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Umweltprojekt:Jugend von heute denkt an morgen

Selbstständig haben Elisabeth Hartmann und Katharina Kröbel den Fraktionsvorsitzenden der bayerischen Grünen und den Unterhachinger Bürgermeister zur Diskussion in die Schule eingeladen.

(Foto: Claus Schunk)

Zwei Schülerinnen organisieren am Lise-Meitner-Gymnasium eine Umweltwoche. Mit Ludwig Hartmann, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, diskutieren sie über Müllvermeidung

Wer glaubt, die Jugend heute sei unpolitisch, der täuscht sich. Zumindest mag diese Einschätzung auf Katharina Kröbel und Elisabeth Hartmann vom Lise-Meitner-Gymnasium so gar nicht zutreffen. Die beiden 17-Jährigen haben auf eigene Initiative hin in den vergangenen fünf Monaten viel Zeit und Energie investiert, um an ihrem Gymnasium in Unterhaching eine Umweltwoche zu organisieren. Zuletzt waren sie acht Stunden pro Woche mit der Vorbereitung beschäftigt. Sie haben einen Veggie-Day in der Schulkantine, einen Filmabend, ein Mensagespräch zum plastikfreien Leben organisiert und bei der Schulleitung durchgesetzt, dass neue Abfallbehälter zur Mülltrennung in den Klassenzimmern angeschafft werden. In den Weihnachtsferien haben sie mehr als 40 Plakate gestaltet und damit die Flure im Schulhaus bestückt - zu Kernenergie, der Verschmutzung der Gewässer, Tierrechten und über schmelzende Polkappen.

Am Donnerstagabend wurde diskutiert: "Massen an Ideen statt Massen an Müll" lautete das Thema. "Uns ist es sehr wichtig, dass wir hier über Lösungen sprechen und nicht nur über die Probleme", machten die jungen Frauen zu Beginn deutlich. Selbstbewusst standen sie vor den circa 50 Zuhörern. Und ihre Botschaft war klar: "Jeder von uns kann etwas tun und hat Verantwortung." Für Impulsvorträge konnten die Schülerinnen den Fraktionsvorsitzendenden der Grünen im Landtag, Ludwig Hartmann, gewinnen, zur kommunalen Abfallwirtschaft sprach Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Praktische Tipps gaben auch Hans Schallmoser vom örtlichen Entsorgungsbetrieb und Robert Schleißner vom Unterhachinger Naturkostladen. Die Besucher erfuhren, dass Bäckertüten, die Papier und Plastik kombinieren, schwer recycelbar sind, dass man bei Joghurtbechern den Aludeckel abziehen muss und dass kompostierbare Plastiktüten nur unter Laborbedingungen wirklich zerfallen. Bei Kaffeekapseln kommen mit Alu, Plastik, Papier und Kaffeesatz vier Stoffe zusammen, die sich bei der Aufbereitung nicht trennen lassen und auch das Amazonpaket sei mit Luftpolsterfolie und Kartonage eine unnötige Müllansammlung. Schleißner warb dafür, Behältnisse zum Einkauf mitzubringen, um Abfall zu vermeiden. Vieles könne man im Bioladen ohne zusätzliche Verpackung bekommen.

Ludwig Hartmann lobte das Engagement einzelner Bürger, betonte aber, dass es dringende Aufgabe der Politik sei, unnötige Verpackungen, wie in Plastik eingeschweißte Gurken, zu verbieten; Mischkunststoffe, die schwer recycelbar sind, nicht mehr zuzulassen und zu erreichen, dass Klärschlamm, der voll von Mikroplastik sei, nicht mehr auf den Felder ausgebracht wird und in die Gewässer sickert.

An die vier Impulsvorträge schloss sich ein lebhafte Diskussion an. Im Raum stand die Luft, alle Stühle waren besetzt. Katharina Kröbel zog eine Publikumsfrage nach der anderen aus einer gelben Box. Die Referenten antworteten, die Zuhörer ergänzten und hinterfragten. Ein Vater meldete sich, er könne nicht verstehen, warum in den Unterhachinger Kitas die Erzieher das Essen mit Plastikhandschuhen und Plastikschürze servieren müssten. Panzer versprach, die Anregungen in die Arbeitsgruppe, die für 2019 eine plastikfreie Woche in der Gemeinde plant, einzubringen. Auch Schallmoser wunderte sich, warum ihn seit zwei Jahren die Drittklässler nicht mehr auf dem Abfallwirtschaftshof besuchten, um sich über Mülltrennung aufklären zu lassen. Panzer wollte sich einsetzen, dass "von der Kita bis zum Chemieunterricht in der 9. Klasse" Müll und Ressourcenverschwendung stärker thematisiert würden. Katharina Kröbel und Elisabeth Hartmann guckten verlegen, als sie am Ende viel Applaus bekamen. Dann klatschen sie ein und nahmen sich in den Arm. Viele Eltern lobten sie für den "souveränen Auftritt".