Kommunalwahl in UnterföhringEin Roter in einer der reichsten Gemeinden

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Der neue Unterföhringer Bürgermeister Florian Klietsch (SPD)  arbeitete bislang in der Verwaltung der Gemeinde. Von Mai an  sitzt er selbst im Chefsessel des Rathauses.
Der neue Unterföhringer Bürgermeister Florian Klietsch (SPD)  arbeitete bislang in der Verwaltung der Gemeinde. Von Mai an  sitzt er selbst im Chefsessel des Rathauses. Robert Haas
  • Florian Klietsch (SPD) wurde im März bereits im ersten Wahlgang zum neuen Bürgermeister von Unterföhring gewählt und tritt sein Amt im Mai an.
  • Der bisherige Verwaltungsmitarbeiter will trotz des Rekordhaushalts von 540 Millionen Euro den Weg der Konsolidierung fortsetzen und das Rathaus sanieren statt neu bauen.
  • Klietsch plant den Ausbau genossenschaftlicher Wohnprojekte, die Sicherung sozialer Angebote und möchte eine Stelle für Wirtschaftsförderung etablieren.
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Unterföhrings neuer Bürgermeister Florian Klietsch bringt Erfahrung aus der Verwaltung mit. Der SPD‑Mann will bezahlbares Wohnen voranbringen und die sozialen Angebote in der wohlhabenden Gemeinde sichern.

Von Udo Watter, Unterföhring

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Selbst Menschen, die der deutschen Sozialdemokratie grundsätzlich wohl gesonnen sind, würden der Partei bundesweit derzeit eher einen Mangel an herausragenden politischen Persönlichkeiten attestieren. Auf Landes- und mehr noch auf kommunalpolitischer Ebene gelingt es der so traditionsreichen wie gebeutelten SPD indes immer wieder, Kandidaten und Kandidatinnen ins Spiel bringen, die das Wahlvolk auf Anhieb überzeugen. Selbst in Bayern.

Florian Klietsch, der im März in Unterföhring bereits im ersten Wahlgang trotz dreier Gegenkandidatinnen von CSU, Grüne und FDP gewählt wurde, ist so einer. Freilich gibt er schmunzelnd beim Gespräch im Rathaus der Gemeinde zu, war es nicht zwingend seine Parteizugehörigkeit, die diesen Erfolg befeuerte: „Es gab sicher Leute, die haben mich nicht wegen, sondern trotz der SPD gewählt.“

Bekanntlich ist eine Bürgermeisterwahl ohnehin recht stark auf die Persönlichkeit ausgerichtet, und da hatte der 1983 in München geborene und in Unterföhring aufgewachsene Klietsch offenbar einiges vorzuweisen. Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Mitarbeiter in der Rathausverwaltung – derzeit noch als Sachgebietsleiter für Brand- und Katastrophenschutz sowie stellvertretender Hauptamtsleiter – ist er vor allem als Mitglied verschiedener Unterföhringer Vereine und der Arbeiterwohlfahrt sowie als aktives Mitglied in der Feuerwehr Unterföhring im Ort ein bekanntes Gesicht – und entsprechend gut vernetzt.

Hinzu kommt die langjährige Mitgliedschaft im SPD-Ortsverband sowie sein Bekenntnis zu sozialdemokratischen Grundwerten wie Solidarität oder Gerechtigkeit, das – auch im Kontext des Kernthemas „Wohnen“ – ja allgemeingültigen Charakter hat. Gleichwohl: „Dass es in der Deutlichkeit klappt, hat mich überrascht. Ich war eher ehrfürchtig unterwegs und hätte mich schon gefreut, wenn ich die Stichwahl erreicht hätte“, sagt Klietsch.

Nun, die hat er nicht gebraucht, und jetzt wartet auf den Mann, der nicht nur seit 1998 für die Gemeinde arbeitet und die Abläufe im Rathaus gut kennt, sondern in den vergangenen Wochen auch den scheidenden Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (PWU) bei Terminen begleitet hat, eine neue Herausforderung. Klietsch, der sich eloquent und sympathisch auszudrücken weiß, spricht dabei ebenfalls von „Ehrfurcht“, vor allem aber von „großer Vorfreude“ auf das Amt. Dabei will er die Skepsis widerlegen, die ihm mitunter im Wahlkampf entgegenschlug – nämlich die Frage, ob er als jemand aus der Verwaltung auch Gestalter sein könne. Der Rathauschef in spe, der Augenmerk auf gepflegtes Styling legt, sieht seine Verwaltungserfahrung nicht als Makel, sondern ganz im Gegenteil als „großes Plus“.

Unterföhring will auf dem Weg der Konsolidierung bleiben

Die finanziellen Voraussetzungen sind in einer Gemeinde, die mit einem aktuellen Haushaltsvolumen von fast 540 Millionen Euro zu den reichsten in Deutschland gehört und unter anderem Sitz des Allianz-Campus sowie der Medienkonzerne ProSieben-Sat1 und Sky ist, grundsätzlich gut. Freilich ist das Jahr 2026 wegen einer überraschend hohen Gewerbesteuernachzahlung ein Rekordjahr, doch zurückliegende Dellen bei der Gewerbesteuer in den Vorjahren sowie die zu erwartenden hohen Zahlungen im Kontext der Kreisumlage 2028 bewahren vor Übermut.

„Natürlich wecken solche Zahlen Begehrlichkeiten, aber wir wollen den Weg der Konsolidierung weiter gehen“, sagt Klietsch. Dass das Rathaus – trotz zwischenzeitlich anderer Pläne – nicht neu gebaut, sondern saniert wird, findet er gut. „Ich hoffe, dass wir das so gut hinbekommen wie bei der Grundschule. Dort ist die Sanierung vorbildlich gelungen.“

Förderungs- und finanzierungswürdige Bereiche sind für ihn weiterhin die kostenfreien Angebote der Kinderbetreuung in der Gemeinde sowie der Ausbau der Betreuung und Beratung von Familien und Senioren. Auch die Sicherung des Wirtschaftsstandorts sei ihm wichtig – dabei denkt Klietsch gar nicht so sehr an die ganz Großen, sondern vor allem an den Mittelstand. Er spielt mit dem Gedanken, eine Stelle für Wirtschaftsförderung zu etablieren. Gehe es der Wirtschaft gut, sei auch die Lebensqualität gesichert – eine Lebensqualität, die in Unterföhring neben der Nachbarschaft zur attraktiven Großstadt München die Isarauen und zahlreiche naturnahe Erholungsflächen einschließt.

Bewahren, was Unterföhring ausmacht

„Ich bin hier fest verwurzelt und mein innerster Antrieb ist es, das zu bewahren, was Unterföhring ausmacht“, sagt Klietsch. Was freilich auch politische Gestaltungskraft erfordert: Ein wichtiger Punkt ist –neben der Entwicklung der Ortsmitte, der Integration eines neuen Wohnquartiers am Mitterfeld sowie der weiter gepflegten Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden („Nord-Allianz“) – das Thema Wohnen und kommunale Wohnprojekte. Hier wolle er vor allem das „genossenschaftliche Wohnen etablieren“.

Klietsch, der aus einer Arbeiterfamilie kommt und dessen Vater bereits in der Gewerkschaft und im Gemeinderat aktiv war, sieht sich nicht als „Linker“, sondern möchte als Bürgermeister –  angelehnt an den „respektvollen Wahlkampf“ –  alle politischen und gesellschaftlichen Gruppen einbinden und die Dinge „gemeinsam“ anpacken. Dabei zeigt er sich zuversichtlich, berichtet von guten „interfraktionellen Gesprächen.“ Stärkste Fraktion im Gemeinderat ist – sapperlot – die SPD.

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