Unterhaching Auszubildende sollen es richten

Weil Unterhaching einfach nicht genügend Erzieherinnen findet, will die Gemeinde jetzt selbst welche ausbilden.

(Foto: Monika Skolimowska)

Weil in Unterhaching Personal in der Kinderbetreuung fehlt, will die Gemeinde 2019 das Modell Optiprax anwenden und angehende Erzieher in der Verwaltung anstellen. Den Eltern der Kinder, die aktuell einen Platz benötigen, hilft das jedoch nicht

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Wenn sich bei der Gemeinderatssitzung in Unterhaching die Zuschauerreihen füllen und dort wie am Mittwochabend überwiegend Mütter, Väter und deren Kleinkinder Platz nehmen, dann steht Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) wieder einmal vor einer unangenehmen Situation. 70 Kinder warten derzeit in der Gemeinde auf einen Kindergartenplatz. Ein Recht darauf haben sie, die Plätze wären auch da, wenn Unterhaching nur genügend Personal für die Einrichtungen hätte. Panzer soll Lösungen liefern, aber alle Bemühungen greifen nicht, Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen sind rar, "der Markt ist leergefegt", sagt Panzer immer und immer wieder. Und während er versucht, die Misere und die Bemühungen der Gemeinde zu erläutern, steht ihm sichtlich der Schweiß auf der Stirn. Er weiß auch: Die Eltern, die händeringend einen Betreuungsplatz für Sohn oder Tochter suche, befriedet das wenig. Jetzt will die Gemeinde neue Wege gehen und das fehlende Personal selbst ausbilden.

Aktuell sucht Unterhaching für die Gemeindekindergärten zwei Erzieherinnen und zwei Kinderpflegerinnen. Auch die anderen Betreiber haben Probleme, Stellen zu besetzten, bei St. Korbinian etwa fehlen die Leitung und weiteres Personal. 14 000 Euro habe die Gemeinde inzwischen ausgegeben, um die Lücken zu schließen. Es wurden Anzeigen geschaltet, Radiospots gesendet, auf Facebook geworben, Kontakt zur Erzieherinnenschulen im österreichischen Bischofshofen und zur Arbeitsvermittlung in Griechenland aufgenommen. Den Kindergarten Sternschnuppe will man gar umbenennen, weil die negativen Schlagzeilen wegen einer massenhaften Erkrankung der Kinder, deren Ursache nie gefunden wurde, als Problem gesehen werden. Zudem hat Unterhaching die arbeitsmarktpolitische Zulage für beide Berufsgruppen auf 200 Euro verdoppelt und Dienstwohnungen in verschiedenen Größen zur Verfügung gestellt. Doch all das half nichts. "Vor ein, zwei Jahren noch haben die Fachkräfte gesagt: wenn ihr eine Wohnung habt, kommen wir", erinnert sich Rathaussprecher Simon Hötzl.

Da nun aber selbst dieses Versprechen 2018 der Gemeinde nicht aus der Klemme half, will Unterhaching jetzt eine duale Ausbildung für Erzieherinnen anbieten. Seit dem Schuljahr 2016/2017 gibt es in Bayern den Modellversuch "Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen" (Optiprax). Um in dieses Projekt einzusteigen, hat Bürgermeister Panzer am Donnerstag mit der bayerischen Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) gesprochen. Die Stadt Regensburg habe mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht, sagt Hötzl. Vorgesehen wären reguläre Anstellungen als Auszubildende in der Gemeindeverwaltung mit entsprechender Vergütung. Einen Teil ihrer dreijährigen Lehrzeit verbringen dann die zukünftigen Erzieherinnen in den Einrichtungen, den anderen in einer Fachakademie. Entsprechend viele solcher Ausbildungsplätze müsste die Gemeinde schaffen, damit während der Theoriephase keine Engpässe in den Kitas entstehen. Im Rathaus hofft man, dass man mit einem solchen Anreiz langfristig die Personalprobleme gelöst werden. In der Regel müssen Erzieherinnen ihre Ausbildung selbst finanzieren. Auch Grasbrunn geht diesen Weg seit 2017. Die Gemeinde vergütet die Ausbildung mit 888,26 Euro im ersten, 938,20 Euro im zweiten und 984,02 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Wenn die Pläne von Unterhaching umgesetzt werden, könnten die Auszubildenden 2019 starten. Den Eltern, die jetzt einen Platz brauchen, nützt das nichts. Sie sind empört, auch weil sie die Vergabepraxis der Gemeinde nicht nachvollziehen können. Hauptamtsleiter Thomas Portenlänger betonte in der Sitzung, die Verwaltung gehe nach Geburtsdatum, zudem bekämen Alleinerziehende, soziale Härtefälle und Geschwister den Vorrang. Den Vorwurf, es bekämen diejenigen einen Platz, die am lautesten schrien, wies er zurück.