für die Stockschützen, deren Halle im Sportpark dem FC Bayern weichen muss. Den „Dauerbrenner“ Wirtschaftsförderung will er zumindest zum Teil zur Chefsache machen. Da habe Unterhaching Nachholbedarf, die Aufgaben der Gemeinde seien teuer. „Vor allem müssen wir etwas dafür tun, dass die Firmen nicht abwandern.“

Rausch findet, als Bürgermeister braucht man neben Pragmatismus viel Gelassenheit. Er ist sich sicher, dass er die mitbringt, auch wenn er noch die eine oder andere Fortbildung in Verwaltung- und Kommunalrecht plant, um auch auf diesem Gebiet sicherer zu werden. Aber der neue Bürgermeister gibt sich selbstbewusst: „Es muss viel passieren, dass mich etwas aus der Ruhe bringt.“

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