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Unterföhring:Eine Lok für den Bahnhof

Noch steht die Lok auf dem Gelände der Firma Überland - bald könnte sie in der Nähe des Bahnhofs bestaunt werden.

(Foto: Robert Haas)

Der Heimatverein "Feringer Sach" restauriert eine alte Schmalspur-Diesellok. Sie diente einst der Firma Moll und soll künftig an prominenter Stelle stehen.

Die drei Männer haben eine ganze Menge zu tun: Reiner Litwin und Bernd Blaim schrubben Türen ab, Harro Mulzer spritzt derweil das gute Stück mit einem flüssigen Entroster ab, der absolut umweltfreundlich ist, wie er sagt. Den älteren Herren aus Unterföhring ist der Spaß an der Arbeit an diesem sonnigen Nachmittag auf dem Gelände der Firma Überland anzumerken. Und auch Peter Zimmermann, dem Vorsitzenden des örtlichen Heimatvereins "Feringer Sach", ist anzusehen dass er stolz ist auf das, was dort gerade passiert: die mühevolle Restaurierung einer historischen Diesellok.

Die kleine Lok zog einst Züge mit Schutt

Seit vergangenem September wird an dem Vehikel gearbeitet. Der Verein hat die Diesellok mit einer Spurbreite von 60 Zentimetern und zwei Zylindern, gebaut im Jahr 1955 von Henschel, geschenkt bekommen. Das "Zeugnis der Unterföhringer Wirtschaftsgeschichte", wie Zimmermann die Lok nennt, gehörte der Firma Moll (später Überland), die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren mit einer Schmalspurbahn aus dem Stadtgebiet München sowohl Kies als auch Abraum nach Unterföhring transportierte. Die Lok stand viele Jahre lang am südlichen Ortseingang von Unterföhring auf dem Freigelände der Firma an der Münchner Straße, ehe sie in einer Halle verschwand. Und dann dem Heimatverein Feringer Sach übergeben wurde.

Interessenten aus ganz Deutschland und darüber hinaus hätten sich um das Fahrzeug gerissen, erzählt Zimmermann. Dem früheren Besitzer sei aber daran gelegen gewesen, dass der Verein die zweieinhalb Meter hohe und mehr als vier Meter lange Lok bekommt - und restauriert.

Das gute Stück kommt in die Vitrine

Etwa 1000 Euro wird Feringer Sach die Wiederherstellung kosten. Ist diese abgeschlossen, soll das Gerät auf Wunsch des Heimatvereins in der Nähe des Bahnhofs aufgestellt und der Öffentlichkeit in einer Art Vitrine als Schutz gegen Vandalismus präsentiert werden können. Der Unterföhringer Gemeinderat hat sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, das vier Tonnen schwere Gerät mit einem noch vorhandenen Gleisstück auf einem tragfähigen Unterbau auszustellen. Die Mitglieder des Heimatvereins können sich vorstellen, dass etwa die Grünfläche westlich vor dem Bahnhof ein guter Platz sein könnte, oder das Rondell an der Medienallee.

Bis zum September sollen die Arbeiten an der historischen Diesellok abgeschlossen sein. Blaim, Litwin und Mulzer werden in den nächsten Wochen also noch fleißig weiter schleifen, grundieren und malen. Die Restauration sei eine wahre Freude, sagen sie übereinstimmend. Blaim erinnert das Werkeln an seine Kindheit, in der er viel mit Eisenbahnen gespielt hat. Und Litwin und Mulzer schrauben sowieso gern an altertümlichen Maschinen herum.

Normalerweise schrauben die Männer an Motorrädern herum

Sie beide sind Oldtimerfreunde und haben selbst historische Motorräder zu Hause in der Garage stehen. Diese bedürfen freilich auch einer gewissen Pflege. Den Motor der Diesellok hat Mulzer übrigens ebenfalls komplett zerlegt, gereinigt und wieder zusammengesetzt. "Würde man ein paar Kleinigkeiten machen, könnte die Maschine wieder laufen", sagt er. Muss sie aber gar nicht, langt ja, wenn die Lok originalgetreu aufgehübscht wird.

Peter Zimmermann schwebt vor, dass der Heimatverein Feringer Sach regelmäßig einen Besichtigungstag für die Unterföhringer Bürger anbieten könnte, wenn die Lok denn dann einmal auf ihrem Ausstellungsplatz steht. Interessierte könnten sich bei dieser Gelegenheit das Schmuckstück und dessen Geschichte erklären lassen - und Kinder vielleicht sogar einsteigen und so tun, als würden sie mit der Eisenbahn fahren.