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Unterföhring:Vom Stammgast zum Wirt

Stephan und Uta Kalis führen die Seewirtschaft am Poschinger Weiher gemeinsam.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Architekt Stephan Kalis hat den Biergarten am Poschinger Weiher übernommen. Die Gastronomieerfahrung bringt seine Frau mit

Von Carla Bihl, Unterföhring

Die Seewirtschaft am Poschinger Weiher in Unterföhring hat wieder geöffnet. Die Ehe- und Geschäftspartner Uta und Stephan Kalis führen den am Weiher gelegenen Biergarten als neue Wirte seit Ende August. Nachdem sie selbst viele Jahre als Stammgäste dort eingekehrt waren, wollte es der Zufall, dass die gebürtige Dresdnerin und der Rheinländer die Unterföhringer Gaststätte übernehmen. Auf der Suche nach einer geeigneten Gastronomie und nach einem gescheiterten Projekt gingen sie auf ein Frustbier am Poschinger Weiher vorbei und erfuhren von den langjährigen Wirtsleuten, dass diese das Lokal aufgeben wollen. Nachdem sie den Mietvertrag unterschrieben hatten, bauten sie innerhalb von drei Monaten erst einmal die gesamte Anlage komplett um. Stephan Kalis war es besonders wichtig, den Ort barrierefrei zu gestalten: "Wir haben dieses kleine Dornröschen-Schlösschen auf neuestes Baurecht angeglichen", sagt er. Stephan Kalis ist selbst Architekt und arbeitet auch trotz des neuen Betriebs noch in Teilzeit in seinem Beruf. Die gastronomische Erfahrung bringt hingegen seine Frau Uta mit, die zehn Jahre als Küchenchefin auf der Wiesn tätig war. Zusammen hatten sie bereits ein Mietkochunternehmen, das sie vor zwei Jahren veräußerten.

Uta Kalis arbeitet selbst als Chefköchin im Familienunternehmen. Damit stehen sie insgesamt zu siebt in der Küche. Wie sich der Betrieb entwickelt, möchten die beiden aus einer entspannten Haltung beobachten. Bis auf kleinere Ankündigungen, verzichteten sie auf größere Werbemaßnahmen: "Wir haben das ganz still und leise gemacht", erklärt Stephan Kalis.

Umgebaut wurde sowohl innen, als auch außen. Dabei habe man im Innenbereich den Charme der Achtzigerjahre etwas zu eliminieren versucht, sagt Kalis. Auch das Speiseausgabesystem wurde verändert. Kalt- und Warmspeisen werden in Selbstbedienung getrennt voneinander ausgegeben. Vom À-la-carte-Betrieb des Vorgängers wechselten die neuen Betreiber auf Produktionsküche. Im früher weniger genutzten Gastraum möchte Stephan Kalis mit einem Stammtisch Wirtshausatmosphäre schaffen. Besonders stolz ist er auf den neu angeschafften Hendlgrill.

Insgesamt können im Biergartenbereich etwa 714 Menschen Platz finden, im Innenbereich sind es 110. Wegen des Corona-Virus sind es derzeit weniger. Die Küche bezeichnet Kalis selbst als "gutbürgerlich, ehrlich bayerisch ohne viel Chichi zu einem fairen Preisniveau." Damit meint er typische Biergartenspezialitäten: Schweinekrustenbraten, Leberkäs, Schnitzel, Semmelknödel oder hausgemachter Obatzda. Das Fleisch beziehen die neuen Wirte von Metzgern in Niederbayern. Ihnen ist es wichtig, mit kleinen mittelständischen Unternehmen zu arbeiten.

Die Schön-Wetter-Abhängigkeit sei ein Risiko, auf das er aber gerne eingehe, erklärt Stephan Kalis: "Meine Frau ist mit Herzblut in der Küche, ich hänge mit Herzblut am Gast. Meine Frau weiß genau, was sie tut. Für mich ist es noch ein kleines Stückchen Neuland, aber ich denke, das werden wir auch ganz gut hinkriegen." Die Seewirtschaft hat das ganze Jahr über sowohl unter der Woche als auch am Wochenende ganztägig geöffnet.

© SZ vom 18.09.2020

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