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Unterföhring:Sichtschutz soll Nacktbader am Feringasee abschirmen

Dieses Schild weist am Feringasee bereits darauf hin, dass gleich der FKK-Bereich beginnt. Zusätzlich soll noch ein Zaun angebracht werden

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Gemeinde reagiert damit auf Beschwerden über Gaffer - betont aber, dass es dabei nicht nur um Flüchtlinge geht.

Der Feringasee in Unterföhring gehört zu den beliebtesten Badestellen im Münchner Umland. Mit einer Wasserfläche von 32 Hektar lockt er in den Sommermonaten Tausende von Besuchern, an manchen Wochenenden wähnt man sich an der Adria, so viel ist los: Handtuch an Handtuch; das bis zu sieben Meter tiefe Gewässer ist überfüllt mit Menschen, die schwimmen, surfen oder paddeln.

Besonders gefragt ist der See bei Freunden der Freikörperkultur (FKK). Auf der Halbinsel tummeln sich in Hochzeiten bis zu 6000 Nacktbader. Sie sollen nun mit einer Sichtschutz-Schleuse am Zugang zur FKK-Insel abgeschirmt werden, und zwar vor neugierigen Blicken. "Nicht nur von Flüchtlingen", wie es übereinstimmend aus dem Unterföhringer Rathaus und dem Landratsamt München heißt.

Allerdings soll es an den vergangenen warmen Tagen zu folgenden Szenen gekommen sein: Mehrere Asylbewerber hätten von der gegenüberliegenden Seite der Insel die Nackten unverblümt angestarrt - was diesen wiederum zuwider war. In der Gemeindeverwaltung gingen daraufhin Beschwerden von Frauen ein, die sich in ihrer Haut nicht mehr wohlgefühlt hätten, wie Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) berichtet. Man habe daraufhin recherchiert, was es mit der Sache auf sich hat. Auch bei der Polizei habe man nachgefragt. Die Ismaninger Inspektion allerdings hatte von den Vorkommnissen am Feringasee noch nichts gehört, wie der Rathauschef sagt.

"Es gibt seit Jahren Spanner am See"

Bei einem Treffen im Unterföhringer Rathaus, das nach den Worten des Bürgermeisters bereits seit Wochen ausgemacht gewesen ist, beratschlagte Kemmelmeyer mit Vertretern des Landratsamtes und der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die in der örtlichen Traglufthalle für die Sozialbetreuung der fast 300 männlichen Flüchtlinge zuständig ist, wie FKK-Freunde im kommenden Sommer vor aufdringlichen Blicken der Asylbewerber geschützt werden könnten. Dass man nun am Zugang zum Nacktbadegelände auf der Halbinsel eine "optische Schwelle" anbringen wolle, sei jedoch nicht allein den "neuen Mitbürgern" geschuldet, versichert der Unterföhringer Bürgermeister. Vielmehr habe es seit langem immer wieder Beschwerden gegeben, dass die FKK-Freunde von bekleideten Besuchern angestarrt würden. "Es gibt seit Jahren Spanner am See."

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Bis zum Start in die Badesaison soll die Holzkonstruktion auf jeden Fall stehen, wie Christina Walzner, Sprecherin des Landratsamtes, ankündigt. Der für den See zuständige Erholungsflächenverein im Landkreis geht nach den Worten von Geschäftsführer Jens Besenthal davon aus, dass der Zugangsbereich zur FKK-Halbinsel nur zwei versetzt angebrachte Bügel, die "Radlerschranke" bekommt und Schilder. Diese informieren darüber, dass die Halbinsel Freunden der Freikörperkultur vorbehalten ist - und das in mehreren Sprachen, wie Kemmelmeyer sagt. Behelfen will man sich darüber hinaus mit Piktogrammen. Damit nun wirklich jeder verstehen kann, dass es erlaubt ist, sich ganz unbekleidet auf der Liegewiese zu sonnen oder im See zu schwimmen.

Die Sozialbetreuer werden das Thema bei den Flüchtlingen ansprechen

Auch wenn der Unterföhringer Bürgermeister die "präventive Maßnahme" unterstützt, Nackerte vor aufdringlichen Blicken von Flüchtlingen und anderen zu schützen, so ganz überzeugt scheint er nicht wirklich zu sein: "Wir wollen mit dem Sichtschutz-Zaun am Zugang niemanden ausgrenzen", sagt Kemmelmeyer. Für ihn ist die Schleuse deshalb auch "eher zweitrangig". Wichtig sei vor allem, dass man "unsere neuen Mitbewohner darüber aufklärt, dass man am Feringasee nackt baden darf. Jeder, der dort ist, muss sich auf die Situation einstellen". Diese Informationen werden - auch das sei bei dem Gespräch im Rathaus besprochen worden - die Sozialbetreuer in der Traglufthalle den Bewohnern näherbringen. Mit der Schleuse und den neuen Schildern wolle man aber "mögliche Irritationen vermeiden", erklärt Kemmelmeyer.

Schließlich kämen ja nicht nur Unterföhringer, vorübergehend dort lebende und eingesessene, zum Feringasee, sondern auch viele tausend Besucher aus München und dem Umland. Und da müsse ein jeder, egal ob Flüchtling oder nicht, akzeptieren, dass es einen FKK-Bereich gebe. Den Freunden des Nacktbadens empfiehlt der Unterföhringer Bürgermeister Courage: Sollte jemand von Spannern belästigt werden, "dann setze ich darauf, dass die Leute das unterbinden und die Polizei rufen". Allerdings rät Kemmelmeyer auch zu Gelassenheit: Nur, weil eine Gruppe von Flüchtlingen am Ufer sitze und auf den See schaue, heißt das noch nicht automatisch, dass sie Badende und Schwimmer belästigen wolle. "Wer weiß, ob die Aufregung so groß gewesen wäre, wenn es sich um einheimische Burschen gehandelt hätte", mutmaßt der Unterföhringer Bürgermeister.

Dennoch: Die Holz-Schleuse zur Halbinsel kommt, die neuen Schilder auch - und eine umfassende Information der Flüchtlinge ist ausgemacht. Damit sich alle am Feringasee unbeschwert aufhalten können.

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