Die Universitätsstadt Garching und die Nachbargemeinden Eching und Neufahrn im Münchner Norden haben mehr gemein, als den Menschen, die dort leben, lieb sein dürfte: Im Minutentakt dröhnen Flugzeuge im Landeanflug oder nach dem Start am Münchner Flughafen über ihre Köpfe hinweg und die riesigen Gewerbegebiete zwischen Eching und Neufahrn und in Garching-Hochbrück gehören zu den größten im Münchner Umland und ziehen Unmengen Verkehr an. Und über die A9, die Garching und Hochbrück durchtrennt und die meistbefahrene Autobahn Mitteleuropas ist, rauschen tagtäglich nahezu 200 000 Fahrzeuge. Die Region ist aus verkehrstechnischer Sicht am Limit angelangt.
Wie aber kann es gelingen, etwas Druck aus diesem Kessel herauszulassen? Maximilian Böltl, CSU-Landtagsabgeordneter aus Kirchheim, und Staatskanzleichef Florian Herrmann aus Freising haben nun ein Projekt auf Wiedervorlage gebracht, das schon als gescheitert galt: eine Verlängerung der U6 vom Forschungszentrum-Garching zum Flughafen München – samt Anbindung des Landkreises Freising. Für eine Machbarkeitsstudie, so teilen die beiden CSU-Politiker mit, würden aus dem bayerischen Haushalt 75 000 Euro als sogenannte Anschubfinanzierung bereitgestellt.
Es wäre die dritte nach 2007 und 2020. Beide kamen zu dem Ergebnis, dass eine Verlängerung der U6 über Garching hinaus das notwendige Nutzen-Kosten-Verhältnis bei Weitem nicht erfüllt. Dementsprechend skeptisch steht der Landtagsabgeordnete der Grünen, Markus Büchler aus Oberschleißheim, einer neuen Studie zur U6-Verlängerung gegenüber. „Da kann nichts Gescheites dabei rauskommen“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. „Die Reisezeit bis zum Flughafen ist viel zu lang, man muss über die Isar – und es wird viel zu teuer.“ Unterstützung erhält er von seinem Partei- und Fraktionskollegen Johannes Becher aus Moosburg: Eine Verlängerung der U-Bahn hätte eine „Schneise aus Beton“ durch das wertvolle Naturschutzgebiet zur Folge. Vielmehr müsse ein Lückenschluss zwischen U6 und S1 hergestellt werden.

Für eine Verlängerung der U6 in den Landkreis Freising spricht sich hingegen Echings Bürgermeister Sebastian Thaler (parteilos) aus – allerdings hält er eine Trasse bis in die Nachbargemeinde Neufahrn für viel entscheidender als die Weiterführung bis zum Flughafen. Auch er spricht von einem „Lückenschluss“ in Neufahrn; dort, so Thaler, könnte eine große Zahl an Pendlern von der A9 abgefangen werden, wenn am dortigen Bahnhof ein Parkhaus gebaut würde. „Neufahrn könnte zu einer absolut wichtigen Drehscheibe im Münchner Norden werden – mit der U-Bahn, der S1 zum Flughafen und auch den Regionalzügen, die dort halten“, sagt der Kommunalpolitiker.
Dass eine stabile Verbindung zwischen Garching-Forschungszentrum sowie dem Flughafen und den Universitätsstandorten Garching und Weihenstephan benötigt wird, zeigt Thaler zufolge die Einführung des Expressbusses X660, der Garching über Eching mit Freising verbindet. Dieser werden „herausragend gut“ angenommen. Eine U-Bahn auf dieser Trasse würde die Verlässlichkeit und Pünktlichkeit noch einmal steigern.
Eine Fertigstellung bis zu möglichen Olympischen Spielen 2040 wäre möglich
Für Böltl und Staatsminister Herrmann steht, so heißt es in ihrer gemeinsamen Mitteilung, im Fokus, „den Pendlern ein zusätzliches ÖPNV-Angebot machen zu können und die Region – vor allem den TU-Campus – besser an den internationalen Flugverkehr anzubinden“. Böltl sieht in einer verlängerten U6 eine „Wissenschaftstangente im Sinne von Studenten und Forschern“, die vom Uni-Standort Martinsried im Südwesten Münchens über die LMU in Schwabing bis Garching und zum Airport führen würde. Er peilt eine Fertigstellung bis zu möglichen Olympischen Sommerspielen in München im Jahr 2040 an. Herrmann sieht in der Linie eine wirtschaftliche und infrastrukturelle Stärkung der Metropolregion, die auch die Straßen entlasten würde.

Zurückhaltend äußert sich ihr Parteifreund, der Münchner Landrat Christoph Göbel. Grundsätzlich sei jede Initiative zu begrüßen, die sich die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zum Ziel setzte. Die Anbindung des Flughafens, so der Landrat, sei „einfach nur peinlich“. Die S1 als Anbindung an die Landeshauptstadt – Göbel nennt ihn in Anlehnung an den früheren Verkehrsminister den „Wiesheu-Rumpel-Express“ – habe zudem „enorme Probleme mit der Kapazität“. Eine U-Bahn, wahrscheinlich über Neufahrn, wäre in seinen Augen als Verkehrsmittel zwar äußerst zuverlässig, „aber auch sehr teuer“.
Dem Münchner Landrat schwebt im wahrsten Sinne ein anderes Verkehrsmittel zur Anbindung der Landeshauptstadt an den Airport vor: eine Magnetschwebebahn. Die im Landkreis München schon häufig diskutierte Technik der Firma Bögl sei viel günstiger und könne problemlos über bebautes urbanes Gebiet gelegt werden. „Wir müssen uns ernsthaft mit der Frage beschäftigen, wie man den Flughafen per Schiene besser anbinden kann. Da darf es keine Denkverbote geben“, so Göbel.

