Medienunternehmen Keine Extras für Pro Sieben Sat 1

3500 Beschäftigte von Pro Sieben Sat 1 arbeiten derzeit an 16 Standorten in Unterföhring.

(Foto: ProsiebenSat1)

Der Unterföhringer Gemeinderat pocht auf Änderungen der Baupläne des Senders. Das Millionenprojekt soll sich in die örtliche Struktur einfügen.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Ob Privatmann oder Dax-Konzern, die Bauherren in Unterföhring müssen sich an die Vorgaben aus dem Rathaus halten. So ergeht es nun auch dem Medien-Unternehmen Pro Sieben Sat 1, das im Gewerbegebiet einen modernen Campus für seine Mitarbeiter errichten will - und das Dach für den geplanten Vorplatz gegen den eigenen Wunsch innerhalb seiner Grundstücksgrenzen realisieren muss. Zwischen Medienallee und Gutenbergstraße entstehen durchgängig vierstöckige Gebäude; in diesen sollen 1700 der derzeit insgesamt 3500 Beschäftigten zusammengezogen werden.

Rechenzentrum und neue Studios plant Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring

Geplant sind die Errichtung neuer Studios, eines neuen Rechenzentrums und auch des Playout-Centers, der Sendezentrale des Digitalfernsehens, die mit hochleistungsfähigen Servern und Computern ausgestattet ist.

Zum Bahnhof hin sehen die Entwürfe der Arbeitsgemeinschaft P7S1 New Campus Kohlbecker Vielmo einen für die Öffentlichkeit zugänglichen Platz vor mit einem "signifikanten Vordach" - und genau das ist für die Unterföhringer Lokalpolitiker die Crux. Der Bauausschuss des Gemeinderats hält das Dach in 20 Metern Höhe für "zu wuchtig", wie Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) in der Sitzung sagte. Vor allem, dass die Konstruktion laut den ersten Plänen vier Meter in den öffentlichen Raum ragt, ist dem Rathaus zu viel. Hier laufe man Gefahr, einen Präzedenzfall zu schaffen, auf den sich andere berufen könnten, warnte der Bürgermeister.

Die Architekten waren deshalb von der Gemeinde gebeten worden, die Entwürfe zu überarbeiten und den Dach-Überstand zu reduzieren. Das ist geschehen. Architekt Jul Vielmo berichtete in der Sitzung von den Anstrengungen und präsentierte dem Gremium zu der ursprünglichen Dach-Variante mit einem Überstand von 4,23 Metern zwei weitere: Einmal ragt das Vordach nur noch etwas mehr als zwei Meter in den öffentlichen Raum, in Variante drei endet es komplett an der Grundstücksgrenze.

Letzteres würde die Proportion des gesamten Baukörpergefüges jedoch empfindlich stören, sagte der Architekt und versuchte, den Bauausschuss zumindest von der halben Überstand-Breite zu überzeugen. Schließlich wolle man durch das städtebauliche Konzept mit moderner Gebäudekubatur und dynamischer Baustruktur einen "hochwertigen Auftakt für das hochwertige Gewerbegebiet östlich der S-Bahnlinie" schaffen, heißt es in einem Schreiben der Arge P7S1 an das Rathaus. Der Campus solle mit der neuen Unterföhringer Ortsmitte korrespondieren und durch den überdachten Vorplatz werde ein großzügiges Entree am nördlichen Bereich des Bahnhofs geschaffen.

Es sollen dieselben Maßstäbe gelten wie für jeden Bauherren

Alles Werben war jedoch vergeblich. Die Mehrheit im Bauausschuss plädierte für eine strenge Auslegung der Vorgaben: Schluss ist an der Grundstücksgrenze, das müsse auch für einen Dachüberstand gelten, sagte etwa Manfred Axenbeck (CSU). Er sorgte sich vor allem um die Campus-Nachbarn auf der anderen Seite des Kreisverkehrs am Bahnhof. Thomas Weingärtner (SPD) assistierte: Das große Dach harmoniere nicht mir der dörflichen Struktur und der kleinteiligen Bebauung. "Die alten Unterföhringer kriegen einen Rappel, wenn das große Gebäude auch noch ein so weit überstehendes Dach hat", sagte er. Auch über ein Verschieben des Gebäudes wurde kurz gesprochen. Es wäre eine Option, die mit dem Bauherrn freilich abzustimmen wäre, sagte der Architekt.

Von der Gefälligkeit der Entwürfe für den neuen Campus von Pro Sieben Sat 1 sei man immer noch beeindruckt, hieß es unisono im Gremium. Allerdings müsse man dafür plädieren, sie innerhalb des Grundstückes umzusetzen. "Das verlangen wir auch von jedem kleinen Bauherrn", sagte der Bürgermeister. Betina Mäusel (CSU) und Simone Guist (PWU) stimmten dagegen.

Bis zum Jahr 2022 soll der Campus-Umbau fertig sein

Zuletzt hieß es, der Dax-Konzern wolle einen dreistelligen Millionenbetrag in seinen Campus investieren. Abgeschlossen sein soll das Großvorhaben bis zum Jahr 2022. Damit bekennt sich Pro Sieben Sat 1 zum Standort hinter der Münchner Stadtgrenze. Der Medienkonzern verstehe sich als "Unterföhringer, bayerisches und deutsches Unternehmen", sagte Vorstandsmitglied Conrad Albert unlängst. Derzeit sind die 3500 in Unterföhring tätigen Mitarbeiter auf 16 Standorte im Gewerbegebiet jenseits der S-Bahn verteilt.