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Unterhaching:Kein Geld für Turnerinnen

Die jungen Turnerinnen des TSV Unterhaching dürfen in der Zweiten Bundesliga antreten. Weil sie keinen Sponsor gefunden hatten, wandten sie sich an die Gemeinde. Doch die winkte ab.

(Foto: Claus Schunk)

Drei Sportvereine haben ihre Förderanträge bei der Gemeinde erst nach Ablauf der Frist eingereicht. Die Spielvereinigung und ein Cheerleader-Verein bekommen trotzdem Geld. Die Turnerinnen des TSV gehen dagegen leer aus.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Mit ein bisschen Geld aus Mitgliedsbeiträgen und ehrenamtlichen Trainern ist es selbst im Breitensport heute nicht mehr getan, will ein Verein mit attraktiven Angeboten punkten und in der einen oder anderen Sportart gar ein paar Medaillen gewinnen. Die Gemeinden sind daher beliebter Ansprechpartner für die Vereine, wenn es darum geht, die Kasse etwas aufzubessern. Dass man als Vereinsvertreter für eine finanzielle Förderung aber bestimmte Regeln und Fristen einhalten muss, gilt auch für das an sich sportbegeisterte Unterhaching. In zwei Fällen hat der Finanzausschuss trotz verspätet eingegangener Anträge noch einmal ein Auge zugedrückt, in einem dritten sah man sich an die gemeindlichen Richtlinien gebunden.

2017 fördert Unterhaching die Sportvereine mit 221 000 Euro

Die Gemeinde Unterhaching ist dem Breiten- und Leistungssport durchaus wohlgesonnen und daher gewillt, jedes Jahr Geld für die Förderung von Sportvereinen locker zu machen, sofern der Haushalt das zulässt. 2017 sind es insgesamt 221 000 Euro. Wer wie viel bekommt, ist genau festgelegt in einem siebenseitigen Regelwerk. Gemeinnützigkeit ist ein Kriterium, der Sitz im Gemeindegebiet und die aktive Jugendarbeit sind wichtig. Knackpunkt ist aber auch: Ein Antrag auf einen Zuschuss muss bis 1. Mai des laufenden Jahres gestellt werden.

Nun waren im Rathaus aber drei Schreiben von Sportvereinen mit der Bitte um finanzielle Unterstützung erst zwei bis vier Wochen später eingegangen. Frist verstrichen, Geld verloren? So bürokratisch und unnachgiebig wollten die Gemeinderatsmitglieder dann doch nicht mit den Vereinen umgehen und machten die Kasse für die Spielvereinigung Unterhaching und einen Cheerleader-Verein noch einmal auf. Die Turnabteilung des TSV Unterhaching allerdings ging leer aus, weil ihr Antrag auch unabhängig vom späten Eingang nicht den Richtlinien entsprach.

Green Storm Cheer ist noch recht junger Verein in Unterhaching. Zum ersten Mal überhaupt hat er für seine Jugendarbeit einen Zuschuss in Höhe von etwa 3 000 Euro beantragt - nur leider einen Monat zu spät. Christine Helming von den Grünen sieht das sehr streng: "Wenn jemand Geld von der Gemeinde will, muss er einen Antrag korrekt stellen. Das ist das Mindeste, was ich erwarten kann", sagte sie in der Sitzung des Finanzausschusses.

Die Turnerinnen des TSV Unterhaching starten in der Zweiten Bundesliga

Andere im Gremium führten das Versäumnis aber auf die Unerfahrenheit des Vereins zurück, wenngleich Bürgermeister Wolfgang Panzer sich etwas verwundert zeigte, hatte er doch die Leitung von Green Storm Cheer persönlich auf die Richtlinien hingewiesen. "Da muss man sich dann selbst drum kümmern", sagte er. Gleichwohl war allen bewusst, dass es sich hier um die Förderung von Jugendlichen in der Gemeinde handelt, und so bewilligte man schließlich den Zuschuss. Die Spielvereinigung Unterhaching kann die verspätete Einreichung des Zuschussantrags dagegen nicht auf Unerfahrenheit schieben. Schließlich gibt es diesen Verein seit 1925.

Doch wenn man für den Cheerleader-Nachwuchs bereit ist zu zahlen, muss man schließlich auch den Jugendfußballern das Geld zur Verfügung stellen. Zudem sah man dem Verein das Versäumnis nach, weil er in den vergangenen Wochen doch viel mit der Relegation und dem Aufstieg der ersten Mannschaft zu tun hatte. Knapp 8000 Euro bekommt die Spielvereinigung als Verwaltungs- und Jugendzuschuss nachträglich auf ihr Konto überwiesen.

Den gleichen Betrag hatten sich die Turnerinnen des TSV Unterhaching für diese Saison erhofft. Unerwartet hatten sie einen kurzfristig frei gewordenen Startplatz in der Zweiten Bundesliga erhalten. Die Leistung des jungen Teams stimmt, allein das Geld ist knapp. Denn einen Sponsor hatte der TSV nicht finden können, um die Finanzierungslücke zu schließen. CSU-Fraktionssprecher Richard Reiser meinte: "Die Turner sind super und es ist toll, dass sie in der Zweiten Liga starten. Aber mit unseren Sportförderrichtlinien hat das nichts zu tun." Auch Bürgermeister Panzer gab zu bedenken: "Das Problem ist: Wo fangen wir an und wo hören wir auf." Der Zuschussantrag des TSV Unterhaching wurde einstimmig abgelehnt.

© SZ vom 30.06.2017/gna

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