Energiekosten:Der smarte Heizungskeller

Lesezeit: 3 min

Energiekosten: Pullover, Mütze und Schal: Vielleicht gibt es ja auch Alternativen. So könnte helfen, die Heizung besser einzustellen.

Pullover, Mütze und Schal: Vielleicht gibt es ja auch Alternativen. So könnte helfen, die Heizung besser einzustellen.

(Foto: Thomas Trutschel/imago/photothek)

Die Juconn GmbH aus Unterföhring will mit Hilfe einer speziellen Software den Verbrauch alter Anlagen reduzieren. Angesichts der hohen Preise für Öl und Gas hofft man auf rege Nachfrage.

Von Bernhard Lohr, Unterföhring

Bald wird wieder der Pullover aus dem Schrank geholt. Dieses Jahr dazu vielleicht noch der Schal und ein Paar ganz dicker, warmer Socken. Der Winter kommt und dann zählt angesichts hoher Energiepreise und eines möglichen Gasnotstands jede Kilowattstunde. Nur nicht zu viel heizen, ist dann die Devise. Insofern kommt das, was sich Julian Dawo und seine Mitarbeiter im Unterföhringer Gewerbegebiet ausgedacht haben, genau zur rechten Zeit: Das Start-up Juconn GmbH verspricht, auch alte Heizanlagen auf geringen Verbrauch zu trimmen. Egal, ob es sich um eine alte Öl- oder Gasheizung handelt oder um eine Wärmepumpe. Von "ungefähr 20 Prozent" smarter Einsparung spricht Dawo, schon nach kurzer Zeit und ohne Einbußen beim Komfort. Wer also etwa 2000 Liter Heizöl im Jahr verbraucht kann bei den aktuellen Preisen 600 Euro im Jahr sparen.

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Doch Julian Dawo wirkt überhaupt nicht wie jemand, der zum Flunkern aufgelegt ist. Der 32 Jahre alte Informatiker hat in seinen jungen Jahren schon einiges auf die Beine gestellt. Er hat an der TU München studiert und 2016 die Minnt GmbH gegründet, die heute auf jahrelange Erfahrung in IT-Projekten und in der Software-Entwicklung zurückschaut. Eine Ausgründung daraus ist die Juconn GmbH, die nun wieder diverse schlaue Anwendungen programmiert hat, mit denen etwa bei Heatconn Fernwärmenetze digital optimiert werden oder bei Tempconn Kühlsysteme. Mit Immoconn hat Dawo nun ein Produkt im virtuellen Schaufenster stehen, das in diesem Winter große Dinge leisten könnte.

Energiekosten: Ein Kästchen wie ein Wlan-Router und Sensoren an zwei Heizungsrohren: Das ist eigentlich alles, was Julian Dawo zur Energieeinsparung braucht.

Ein Kästchen wie ein Wlan-Router und Sensoren an zwei Heizungsrohren: Das ist eigentlich alles, was Julian Dawo zur Energieeinsparung braucht.

(Foto: Robert Haas)

Dawo ist in diesem Fall ein echtes Glückskind. Er erzählt in dem Besprechungsraum seiner Firma an der Feringastraße in nüchternen Worten, wie er überhaupt darauf gekommen ist, den kleinen Kasten mit Sensoren zu entwickeln, den man an seiner alten Heizung mit geringem Aufwand installieren kann, damit er Daten ausliest und an eine Software-Plattform weiterleitet. Der Heizungskeller sei "bisher eine Blackbox" gewesen, sagt der 32-Jährige. Kaum jemand habe da tieferen Einblick gehabt. Er habe gedacht, er könne für Mieter mehr Transparenz schaffen und Vermietern ein Tool in die Hand geben, damit diese sich unnötige Servicefahrten sparen.

Früher galt: Hauptsache, die Wohnung ist warm. Diese Haltung hat sich geändert

Eine Heizanlage lasse sich mit Immoconn besser warten, sagt Dawo. Mehr als 50 Prozent der Anlagen in den Kellern der Deutschen seien 15 Jahre alt oder älter. Ein Defekt falle oft erst auf, wenn Stunden später die Heizung kalt bleibt. Bis dann der Vermieter informiert sei und ein Handwerker gefunden, könnten Tage vergehen.

Ein Aspekt war natürlich auch, mit Hilfe der durch das Gerät ermittelten Daten Heizanlagen besser einstellen zu können. Das sei nicht so wichtig gewesen, solange fossile Brennstoffe günstig waren, sagt Dawo. Das Haus oder die Wohnung sollte warm und gemütlich sein. Die Folgen für das Klima oder die Kosten seien zweitrangig. "Im Zweifel eher mehr Energie und weniger Ärger" - das war Dawos Einschätzung nach die Losung, nach der viele ihre Heizung betrieben haben. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und dessen Folgen haben diese Haltung freilich verändert.

Energiekosten: Eine Verkabelung im Heizungskeller: Die Firma Juconn will mit einfachen Mitteln alte Anlagen optimieren. Egal, ob die mit Gas oder Öl laufen.

Eine Verkabelung im Heizungskeller: Die Firma Juconn will mit einfachen Mitteln alte Anlagen optimieren. Egal, ob die mit Gas oder Öl laufen.

(Foto: privat)

Jetzt spielt es eben eine Rolle, wann wirklich das mit kostbarer, weil knapper Energie erhitzte Wasser gebraucht wird. "Ein Schichtarbeiter duscht zu einer anderen Zeit", sagt Dawo. Zu dessen Leben passe keine standardisierte Tag-Nacht-Schaltung. Mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz wertet Dawos Firma Juconn, die die Geräte zur Heizungsoptimierung anbietet, die ausgelesenen Daten aus und liefert konkrete Handlungsempfehlungen. Bereits nach einer Woche hat man dem Firmenchef zufolge erste Erkenntnisse vorliegen, nach einem Monat sei das Lagebild ziemlich klar. Dann sei es nur noch ein kleiner Schritte, die Heizung anzupassen, sagt der Unterföhringer. "Es ist wirklich machbar. In jedem Heizungskeller."

Die Probe aufs Exempel gab es bereits in Magdeburg, wo die Technik in mehreren Wohnblöcken eingesetzt wurde. Laut Sarah Wannagat, Leiterin der Hausverwaltung beim Wohnungsverwalter Bricks, wird man über die App nun frühzeitig informiert, wenn etwas im Heizungskeller schiefläuft. "So können wir reagieren, bevor der Mieter das Problem bemerkt." In den vergangenen Wochen habe man das System zudem genutzt, um schrittweise den Energieverbrauch zu reduzieren. "Dies ist uns wohl ganz gut gelungen. Das Feedback der Mieter ist positiv."

Energiekosten: Bei einem Testlauf in Wohnanlagen in Magdeburg wurden Einsparungen erzielt.

Bei einem Testlauf in Wohnanlagen in Magdeburg wurden Einsparungen erzielt.

(Foto: privat)

Die Juconn GmbH ist überzeugt, dass die Technik bei vielen Hausverwaltungen gut eingesetzt werden könnte, um schon in diesem Winter Energie zu sparen. Die Geräte seien kurzfristig verfügbar und lieferbar. "Das kann in wenigen Minuten vom Hausmeister installiert werden", sagt Dawo. Die Kosten betragen einmalig 1500 Euro, später fällt eine Lizenzgebühr von 20 Euro im Monat an. Je nach Energiepreis hat sich die Investition nach etwa drei Jahren amortisiert.

Weil das seiner Ansicht nach sehr günstig ist, glaubt auch Christian König an den Erfolg des Projekts. König ist Investment-Manager bei Grünwald Equity, einem Unternehmen, das auch in grüne Energie-Projekte Geld steckt und überall dort investiert, wo Rendite zu erwarten ist. Ein Projekt sei das Geothermie-Kraftwerk in Traunreut gewesen, sagt König, das man zuletzt erst verkauft habe. Jetzt setzen die Grünwalder darauf, dass die kleine Software-Schmiede in Unterföhring einen großen Wurf hinlegt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB