Der Traum von einem neuen Rathaus ist in Unterföhring ausgeträumt. Stattdessen soll der 1975 errichtete Altbau umfassend saniert werden und der Gemeindeverwaltung so mindestens weitere 25 bis 30 Jahre als Sitz dienen. Ziel ist, die solide Substanz des Betongebäudes an der Münchner Straße zukunftsfähig zu machen und dabei Zeit, Geld und Emissionen zu sparen. Schon im nächsten Sommer könnte mit den Umbaumaßnahmen begonnen werden, deren Kosten sich auf geschätzte 35 Millionen Euro belaufen – halb so viel wie ein neues Rathaus nach dem letzten Architekturentwurf verschlungen hätte. Bis spätestens 2029 soll die Sanierung abgeschlossen sein.
Mit der vom Gemeinderat getroffenen Entscheidung setzt Unterföhring nun auf eine weitaus bescheidenere Linie als es die ursprüngliche Vision vermuten ließ. Bereits seit Ende 2015 war ein repräsentatives Verwaltungsgebäude in der neuen Ortsmitte an der Föhringer Allee geplant, das Nachhaltigkeit mit futuristischer Architektur und modernen Arbeitswelten vereint. Von einem „Jahrhundert-“ oder „Leuchtturmprojekt“ sprach Unterföhrings Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft Unterföhring, PWU), als er im Juli 2022 den Vertrag mit dem Münchner Architekturbüro „Raum und Bau Planungsgesellschaft“ für das neue Rathaus unterzeichnete.
Zuletzt war für den Neubau ein Ensemble aus drei verbundenen Gebäuden in Holz-Beton-Hybridbauweise vorgesehen, mit begrünten Dächern, Fassaden und Innenhöfen zugunsten von Biodiversität und Hitzeschutz. Photovoltaik, Fernwärme und Wasseraufbereitung sollten einen Beitrag zur klimaneutralen Energieversorgung leisten.
In der Folge häuften sich jedoch die Probleme: Preisanstiege und wiederholte Anpassungswünsche der Verwaltung machten das Vorhaben zunehmend unübersichtlich. Die Planung und das anvisierte Einzugsdatum verzögerten sich; eine Schätzung für die Baukosten lag zuletzt mit mehr als 70 Millionen Euro deutlich über den ursprünglich veranschlagten 49 Millionen.
Daraufhin verwarf der Gemeinderat im März 2024 den Entwurf in der Absicht, noch einmal ganz von vorn zu beginnen – mit einem neuen Architekturbüro. Bürgermeister Kemmelmeyer sprach damals noch von einer „großen Chance“. Als jedoch im Herbst die Haushaltslage der Kommune unerwartet unter Druck geriet, wurden im Gemeinderat Stimmen laut, eine Modernisierung des bestehenden Dienstgebäudes in Erwägung zu ziehen. Denn auch die Schätzung für ein gänzlich neues Bauprojekt lagen schon wieder bei 57 Millionen Euro.
Das entsprechende Sanierungskonzept, ausgearbeitet vom Jetzendorfer Ingenieurbüro Konrad und nun gebilligt vom Gemeinderat, steht sinnbildlich für die Herausforderungen vieler Kommunen mit einer veralteten Verwaltungsinfrastruktur. Zwischen steigenden Baukosten und dem regulatorischen Druck durch EU- und Bundesvorgaben müssen Städte und Gemeinden derzeit Wege finden, ihre Verwaltungsgebäude so zu planen oder modernisieren, dass sie dem technologischen Wandel gerecht werden, ökologische und bürgernahe Standards erfüllen und zugleich die Baumaßnahmen bezahlbar halten.
Dach, Fassade und Brandschutz müssen erneuert werden
Für das alte betonlastige Rathaus in Unterföhring bedeutet das konkret einen nahezu vollständigen Rückbau bis auf wesentliche Tragwerksbestandteile. Dach, Fassade und Brandschutz gehören laut Konzept erneuert; Haustechnik wie Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroanlagen an moderne energetische Vorgaben –etwa das Gebäudeenergiegesetz – angepasst. Auch ist vorgesehen, das Rathaus gemäß der Bayerischen Bauordnung barrierefrei zu gestalten. Dazu zählen Maßnahmen wie stufenlose Zugänge, behindertengerechte Aufzüge oder eine verbesserte Orientierung im Inneren.
Auch die digitale Infrastruktur soll im sanierten Rathaus künftig eine stärkere Rolle spielen, um die Verwaltung für das Onlinezugangsgesetz 2.0 der Bundesregierung fit zu machen. Die seit Juli 2024 geltende Vorschrift verpflichtet Bund, Länder und Kommunen, zentrale Verwaltungsleistungen schrittweise elektronisch verfügbar zu machen und die öffentliche Verwaltung in Deutschland so zu vereinheitlichen. Auch Bayerns Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) drang zuletzt auf einen schnelleren technischen Fortschritt der deutschen Verwaltungsbehörden: Er will jegliche analoge Verfahren bis spätestens 2030 abgeschaltet sehen.
Dass eine Rathaus-Sanierung nicht nur einen Kompromiss bedeuten muss, hat im Landkreis München jüngst die Gemeinde Neubiberg bewiesen. Im Juni wurde dort nach zweijähriger Bauphase das modernisierte Verwaltungsgebäude wiedereröffnet: ein Komplex aus alten und neuen Bestandteilen in Hybrid-Konstruktion aus Holz und Stahlbeton, mit begrünten Flächen samt Innenhof, Photovoltaik und einem digitalen, Rund-um-die-Uhr-Bürgerservice. Alles Eigenschaften, die lange auch in Unterföhring auf dem Wunschzettel standen.

