Unterföhring Der Kreisel bleibt, wie er ist

Mehrheit des Gemeinderats will mit Umbau warten

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Manuel Prieler, Fraktionsvorsitzender der Parteifreien Wählerschaft Unterföhring (PWU), konnte nicht mehr an sich halten, als es in der jüngsten Gemeinderatssitzung wieder einmal um den Umbau des großen Kreisverkehrs auf der Kreisstraße M 3 ging. "Wir rücken immer mehr davon ab, über die Parteigrenzen hinweg gemeinsam eine Lösung zu finden", klagte er angesichts der sich abzeichnenden Blockade des Projekts durch CSU und SPD. Und: "Wenn wir so weitermachen, dann werden wir als der Gemeinderat in die Geschichte eingehen, der alles verschiebt und verzögert."

Hintergrund für Prielers Philippika, in der er auch an die früheren Gepflogenheiten des Unterföhringer Gemeinderates erinnerte, als man trotz unterschiedlicher Meinungen zu tragfähigen Entscheidungen gefunden habe, und "politische und persönliche Animositäten" nicht das Geschehen prägten, war die erneute Diskussion um die Ertüchtigung des wichtigen Kreisels, über den viele Pendler ins Gewerbegebiet der Kommune gelangen.

Ziemlich genau vor einem Jahr hatten sich die Unterföhringer Lokalpolitiker mehrheitlich für einen Umbau des großen Kreisverkehrs an der Dieselstraße ausgesprochen, mussten das Paket aber noch einmal aufschnüren. Die CSU-Fraktion hatte beantragt, die Planungen zu modifizieren, um so die Größe des bestehenden Kreisels auszunutzen, ohne weitere Flächen kaufen und versiegeln zu müssen. Als Beispiel hatten die Christsozialen einen vergleichbaren Kreisverkehr in Traunstein ins Feld geführt und gebeten, in ähnlicher Weise zu verfahren. Zu diesem Zweck sollte eine Simulation für das Traunsteiner Modell auf Unterföhringer Flur erstellt und die Kosten geschätzt werden.

Seit Februar liegt beides vor: Die Baukosten für den Kreisel nach Traunsteiner Vorbild würden circa 545 000 Euro kosten und damit 20 000 Euro weniger als die ursprüngliche Planung. Allerdings lehnt das staatliche Bauamt die Variante ab. "Eine grundlegende Verbesserung der Leistungsfähigkeit durch die Planungsvorschläge der CSU-Fraktion ist nicht zu erwarten", heißt es. Auch in Sachen Verkehrssicherheit sieht die Behörde Risiken, zum Beispiel wegen zu kurzer Einfädelspuren. Unterföhring solle den Kreisverkehr so erweitern, wie zunächst geplant, teilte das Straßenbauamt nach einer neuerlichen Überprüfung des CSU-Modells mit. Dieses sei nicht genehmigungsfähig, berichtete Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) in der jüngsten Sitzung.

Dennoch weigerten sich CSU- und SPD Fraktion, den von der Verwaltung formulierten Beschluss zu fassen, die Pläne vom April 2016 umzusetzen. Die Parteifreien unterlagen mit neun zu 14 Stimmen. Man solle mit dem Umbau des Kreisverkehrs warten und nicht in Vorleistung gehen für die Stadt München, die derzeit ein großes neues Siedlungsgebiet im Nordosten mit 30 000 Einwohnern und 10 000 Arbeitsplätzen plant, dessen Erschließung vor allem über die Kreisstraße M 3 abgewickelt werden soll, sagte Jutta Schödl (SPD). Manfred Axenbeck (CSU) ergänzte: "Wir sehen jetzt keine Notwendigkeit, sondern wollen den Ausbau um ein Jahr schieben", sagte er. Zunächst solle man abwarten, wie sich die Ertüchtigung der Straßen im Unterföhringer Gewerbegebiet auf die Verkehrsflüsse auswirke.

Vor allem morgens und am Spätnachmittag stehen die Autos am Kreisverkehr Dieselstraße/M 3 dicht an dicht. Zur Ertüchtigung hatte der Gemeinderat auf Basis von Verkehrszählungen, Gutachten sowie Expertenanhörungen beschlossen, die einzelnen Knotenpunkte und Streckenabschnitte zu optimieren. Dass dies alles nun mit der jüngsten Entscheidung des Gemeinderats obsolet ist, rief bei Manuel Prieler nur ein verständnisloses Kopfschütteln hervor.