Süddeutsche Zeitung

Drittliga-Fußball:Löwen sind in Haching unerwünscht

Vor der Entscheidung über die Zukunft des Stadions wehren sich Anwohner gegen Gedankenspiele, wonach der TSV 1860 vorübergehend im Sportpark unterkommen könnte.

Die Fußballer der Spielvereinigung Unterhaching kämpfen um die Rückkehr in die zweite Liga, derzeit liegen die Rot-Blauen knapp hinter den direkten Aufstiegsplätzen auf Relegationsrang drei. Und sie kämpfen weiterhin dafür, dass sie ihr Stadion künftig in Eigenregie betreiben dürfen. Diesen Mittwoch soll im Gemeinderat hinter verschlossenen Türen eine Entscheidung fallen. Doch bereits im Vorfeld gab es Kritik an den Plänen, nicht nur von Gemeinderäten, sondern auch von Anwohnern.

Sie wehren sich vor allem gegen Gedankenspiele, wonach möglicherweise der TSV 1860 München während eines Umbaus des Grünwalder Stadions einen vorübergehenden Umzug nach Unterhaching ins Auge fasse. Denn sollte die SpVgg für die Nutzung selbst verantwortlich sein, könnten durch die Bereitstellung des Ausweichquartiers für die Sechziger Mieteinnahmen generiert werden.

Manfred Schwabl, Klubpräsident und Geschäftsführer der börsennotierten Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA, hatte zuletzt auf der Aktionärsversammlung eine entsprechende Andeutung von Löwen-Präsident Robert Reisinger nicht kommentiert, aber zumindest bestätigt, dass es am 12. Februar ernst wird, was die Stadionfrage betrifft. Er ist weiterhin damit beschäftigt, die Voraussetzungen für einen möglichen Aufstieg zu schaffen - und da hat der Sportpark die höchste Priorität, er müsste nämlich im Fall der Fälle zweitligatauglich gemacht werden.

Zu den Voraussetzungen gehört eine komplette Überdachung aller Zuschauerplätze und eine leistungsfähigere Flutlichtanlage. Am liebsten wäre es Schwabl und seinen Mitstreitern, das Stadion künftig selbst betreiben zu können, um nicht bei allen Fragen zu Infrastruktur und Nutzung vom Wohlwollen des Eigentümers abzuhängen. Und dieser ist die Gemeinde Unterhaching.

"Dass Haching hier alle 14 Tage spielt, ist kein Thema."

Wolfgang Lattner, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sportpark wohnt, hat sich in einem Brief an alle Gemeinderatsfraktionen gewandt, um die Bedenken gegen eine mögliche Ausweitung des Spielbetriebs zu kommunizieren. "Die SpVgg ist unser Verein", sagt Lattner auf Nachfrage. "Dass Haching hier alle 14 Tage spielt, ist kein Thema. Das weiß auch jeder, der sich hier ansiedelt." Dagegen habe er ebenso wie ein gutes Dutzend weiterer Anwohner, mit denen Lattner im Austausch ist, sehr wohl ein Problem damit, dass womöglich auch die Löwen regelmäßig hier spielen.

Das würde weitere 19, größtenteils ausverkaufte Spiele bedeuten. "Mit allen Begleiterscheinungen wie Lärm, Verschmutzung und Scherbenhaufen, Verkehrs- und Parkchaos", so der Anwohner in seinem Brief an die Gemeinderäte. Er fordert für den Fall, dass der Klub das Stadion künftig selbst betreibt, eine "vertragliche, rechtssichere Regelung", die Vermietungen an auswärtige Vereine und auch Konzertveranstaltungen ausschließt. Positiv habe sich dazu bereits die CSU-Gemeinderatsfraktion geäußert, sagt Lattner. Deren Vorsitzender Richard Raiser habe ihm per Mail zugesichert, dass man nicht "auf dem Rücken der Unterhachinger Bürger" Münchner Vereine im Sportpark spielen lassen wolle.

Mit Unverständnis reagierte die Gemeinderatsfraktion der Grünen auf die Ankündigung, den Tagesordnungspunkt am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu behandeln. "Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund für eine nichtöffentliche Behandlung des Themas", sagt die Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Claudia Köhler.

"Es geht hier um eine Liegenschaft der Gemeinde, da kann nicht der Bürgermeister nach Gutdünken bestimmen, ob das öffentlich diskutiert wird." Deshalb haben die Grünen beantragt, dass öffentlich debattiert wird. Und wollen gegebenenfalls sogar eine Überprüfung bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt in die Wege leiten. "Es kann ja auch nicht im Sinne von Gemeinde und Verein sein, dass womöglich Beschlüsse für ungültig erklärt werden, wenn kein Grund für die nichtöffentliche Diskussion vorliegt", so Köhler.

Sie vertritt die Ansicht, dass die Gemeinde ihre Liegenschaften nicht abgeben sollte, selbst wenn das nicht immer wirtschaftlich ist. Deshalb ist die Grüne auch nicht begeistert davon, dass der Verein beispielsweise die Osttribüne auf eigene Kosten sanieren und neue Sitzschalen einbauen ließ. "Das wäre unsere Aufgabe als Gemeinde gewesen."

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SZ vom 11.02.2020/wkr
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