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Unterföhring:Moderne Bushaltestellen für die Mediengemeinde

Auch wenn sie einigen Gemeinderäten zu teuer sind, führt die Gemeinde Displays mit Echtzeitanzeigen ein

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Die Mehrheit der Unterföhringer Gemeinderäte will trotz der hohen Kosten die vom Landkreis München in allen Kommunen vorgeschlagene Ausstattung von Haltestellen mit einem digitalen Informationssystem für Fahrgäste mitfinanzieren. An 20 Bushaltestellen sollen mittelgroße Displays installiert werden, am Bahnhof sollen Fahrgäste auf einem großen Bildschirm sehen können, wann der nächste Bus wohin fährt. Die Kommune muss für die Anschaffung knapp 250 000 Euro in die Hand nehmen, für den jährlichen Unterhalt sollen jeweils 58 000 Euro anfallen. Eine Stange Geld, wie zahlreiche Lokalpolitiker befanden.

Vor allem bei den Betriebskosten "haben alle geschluckt", sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) in der Sitzung, der dennoch um Zustimmung für das Projekt warb. Im Gremium war man sich allerdings nicht einig, ob sich mit den digitalen Echtzeitangaben, wie es sie zum Beispiel in München gibt, mehr Leute dazu animieren lassen, auf Bus oder Bahn umzusteigen. Gisela Fischer von den Grünen und Marianne Rader (CSU) bezweifelten dies.

Kemmelmeyer dagegen sieht darin einen Gewinn für Menschen ohne Smartphone. Sie können beim Blick auf die digitale Anzeige sehen, ob der Bus Verspätung habe und deswegen wohl auch die S-Bahn fort sein könnte, wenn sie nicht zu Fuß zum Bahnhof laufen. Die normalen gedruckten Fahrpläne an den Haltestellen seien "nicht mehr der Zeit entsprechend und angemessen", betonte der Bürgermeister, vor allem für eine Mediengemeinde wie Unterföhring. Man habe ohnehin schon reduziert, räumte er ein und erinnerte daran, dass das Landratsamt eigentlich der Ansicht war, dass alle 54 Haltestellen im Ort mit den digitalen Anzeigen versehen werden sollten.

Kopfzerbrechen bereiten auch Kemmelmeyer nach eigenen Angaben allerdings die hohen Unterhaltskosten. Da müsse man nachverhandeln, sagte er mit Blick auf den Landkreis und den MVV. Während Johann Zehetmair (PWU) an die Kollegen appellierte, diese Investition zu tätigen, weil sonst die zugesagten Zuschüsse ausfallen könnten und Unterföhring am Ende vielleicht 357 00 Euro für die Einrichtung bezahlen müsste, hätte SPD-Fraktionsvorsitzender Philipp Schwarz das Geld besser in einer Taktverdichtung angelegt gesehen. "Für uns ist das ein zu hoher Betrag, das trauen wir uns nicht", sprach Schwarz für seine Parteikollegen, die schließlich gegen das Projekt stimmten.

Die Mehrheit im Gemeinderat aber votierte für die Einführung der digitalen Anzeigen. Da half es auch nichts, dass Schwarz berichtete, dass sich etwa die Kommunalpolitiker in Ottobrunn nicht unter Zugzwang hätten setzen lassen und angesichts der Kosten ihre Zustimmung verweigerten.

© SZ vom 02.07.2020

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