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Unterhaching:Allein gegen das Artensterben

Eine Phalanx gegen weiteren Einsatz von Glyphosat bildeten 30 "Bienen", "Schmetterlinge" und "Singvögel" vor der CSU-Kreisgeschäftsstelle in Unterhaching.

(Foto: Manfred Neubauer)

Demonstranten für den Glyphosat-Ausstieg sind in der Unterhachinger CSU-Zentrale unerwünscht.

Riesige Schmetterlinge, Singvögel und Bienen bekamen die Mitarbeiter der CSU-Geschäftsstelle München-Land in Unterhaching am späten Mittwochnachmittag zu sehen, falls sie aus dem Fenster schauten. Diese Pappkameraden sollten darauf aufmerksam machen, dass ihre echten Artgenossen arg bedroht sind. "Schöpfung schützen!", "Insektensterben stoppen" und "Glyphosat-Ausstieg jetzt" waren die Botschaften der etwa 30 Menschen, die dem Aufruf der Grünen-Politikerinnen Claudia Köhler (Unterhaching) und Ulrike Dowie (Neubiberg) gefolgt waren und sich auf dem Gehsteig an der Ottobrunner Straße versammelt hatten. An diesem Freitag will die EU-Kommission über eine Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat abstimmen, das im Verdacht steht, Krebs auszulösen und durch die Vernichtung vieler Pflanzenarten zum Artensterben beizutragen. "Wir wollten mit der CSU in den Dialog treten", sagte Dowie. "Denn die CSU hat einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Entscheidung", findet Köhler, die wie ihre Grünen-Kollegin sehr bedauerte, dass sich kein christsozialer Mandatsträger fand, um mit ihnen über den Einsatz von Glyphosat zu sprechen. In der CSU-Zentrale waren die Demonstranten unerwünscht.

Auf allen Ebenen Druck machen

So sprach man eben mit sich selbst und versicherte sich gegenseitig die Wichtigkeit des Anliegens. "Vielen Leuten ist nicht klar, welche Kette die Verwendung von Glyphosat mit sich zieht", so Dowie, die sich aber freute, dass dreimal so viele Leute zu ihrer kleinen Versammlung gekommen waren, wie sich bei ihr angemeldet hatten. Denen zeigte sie auch eine Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung. Zusammenfassung und Bewertung des Krebsrisikos beim Einsatz von Glyphosat stützten sich in dem Gutachten ohne Quellenangabe auf den Antrag des Konzerns Monsanto zur Verlängerung der Zulassung, so die Grünen-Politikerin. Dieses "Plagiatsgutachten" habe sie dem CSU-Bundestagsabgeordneten Florian Hahn übergeben wollen. "Wir müssen aber auf allen Ebenen Druck machen", forderte Köhler die Leute auf, aktiv zu werden.

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