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Umstrittene Darstellung:Der Mohr bleibt im Wappen

mohr

Unterföhring verabschiedet sich von der Büste.

(Foto: oh)

Unterföhring hält an der Gestaltung des Hoheitszeichens fest, gestaltet aber die Kulturpreis-Büste neu.

Von Sabine Wejsada

Kaum ein anderes Thema treibt die Unterföhringer seit fast einem Jahr mehr um als die Debatte um den Mohr, der das Wappen der Kommune ziert und als stilisierte Darstellung in Form einer Büste aus schwarzem Marmor als Publikumspreis an die beliebteste Künstlerin oder den beliebtesten Künstler der Kulturveranstaltungen verliehen wird. Bereits im vergangenen September hatte sich der Gemeinderat dazu durchgerungen, die Auszeichnung umzubenennen: Aus dem Unterföhringer Mohr wurde der Unterföhringer Kulturpreis, an der Figur aber wollten die Lokalpolitiker zunächst festhalten und neu beraten, wenn die vom Gremium beschlossene und vom örtlichen Kulturamt im Frühling organisierte Bildungsreihe zum Thema Rassismus abgeschlossen ist und Ergebnisse vorliegen. Das ist jetzt der Fall.

Künstlerwettbewerb geplant

Der Gemeinderat sprach sich in seiner Sitzung am Donnerstagabend nach eingehender Debatte mehrheitlich dafür aus, sich auch von der Büste zu verabschieden, weil deren Symbolik als herabwürdigend verstanden werden könnte. Künstler sollen nun in einem Wettbewerb Vorschläge einreichen, wie eine Skulptur in Zukunft aussehen könnte, die den Bezug zu Unterföhring und seiner Geschichte herstellt.

Beim aus den Fünfzigerjahren stammenden Unterföhringer Wappen allerdings soll alles so bleiben, wie es ist. Der von der Verwaltung ausgearbeitete Vorschlag, die klischeehafte Darstellung des Mohrenkopfes sanft zu modernisieren, wie Kerstin Bühring, persönliche Referentin von Rathauschef Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU), anregte, fand keine Mehrheit. Sogar der Bürgermeister selbst stimmte dagegen.

Zuvor wurden noch einmal intensiv Argumente ausgetauscht, ob die Figur als Herabwürdigung gesehen werden könne. Der neue FDP-Gemeinderat Veit Wiswesser verneinte und verwies darauf, dass es am Ort wegen des Themas "gewaltig rumore" und sich das Gremium fragen lassen müsse, "ob wir wirklich noch den Bürger vertreten". Er schlug eine Bürgerbefragung vor, was auf wenig Gefallen stieß. Johann Zehetmair (PWU) lehnte eine Umgestaltung ab, die Figur sei "ein Symbol der Wertschätzung".

Bildungsreihe über Rassismus

Die ehemalige Grüne Saran Diané, die sich nach der Kommunalwahl 2020 ohne Parteibuch der SPD-Fraktion angeschlossen hat, widersprach. Ihr in Guinea geborener und unlängst verstorbener Vater habe in mehr als 40 Jahren in Deutschland regelmäßig Rassismus erfahren. Der Mohr stehe nun einmal für die Kolonialzeit; für sie zähle, wie eine solche Darstellung bei schwarzen Menschen ankomme, das hätten ihr die geführten Gespräche gezeigt. Als Unterföhringerin, die im Ort aufgewachsen und vielfach engagiert ist, darunter in der Pfarrei St. Valentin, könne sie nachvollziehen, dass man sich mit dem Wappen verbunden fühle. Dennoch plädierte sie dafür, das Hoheitszeichen zu verändern. Vergebens.

Das Kulturamt hatte vor der Debatte eine Bilanz der Rassismus-Bildungsreihe vorgelegt: So nahmen an den elf Veranstaltungen des Bürgerhauses, die pandemiebedingt online stattfinden mussten, mehr als 300 Interessierte teil, wie Florian Nagel vom Kulturamt berichtete. Zusammen mit der VHS Nord, Vereinen, Bürgern und dem Gymnasium wurden Lesungen, Schauspiel, Workshops und Projekttage angeboten, die Verwaltung nahm teil und auch der Gemeinderat. Dabei ging es um die unterschiedlichen Formen von Rassismus und vor allem dessen Ausprägungen im Alltag. Gemeinsam müsse man daran arbeiten, weiter achtsam zu sein, sagte Nagel und erhielt dafür große Zustimmung aus dem Gremium, das die Reihe unisono als gelungen und erhellend lobte.

© SZ vom 17.07.2021/sab
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Das Kulturamt organisiert eine groß angelegte Veranstaltungsreihe zum Thema "Was ist Rassismus?" Anlass ist die Diskussion um den jährlich an Bühnenkünstler vergebenen Preis, der bis vor kurzem "Mohr" hieß.

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