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Unterföhring:Lesehilfe

Im "Leseparadies" im Flüchtlingslager Kawrgosk gibt es Bücher auf Kurdisch, Arabisch, Persisch, Englisch und Deutsch.

(Foto: Privat)

Verein initiiert Bibliotheken in Flüchtlingscamps

Zuheir Darwish weiß, was das Leben im Flüchtlingscamp bedeutet. "Ich habe nie was zum Lesen gehabt", erzählt der Künstler aus Unterföhring. Seit 2015 unterstützt der aus Syrien stammende Kurde mit seinem Verein "Baum der Hoffnung" Menschen, die im Zuge des Bürgerkrieges aus seiner alten Heimat flüchten mussten. Bekannt wurde der Verein durch das Pflanzen von Bäumen und das Verteilen von Brot in Flüchtlingslagern. Bei der neuesten Aktion geht es um Bücher.

Mitte Juni eröffneten Helfer des Vereins eine Bibliothek namens "Leseparadies" im kurdischen Flüchtlingslager Kawrgosk im Norden des Irak, nahe der Stadt Erbil. Nach Angaben des Vereins ist es die erste Einrichtung dieser Art in einem Camp der Region. "Es ist so wichtig, dass die Menschen in den Lagern etwas zum Lesen und Lernen haben", sagt Darwish. Seine rechte Hand vor Ort sei ein Lehrer, der sich um die Auswahl der etwa tausend Bücher auf Kurdisch, Arabisch, Persisch, Englisch und Deutsch kümmerte. Die Werke nutze er auch für seine Unterrichtseinheiten. Mit ihm kommuniziert Darwish oft per Videochat, wie er erzählt: "Es gefällt mir total gut, zu sehen, wie sie arbeiten", sagt er stolz. Die Anwesenheit einer Vertrauensperson sei der Grund gewesen, warum das Projekt in Kawrgosk gestartet wurde. Weil es dort offenbar so gut läuft, soll die Initiative wiederholt werden. In den Lagern Domiz und Gwelan bei Dohuk - ebenfalls im Nordirak - sollen "in zwei, drei Wochen" ähnliche Bibliotheken aufgebaut werden, berichtet Darwish. Diese sollen wie in Kawrgosk durch Spenden finanziert werden. Die Bibliothek dort habe zwischen 1700 und 2000 Euro gekostet.

"Bildung ist das Wichtigste im Leben", sagt der immer noch staatenlose Maler, der nach mehreren Jahren auf der Flucht 2000 nach Deutschland kam. Seit 2013 wohnt Zuheir Darwish mit seiner Frau Susanne Greiner in Unterföhring, die sich ebenfalls für den Verein "Baum der Hoffnung" engagiert. Neben den Leseparadies-Projekten treibt der Verein auch die Baumpflanzaktionen weiter. "Mensch und Natur müssen zusammenpassen", sagt Zuheir Darwish. Über sein Schaffen als Künstler und die Aktionen des Vereins können sich Interessierte am Samstag, 27. Juli, beim Sommerfest von "Baum der Hoffnung" im Atelier im Zindlerhaus, Am Bahnhof 2 in Unterföhring, informieren. Los geht es um 17 Uhr.