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Poschinger Weiher Unterföhring:Natur, Ruhe und zwei Originale

Besonders Familien mit Kindern und ältere Badegäste schätzen den Poschinger Weiher in Unterföhring.

(Foto: Stephan Rumpf)

Klein, aber fein: Der Poschinger Weiher steht für unaufgeregten Schwimmgenuss. Bei Badegästen aus München und dem Umland gilt er als Geheimtipp.

Von Experten getestet und für gut befunden: Der Poschinger Weiher, alternativ auch Unterföhringer See genannt, ist "am schönsten von allen". Auch wenn Jörg Wesemüller, sein Sohn Moritz und dessen bester Freund Julian keine offizielle Funktion innehaben oder nach festen Bewertungskriterien vorgehen, können sie sich doch als Experten bezeichnen. Jeden Tag hat das Dreiergespann in dieser Woche ein Badegewässer in der Münchner Umgebung getestet, von Touristenattraktionen wie dem Starnberger See bis zum kleinen, unscheinbaren Poschinger Weiher.

An letzterem mag Jörg Wesemüller vor allem die ruhige Lage: "Es ist hier längst nicht so überlaufen wie anderswo." Das Highlight für die beiden jüngeren Jurymitglieder ist dagegen das Einfangen von Libellen. Es muss nicht immer das große Spektakel angeboten werden, um auch den Nachwuchs für die Natur zu begeistern. Auf Spektakel legt man am Poschinger Weiher sowieso keinen Wert, viele Besucher kommen seit Jahrzehnten vor allem wegen der Ruhe an den künstlich angelegten See nahe der Isar.

Ideal für Familien mit kleineren Kindern und Ältere

Einer, der seit den Sechzigerjahren regelmäßig dort angetroffen werden kann, ist Bademeister Ludwig Frommer. Er ist mit seinen 81 Jahren auch nach eigener Aussage ein "Oldie", aber: "Der Herrgott hat mir eine gute Gesundheit geschenkt." Er wurde auch vom Landesverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) für tauglich befunden, am Poschinger Weiher die Badeaufsicht fortzuführen.

Trotz körperlicher Unterentwicklung war Frommer, wie er erzählt, im Nationalsozialismus noch der Kinder-Euthanasie entgangen, nun ist er auch im hohen Alter als Lebensretter aktiv. Der Poschinger Weiher ist allerdings kein gefährliches Gewässer. Am häufigsten muss der ehemalige Polizeibeamte Insektenstiche und Schürfwunden versorgen. "Der Weiher ist ideal für Familien mit jungen Kindern und ältere Leute", sagt er.

Ludwig Frommer, 81, von der DLRG-Wasserrettung kennt den Poschinger Weiher und viele Badegäste seit Jahrzehnten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im gesamten nördlichen Bereich des Sees liegt der Grund nie tiefer als zwei Meter unter der Wasseroberfläche. Eine große Fläche am eigens angelegten Kinderstrand der Gemeinde Unterföhring ist sogar so flach, dass Kinder, die noch nicht schwimmen können, sich problemlos und sicher im Wasser vergnügen können. Auch der Kinderhort Unterföhring an der Münchner Straße nutzt im Sommer regelmäßig den Weiher als Ferienstation. Erkennbar sind die Kinder dann an ihren roten und schwarzen Badehauben, und natürlich an ihrer Lautstärke.

Auch Badegäste aus der Stadt zieht der Poschinger Weiher an

Das stört die anderen Besucher offensichtlich nicht, viele kommen seit Jahrzehnten immer wieder an den See. "Sie sind sozusagen mit uns alt geworden", sagt Rettungsschwimmer Frommer. So zum Beispiel auch das Ehepaar Diebel aus Schwabing: Sie kämen schon seit 30 Jahren hergefahren, in den vergangenen Jahren sogar fast täglich, berichten sie während einer Partie Rommé im Schatten einer der vielen von der Gemeinde eigens gepflanzten Bäume.

Ruhe und Sauberkeit nennen sie als Pluspunkte des Weihers: Weil seit längerer Zeit nicht mehr gegrillt oder Fußball gespielt werden darf, finde man so gut wie keinen Müll auf den Liegewiesen am Westufer und werde beim Entspannen nicht gestört.

Auch der See selbst ist nachgewiesenermaßen sauber: Zwar wurde Mitte Juni einmal eine Nachkontrolle aufgrund einer erhöhten Bakterienkonzentration im Wasser veranlasst, jedoch waren alle Nachuntersuchungen unauffällig. Die Wasserqualität ist anstandslos und auch von Zerkarien wird man hier viel seltener belästigt als an anderen Seen. Am wesentlich größeren und stärker besuchten Feringasee wurden diese Kleinstlebewesen in den vergangenen Jahren schon zur Plage, nicht so am Poschinger Weiher. "Das liegt vor allem daran, dass wir hier am Weiher kaum Enten haben", sagt Frommer. Diese fungieren häufig als Träger der Larven, die sich in die Haut von Schwimmern bohren und dadurch Juckreiz und Entzündungen auslösen können.

Wenige Meter entfernt rauscht die Isar

Durch den Zufluss vom Isarkanal und den Abfluss zur Isar wird zudem die Wassertemperatur des Sees ganz natürlich reguliert. Momentan ist das Wasser angenehme 25 Grad warm, im flachen Teil etwas wärmer, im südlichen, tieferen Bereich etwas kühler. Wenn der See selbst nicht aufregend genug ist, kann man sich nur wenige Meter entfernt in die rauschende Isar stürzen. Dies sollte man jedoch nur als geübter Schwimmer tun, das Risiko von Badeunfällen ist dort deutlich höher.

Falls nach dem Schwimmen der Magen knurrt oder die Kehle trocken wird, kann man im "Seegarten" von Hubert Künert einkehren. Wie Bademeister Frommert ist auch er ein echtes Original, der seine Gäste mit einer guten Dosis Humor und seinem Megafon bedient. Ob Helles oder Weinschorle, ob einfach nur Pommes oder doch die Ofenkartoffeln mit Lachs in Rahmsoße: Wenn die aufgegebene Bestellung zum Verzehr bereitsteht, kann man dies nur schwer überhören.

Über das schöne Wetter freut sich Künert selbstverständlich, aber: "Wenn's 36 Grad hat, isst halt auch keiner mehr Schweinsbraten." Zur Mittagspause kommen auch Mitarbeiter aus den ortsansässigen Medienhäusern zum Biergarten am Poschinger Weiher, um eine der großzügigen Portionen zu genießen. Johanna und Gerald Hohenschläger haben sich dagegen auf einen Eiskaffee beschränkt. Das Ehepaar hat sich mit dem Fahrrad auf den Weg entlang der Isar gemacht und schätzt die "stadtnahe Idylle".

Sauberer Badespaß

Im Landkreis München liegen sieben offiziell vom Landratsamt als solche deklarierte Badegewässer: Der Heimstettener See in Kirchheim, der Garchinger See, der Feringasee nahe Unterföhring und der Unterschleißheimer See sind als EU-Badegewässer ausgewiesen und werden von Anfang Mai bis Mitte September monatlich auf ihre Wasserqualität hin geprüft. Die übrigen drei Seen, der Deininger Weiher, auch Gleißental-Weiher genannt, bei Straßlach-Dingharting, der Taxetweiher in Ismaning und der Poschinger Weiher, offiziell als Unterföhringer See bekannt, sind aufgrund des geringeren Besucheraufkommens nicht als EU-Badegewässer klassifiziert. Auch hier wird die Qualität des Wassers im Abstand von vier Wochen überprüft. Getestet wird das Wasser auf zwei Bakterienarten: Escherichia coli und intestinale Enterokokken.

Diese kommen vor allem als Teil der Darmflora in Menschen und Tieren vor und dienen daher als Indikatoren für Fäkalverschmutzung von Gewässern. Alle als EU-Badegewässer deklarierte Seen im Landkreis haben in diesem Jahr das Drei-Sterne-Prädikat "Ausgezeichnet" erhalten. Für die übrigen Badeseen gibt es solche Prädikate nicht, doch auch hier lagen die gemessenen Bakterienmengen in diesem Jahr weit unter den gesetzlichen Grenzwerten. Einzige Ausnahme war eine Messung am Poschinger Weiher (Unterföhringer See) im 15. Juni, nach mehreren Nachprüfungen konnte jedoch schnell Entwarnung gegeben werden. Faktoren für Schwankungen sind unter anderem die Anzahl der Badegäste, Witterung und die Zahl der Vögel am See. In diesem Jahr ist das Baden in allen Seen des Landkreises unbedenklich. frm

Auch der Biber wird wieder hier gesichtet

Am Ostufer ist die Vegetation praktisch unberührt. Dieser Schutz der Natur hat einen alten Bekannten zurück an den Weiher gebracht: den Biber. Früher wurden die Tiere aus dem See entfernt oder getötet. Heute gibt es einen mit Holzbarrieren abgetrennten Bereich im Süden des Weihers, um ihren Lebensraum zu schützen. Am Ostufer sammelt inzwischen wieder mindestens ein Biberpärchen Holz, um im Süden den eigenen Bau in Stand zu halten.

"Manchmal greifen die auch Schwimmer an, wenn die zu viel Bier gesoffen haben", scherzt Wirt Künert ohne eine Miene zu verziehen. Von solchen Biberattacken hat Rettungsschwimmer Ludwig Frommer noch nichts gehört. Der Weiher sei "wasserrettungsmäßig sehr günstig zu handhaben", sagt er.

Wirt Hubert Künert an seiner Theke.

(Foto: Stephan Rumpf)

Natur, Ruhe und zwei Originale: Das macht den Poschinger Weiher zum "Traditionsgewässer", wie Frommert sagt, und zu einem Tipp für alle, die der drückenden Hitze entfliehen möchten. Etwa 20 Minuten dauert die Fahrt mit dem Fahrrad aus der Innenstadt heraus, von weiter her bietet sich eine Kombination aus S-Bahn und Radfahren an. Reist man mit dem Auto an, werden zwei Euro fürs Parken fällig.

Doch nicht nur der Poschinger Weiher bietet sich dieser Tage als Naherholungsziel an, wie Seeexperte Jörg Wesemüller und seine beiden jungen Begleiter wissen: "In der Münchner Umgebung gibt es so viele Seen, das ist der pure Luxus." Es lohnt sich also, auf Entdeckungstour zu gehen.

© SZ vom 07.08.2015/gna
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