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Umwelt:"In einer Grauzone"

Robert Kühberger vermisst klare Regeln.

(Foto: Claus Schunk)

Mountainbiker Robert Kühberger beklagt, dass das vorliegende Konzept für einen Ausgleich von Freizeitinteressen und Naturschutz an der Isar nicht umgesetzt wird

Interview von Claudia Wessel, Pullach

Robert Kühberger, 43, fährt seit 22 Jahren Mountainbike, gerne direkt von zu Hause aus in Richtung Süden in den Landkreis und darüber hinaus. Ebenfalls seit 22 Jahren gibt es nach seiner Erfahrung den Konflikt zwischen Naturschutz und Mountainbiken. Naturschützer beklagen, dass die Tier- und Pflanzenwelt zerstört werde, Mountainbiker sehen eine Notwendigkeit für die Menschen, sich in der Natur bewegen zu dürfen. Wer sich nicht ins Auto setzen wolle, lande nun einmal meist in den Isarauen.

Warum gibt es seit 22 Jahren keine Lösung des Problems?

Robert Kühberger: Es gab ja eine Lösung. 2017 entschieden sich die Teilnehmer des Runden Tischs zu diesem Thema für einen Kompromiss. Der bestand daraus, dass 74 Kilometer Wege entlang der Isar untersucht werden würden. Davon sollten 25 Kilometer zu Trails für Mountainbiker erklärt werden, womit wir auf zwei Drittel der Wege verzichten würden. Diese Trails sollten dann auch instandgehalten werden, um ein attraktives Angebot darzustellen. Die Mountainbiker- Gruppen haben auch angeboten, die Risiken aus der Verkehrssicherungspflicht der Grundstückseigentümer zu übernehmen. Der Kompromiss sollte für eine gewisse Zeit ausprobiert werden, um dann zu evaluieren, ob es weitere Maßnahmen braucht.

Das klingt doch gut

Leider ist aber nie etwas geschehen. In den vergangenen vier Jahren hätte man längst diese 25 Kilometer definieren und ausschildern können. Statt aber diese Lösung in die Wege zu leiten, wird jedes Jahr aufs Neue die Verbotsdiskussion angeheizt. Das ärgert sehr viele Mountainbiker, die finden, der Landkreis müsse zuerst die zugesagten Vorleistungen umsetzen und nicht einfach mit Sperrungen drohen. Es wird immer einen gewissen Satz von Leuten geben, die sich trotzdem nicht an Regeln halten, genau wie im Straßenverkehr. Aber deshalb sperrt man auch keine Straßen.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass der gute Kompromissvorschlag nicht umgesetzt wird?

Vermutlich zum einen daran, dass so viele Parteien daran beteiligt sind. Denn es gibt unterschiedliche Grundstücksbesitzer in den Isarauen. Dann ist da sicher auch die Fluktuation in der Behörde. Der eine Verantwortliche sagt, das ist gut, das machen wir. Dann kommt ein anderer und sagt 'Nicht mit mir' und so vergeht die Zeit. Vielleicht ist es auch mangelndes Interesse, denn es ist natürlich Arbeit.

Nun kam auch noch Corona dazu und die Zahl der Menschen auf dem Fahrrad nahm extrem zu.

Ja, und jeder, der nicht ins Auto steigen will, was ja auch eine Art Umweltschutz ist, der landet eben oft in den Isarauen. Kinder und Jugendliche können auch gar nicht ins Auto steigen und müssen auch irgendwo hin. Es gab natürlich auch schon viele Überlegungen, an andere Orte auszuweichen. Aber auch dort heißt es immer nur 'Nee, bei uns nicht'. Etwa im Perlacher Forst oder auf der Panzerwiese.

Wie üben Sie nun in der Zwischenzeit bis zu ausgewiesenen Trails Ihr Hobby aus?

Ich versuche, nichts kaputt zu machen, lege keine Wege an, schneide nichts heraus und errichte keine Bauwerke wie Sprungschanzen. Das Problem für uns Mountainbiker ist eben im Moment, dass wir einen Weg sehen, aber nicht wissen, wohnt da der Uhu, den ich nicht stören will. Und darf ich überhaupt reinfahren oder nicht? Wir befinden uns derzeit in einer völligen Grauzone. Natürlich sehe ich auch, dass es Probleme gibt. Aber es fehlen einfach legale, ausgeschilderte Wege und klare Regeln. Solange es die nicht gibt, ist es nicht fair, uns jedes Jahr aufs Neue Vorwürfe zu machen.

© SZ vom 24.04.2021
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