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Verkehrssicherheit:Spiegelfechterei an der Kreuzung

Trixi Spiegel

Vorsicht! Toter Winkel: Die Gemeinde Haar hat an der Ecke Leibstraße/Annelies-Kupper-Allee einen Trixi-Spiegel installieren lassen, damit Lkw-Fahrer an der Ampel die Radfahrer neben ihrem Fahrzeug sehen können.

(Foto: Claus Schunk)

Mit dem Anbringen eines Trixi-Spiegels an der Leibstraße will die Gemeinde Haar Abbiegeunfälle mit Radfahrern verhindern. Es dürfte vorerst der einzige im Landkreis bleiben, denn der Nutzen ist umstritten.

Es ist keine der bekannten gefährlichen Kreuzungen, an der seit kurzem der wohl einzige Trixi-Spiegel im Landkreis München hängt. Die Gemeinde Haar hat auf Antrag der Grünen einen dieser runden Spiegel, die schwere Abbiegeunfälle mit Radfahrern verhindern sollen, an der Kreuzung Leibstraße und Annelies-Kupper-Allee in Eglfing anbringen lassen. Lkw biegen an der einigermaßen übersichtlichen Ecke selten ab. Dennoch wollte das Haarer Rathaus dort ein Zeichen setzen, dass mehr Sicherheit mit wenig Aufwand möglich sei. Aber es ist fraglich, ob es bald Nachahmer geben wird im Landkreis.

Denn so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Sache mit den schnell installierten Spiegeln nicht, die Lkw-Fahrern an Kreuzungen den Blick in den toten Winkel ermöglichen. Seit mittlerweile 25 Jahren wird immer wieder über diese kostengünstige Lösung diskutiert, um schwere, oft tödliche Fahrradunfälle zu verhindern. Wenn ein solcher passiert, wie zuletzt im Mai in München, als an der Corneliusbrücke ein elfjähriger Bub unter einen Lkw geriet, werden die Rufe nach den Spiegeln laut.

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) befürwortet die Spiegel, warnt aber, diese könnten Lkw-Fahrer sogar verwirren und Radfahrer in falscher Sicherheit wiegen. Was ist, wenn ein Spiegel verdreckt ist, vereist oder verdreht? Oder er einen falschen Straßenausschnitt zeigt? Es gebe einige strittige rechtliche Fragen, sagt auch Rathaussprecherin Ute Dechent.

Die Geschichte des Trixi-Spiegels, den ein Vater erfand, nachdem seine Tochter Beatrix von einem Lkw überrollt und schwer verletzt worden war, erzählt von diesem ewigen Hin und Her. Bis heute haben sich die Spiegel in Deutschland, anders als in der Schweiz, nicht durchgesetzt. Auch im Landkreis München waren sie bisher nur eine Episode. Im Jahr 1996 wurde in Gräfelfing an der Kreuzung der Bahnhofstraße zur Pasinger Straße ein solcher angebracht.

Bereits 1996 gab es in Gräfelfing den Trixi-Spiegel: Damals wurde einer an der Kreuzung der Bahnhofstraße zur Pasinger Straße angebracht.

(Foto: Claus Schunk)

In Zeitungsberichten damals war von einem "Pilotprojekt des Landkreises" die Rede, um an der Kreuzung mit starkem Lkw-Verkehr die Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger zu erhöhen. Sollte sich der Spiegel bewähren, werde man diesen auch andernorts im Landkreis montieren. Doch irgendwann wurde er sang- und klanglos entfernt. Richard Putz, der Ordnungsamtsleiter in Ottobrunn, erinnert sich, dass damals auch in seiner Gemeinde über die Installation solcher Spiegel geredet wurde. Eine ablehnende Stellungnahme des Landratsamts als Verkehrsbehörde habe dem aber ein Ende gesetzt.

An anderer Stelle wäre so ein Spiegel wichtiger

Aktuell bewegt das Thema mehr Menschen denn je. Die Landeshauptstadt München hat ihrerseits einen Pilotversuch gestartet und will, auch angetrieben durch die Spendenaktion eines privaten Radiosenders, insgesamt 1000 solcher Spiegel installieren. Die ersten hängen bereits so wie in Haar, wo es eine direkte Betroffenheit gibt, seit ein 13-jähriger Schüler 2014 an der Ecke der B 304 zur Blumenstraße von einem Lkw überrollt wurde.

An dieser Stelle, sagt Rathaussprecherin Ute Dechent, wäre ein solcher Spiegel dringender als an der Leibstraße. Doch anders als an der Leibstraße hat die Gemeinde dort nichts zu entscheiden, weil es sich um eine Bundesstraße handelt. Die gewählte Kreuzung in der Leibstraße ist Dechent zufolge die einzige von Ortsstraßen mit Ampel, bei der das Rathaus die Installation anordnen könne.

Zuletzt sprach manches dafür, dass bald auch an Einmündungen an der B 304 und an anderen gefährlichen Kreuzungen im Landkreis München Trixi-Spiegel in einem neuen Pilotversuch des Landkreises aufgehängt werden könnten. Landrat Christoph Göbel (CSU) zeigte sich zuletzt offen dafür und sagte eine Prüfung zu. Am Dienstag erläuterte er auf Anfrage, dass man zunächst das Modellprojekt in München beobachten werde und von den daraus getroffenen Erkenntnissen weitere Entscheidungen abhängig mache. Das Landratsamt erklärte, eine Erprobung - analog der Stadt München - werde es im Landkreis nicht geben. Die Aufstellung der Spiegel sei Aufgabe des Straßenbaulastträgers, also des Staatlichen Bauamts Freising.

Und von dort gibt es derzeit keinerlei Anzeichen, dass man selbst tätig werden will. Laut Hans Jörg Oelschlegel, dem Fachbereichsleiter Straßenbau, wird das Amt entsprechende Anfragen aber prüfen. Somit ist sobald kein Pilotprojekt zu erwarten, an das sich die Gemeinde Haar anschließen könnte - und damit an den wirklichen Brennpunkten auf die Schnelle auch keine Trixi-Spiegel. Die unbestritten beste Lösung wäre aber ohnehin - da sind sich Fachleute einig - Abbiegeassistenten in den Lkw. Und zwar nicht nur in den neu zugelassenen Fahrzeugen. Doch bis alle Lkw mit der Technik ausgestattet sind, wird es noch lange dauern.

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