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Trauerfeier für Bernd Eichinger:Ein Kuss zum Abschied

Auch den Regisseur Uli Edel verbindet eine Menge mit dem Produzenten Eichinger. Vor 41 Jahren hätten sie sich an der Filmhochschule kennengelernt, erzählt Edel. Der "extrovertierte bayerische Kraftkerl" Eichinger und er, der introvertierte Edel. Damals habe er "Bernie" nicht gemocht, doch sie fanden zueinander. Erst drehten sie "alle Studentenfilme" zusammen. Später die Erfolge Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo und Baader Meinhof Komplex. "Du wolltest immer Filme zum Ereignis machen und bis dabei selbst zum Ereignis geworden", sagt Edel.

Immer wieder unterbricht Musik die Ansprachen. Die berühmte Arie "Casta Diva" aus der Oper Norma von Vincenco Bellini etwa. Eichinger, ein Freund klassischer Musik, besuchte nicht nur regelmäßig die Salzburger Festspiele. Vor knapp sechs Jahren inszenierte er als Regisseur an der Berliner Staatsbühne Unter den Linden auch Richard Wagners Parsifal. Bewegend auch die Altarie "Erbarme dich mein Gott" aus Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion, eine Totenklage, umrahmt von einer einzelnen Violine. Die Leidenschaft Eichingers für die Berge wird mit Hubert von Goiserns fröhlichem Lied "Da Juchizer" gewürdigt, vorgetragen von der Sängerin Sabine Kapfinger.

Besonders schwer fällt es Tom Tykwer, seine Trauer in Worte zu fassen. Der Regisseur, der für Eichinger Patrick Süskinds Bucherfolg Das Parfum in Szene setzte, kämpft mit der Stimme. Wie ein falscher Schnitt im Film sei der Tod des Produzenten gewesen, verursacht durch einen tückischen Filmvorführer, der die beiden letzten Filmrollen weglässt und gleich den Abspann zeigt, sagt Tykwer. Er spricht vom "wilden Hund", der Bernd Eichinger gewesen sei. Von einem Mann, der "jedem Moment ein Maximum an Genuss und Sinnlichkeit abgerungen" hätte. Tykwer erinnert aber auch an die vielen Freundschaften, die der Produzent gepflegt hat. "Freundschaft war ein einzigartiges Geschenk, das er vielen gemacht hat", sagt Tykwer. Am Schluss spricht noch die Schauspielerin Martina Gedeck.

Ein Musikstück an diesem Vormittag wird nicht live vorgetragen: das Schlusslied "Let it be" kommt vom Band. Während Paul Mc Cartneys Stimme durch die Michaelskirche dringt, nehmen Katja und Nina Eichinger die Urne in die Hand. Sie wirken gefasst. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens verlassen sie das Gotteshaus.

Bernd Eichingers Mutter Ingeborg verabschiedet sich auf ihre Weise von ihrem Sohn. Nach dem Gottesdienst geht sie zu der großen Fotografie ihres Sohnes. Sie küsst ihn aufs Gesicht.

© sueddeutsche.de/bica/bön
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