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Umweltschutz bei Develey:Den eigenen Senf zur Klimadebatte abgeben

"Pionier" in Sachen Nachhaltigkeit: Camilla Kranzusch mit Michael Durach bei ihrem Besuch beim Senfhersteller Develey.

(Foto: Claus Schunk)

Develey empfängt die Aktivistin Camilla Kranzusch. Der Betrieb arbeitet in Unterhaching bereits seit 2013 CO₂-neutral, bis 2022 soll das weltweit passieren.

Möglicherweise erscheint es auf den ersten Blick etwas eigenartig, dass eine Klimaaktivistin auf ihrer Wanderung "Go for Climate" von Berlin nach Marokko zum weltweit größten Solarkraftwerk bei einem oberbayerischen Senfhersteller Halt macht. Doch die 24 Jahre alte Camilla Kranzusch hat nach 700 Kilometern zu Fuß und 1000 Kilometern mit der Bahn die Adresse von Develey in Unterhaching am Donnerstagmorgen ganz bewusst als Station gewählt, um über Lösungen für die Klimakrise zu diskutieren und die Notwendigkeit des globalen Handelns zu unterstreichen. Denn sie sagt: "Unternehmen wie Develey sind die Pioniere."

Tatsächlich hat der mittelständische Feinkosthersteller schon früher als andere Firmen die Zeichen der Zeit erkannt und sich 2008 Nachhaltigkeitsziele gesetzt, die er seither sukzessive umsetzt. "Wir sehen uns in der Pflicht, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, und das nicht erst jetzt wegen Greta", sagt Geschäftsführer Michael Durach. Als Familienunternehmen übernehme man Verantwortung für die Zukunft. "Wir denken in Generationen und nicht in Quartalen", so Durach.

Kein Deponiemüll, kein Palmöl und die Null im CO₂-Ausstoß an allen Standorten - das sind die Ziele. Das Palmöl-Problem ist seit 2016 gelöst, die CO₂-Neutralität am Standort Unterhaching bereits seit 2013, hier sind Produktion und Verwaltung klimaneutral. Von 2020 an soll das gesamte Senfsortiment von Develey klimaneutral sein, bis 2022 will Develey an allen Standorten CO₂-neutral produzieren. Insgesamt zehn Millionen Euro habe er in den vergangenen Jahren weltweit in das nachhaltige Wirtschaften und in Maßnahmen gegen den Klimawandel investiert, sagt Durach. Dazu zählten nicht nur der Anschluss an die Geothermie, die Fotovoltaikanlage und die Umstellung auf LED-Lampen. Der Senfhersteller musste auch die komplette Produktion überdenken, da zuvor mit Dampf geheizt wurde. "Wir mussten auch Rezepturen ändern, da wir zum Teil Rohstoffe mit anderen Erhitzungskurven brauchten", erläutert der Geschäftsführer.

500 000 Bäume in Mexiko

Zudem wurde eine zentrale Kälteanlage auf CO₂-Basis mit Wärmerückgewinnung installiert, um Strom zu sparen und auf klimaschädliches Kältemittel zu verzichten. Der restliche Anteil der CO₂-Emissionen wird durch international anerkannte Zertifikate für ausgewählte Umweltprojekte kompensiert. In Kooperation mit der Organisation "Plant for the Planet" pflanzt das Unternehmen in den nächsten Jahren 500 000 Bäume auf der Yucatán-Halbinsel in Mexiko. "Wir machen das nicht, damit wir auch nur für ein Glas Senf einen Cent mehr bekommen, sondern weil wir es wichtig finden", sagt Durach. Es sei eine langfristige Sache, auch dadurch, dass Develey in zehn verschiedenen Ländern tätig sei. Als Mittelständler könne er in Nachhaltigkeit investieren, weil er nicht wie die Konzerne Gefangener eines finanz- und profitgetriebenen Systems sei. Gleichwohl hofft er, Verbraucher zum Nachdenken und Konzerne zum Machen zu motivieren.

Verborgen blieb das Engagement von Develey in Sachen Nachhaltigkeit nicht. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren deshalb diverse Auszeichnungen erhalten, wie etwa als bayerisches Familienunternehmen des Jahres 2013, den Energiepreis des Landkreises 2014 oder die Zertifizierung "Standard Nachhaltiger Wirtschaften" des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung an der Universität Witten/Herdecke. Heuer zählt der Senfhersteller zu den drei Finalisten für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Auch den Benefizlauf "Run4Trees" mit dem TSV Unterhaching gibt es seit zehn Jahren.

Dass Develey mit seinem Nachhaltigkeitskonzept bislang nicht groß geworben hat, liegt daran, "dass wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen wollten", so Durach. Vor allem müsse man die Vorkette des Produkts genau analysieren, um eine Aussage über den CO₂-Footprint machen zu können. Beim Senf sei dies abgeschlossen und auch der Anbau regionalisiert worden. Bei der Feinkost laufe die Untersuchung.

Demnächst wird man auf den Senfgläsern einen Hinweis auf eine App der Umweltschutzorganisation "Plant for the Planet Foundation" finden, mit der man für Aufforstungsprojekte spenden kann. "Bäume pflanzen ist die einfachste Lösung", wirbt Foundation-Vorstand Frithjof Finkbeiner für die App, die er als "Einstieg in globales Handeln" sieht.