Umfrage Jugendliche geben Haar gute Noten

Bis jetzt erreicht die Gemeinde Haar ihre jungen Bürger hauptsächlich über die Jugendzentren, hier im Bild das Dino, oder durch die Schulsozialarbeit im Ernst-Mach-Gymnasium. Jetzt sucht sie nach neuen Kanälen, um ins Gespräch zu kommen. Eine Möglichkeit wäre ein Jugendparlament.

(Foto: Claus Schunk)

Bei einer Befragung von Jugendlichen in Haar gehen 661 Antworten ein. 78,8 Prozent sind mit ihrem Heimatort zufrieden. In einem zweiten Schritt dürfen die jungen Leute Verbesserungsvorschläge äußern.

Von Bernhard Lohr

Die Erwartungen an die Politik sind mäßig. Mehr als 50 Prozent der Jugendlichen in Haar wollen gar nicht mehr mitreden. 40 Prozent kennen keinen lokalen Politiker und 24 Prozent geben offen zu, dass ihnen egal ist, was im Rathaus passiert.

Dort allerdings zeigt man sich vom Ergebnis der jüngsten Jugendbefragung in der Gemeinde keineswegs frustriert. Im Gegenteil: Sie soll Ansporn sein, auf junge Menschen zuzugehen. Als kürzlich die Ergebnisse der Online-Befragung im Gemeinderat vorgestellt wurden, war schnell die Rede davon, wie die Jugend erreicht werden könnte. Es ging darum, wie Jugendkultur in Haar gefördert werden könnte und auch um die Frage, ob ein Jugendparlament eingeführt werden soll.

Die Umfrage soll der Auftakt gewesen sein. Die Gemeinde sucht nun weiter den Kontakt mit den jungen Menschen am Ort. Denn nur wenn von diesen die Initiative ausgeht, so war der Tenor im Gemeinderat, wird es gelingen, für die Heranwachsenden etwas zu bewegen. An diesem Mittwoch, 13. Februar, um 18 Uhr soll ein Startpunkt gesetzt werden.

Die Gemeinde lädt die Haarer Jugend als Respektbekundung für die rege Teilnahme an der Befragung zu einem "Dankschön-Abend" ein. 100 Preise vom Eis- bis zum Kinogutschein gibt es zu gewinnen - und vor allem soll mit der Rathausspitze im Bürgerhaus diskutiert werden, was man besser machen könnte in der Gemeinde.

Die Stichworte, über was man sprechen könnte, haben die Jugendlichen vergangenen Oktober bei der Befragung geliefert. Mit Unterstützung der Jugendzentren sowie der Schulsozialarbeit an den Schulen hatte die Gemeinde versucht, möglichst viele der 2700 Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren in einer Online-Befragung zu erreichen.

661 Fragebogen wurden ausgefüllt. 24,5 Prozent der Haarer Jugendlichen machten mit. Claudia Erl aus dem Rathaus, die die Befragung vorbereitet und begleitet hat, spricht von einem großen Erfolg. 578 Teilnehmer, also weitaus die meisten, sind zwischen zwölf und 18 Jahren alt. 60 Prozent besuchen das Gymnasium, 21 Prozent die Mittelschule und fast alle kommen aus Haar. 18 Fragen konnten mit Ankreuzen beantwortet werden.

78,8 Prozent bewerteten die Zufriedenheit mit ihrem Heimatort mit "gut" oder "sehr gut". Auch wenn das Interesse an Politik eher gering ist: nur 4,4 Prozent der Befragten sind politisch aktiv. 29 Prozent können sich vorstellen, sich zu engagieren, wenn ihnen die Themen wichtig wären oder wenn sie dafür bezahlt würden.

So haben doch bemerkenswert viele, wie Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) fand, recht konkrete Vorstellungen über ihre persönliche Zukunft. 66 Prozent bekunden, zielstrebig an ihrer Ausbildung zu arbeiten. Eine Mehrzahl achtet auf gesunde Ernährung, viele meiden Alkohol (47 Prozent) und illegale Drogen (70 Prozent) komplett und rauchen auch nicht.

Bei den Freizeitaktivitäten steht das Treffen mit Freunden (97 Prozent) ganz oben, gefolgt vom Surfen im Netz (61 Prozent) und auch Lesen und Sport. 17 Prozent der Befragten besuchen die Freizeitheime in der Gemeinde. Überrascht zeigte sich Bürgermeisterin Müller darüber, dass immerhin 61 Prozent der Jugendlichen angaben, mindestens ein Mal in der Woche vor 14 Uhr nach Hause zu kommen.

Mehr Treffpunkte wären schön

An konkreten Wünschen und Forderungen wurde laut, dass sich viele doch mehr öffentliche Plätze und Räume wünschen, an denen sich Jugendliche treffen können. Mehr Bars oder auch ein Fastfood-Restaurant sollte es geben. Auch könnte nach Ansicht der Jugend in Haar das Angebot beim Nahverkehr besser sein. 15 Prozent wünschen sich Unterstützung bei der Suche nach Ausbildungsplatz oder Job.

Die Gemeinde erreicht indirekt die Jugendlichen bisher vor allem über die Jugendzentren "Dino" und "Route 66" sowie über die zuletzt auch am Ernst-Mach-Gymnasium ausgebaute Schulsozialarbeit, was Bürgermeisterin Müller anlässlich der Vorstellung der Online-Befragung ausdrücklich begrüßte.

Doch bei der Ansprache der Jugendlichen räumte sie Defizite ein. Eine Senioren-Bürgerversammlung gibt es, aber kein Pendant für die Jugend. Die Gemeinde ist Online auf Facebook sehr aktiv, doch junge Menschen erreicht sie damit nicht unbedingt. Müller äußerte den Wunsch, einen Kanal zu finden, mit dem man Jüngere erreichen könne. Ein Instagram-Account der Gemeinde stoße aber an Hürden, was den Datenschutz angehe.

Konkret bietet das Rathaus an, eine Sprechstunde für Jugendliche einzuführen. Auch ein Jugendparlament ist vorstellbar. Mike Seckinger (Grüne) warnte davor, den Jugendlichen etwas überzustülpen. Müller bekräftigte, die Initiative müsste von der Haarer Jugend ausgehen. Ein Anfang könnte an diesem Mittwoch die Debatte im Bürgerhaus sein. Dort soll an Workshop-Inseln über verschiedene Themen konkret, wie es heißt, diskutiert werden.

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