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Tote Welpen: Drohungen im Internet:"Findet das Mädchen!"

Ein schlechter Scherz? Oder echt? Ein Internetvideo zeigt, wie eine junge Frau lachend Hundewelpen ertränkt. Nun machen sich die User auf die Jagd nach der angeblichen Täterin - und bedrohen ein Mädchen aus Aying bei München.

Susi Wimmer und Kathrin Haimerl

Das Video ist nichts für zarte Gemüter: Ein blondes Mädchen in rotem Kapuzenpulli steht an einem Ufer, neben ihr ein weißer Eimer, darin flauschige, zappelnde Hundewelpen. Einen nach dem anderen greift sie heraus, wirft ihn ins Wasser. Die umstrittene Tierrechtsorganisation Peta setzte daraufhin eine Belohnung für die Identifizierung des Teenagers aus. "Peta bietet eine Belohnung von 2000 Dollar für Informationen, die zur Verhaftung und Verurteilung jener Personen führen könnten", die für die Inhalte des Videos verantwortlich seien.

Seither findet im Netz eine regelrechte Hatz auf das Mädchen statt: "Ich hoffe, sie finden dich und werfen dich ins Gefängnis, Du böse, abscheuliche Kreatur!", schreibt ein Nutzer auf der Peta-Seite. Ins Visier der aufgebrachten Internetgemeinde geriet denn auch ein Mädchen aus der Gemeinde Aying im Landkreis München: Ein Nutzer stellte Namen und Telefonnummer der 18-jährigen Schülerin ins Netz.

Das Internet hat sich seitdem für das Mädchen zu einem Albtraum entwickelt: Per Telefon wird sie von Anrufern aus aller Welt beschimpft, sogar mit dem Tode bedroht, die Polizei muss die junge Frau schützen. Und das alles nur, weil ein Unbekannter auf der Video-Plattform Youtube behauptet, sie sei das Mädchen, das in einem Film lachend süße Hundewelpen in hohem Bogen in einen Fluss wirft.

"Seitdem wird das Mädchen heftig bedroht", sagt Polizeisprecher Peter Reichl. Die Polizei traf sich mit der Familie zu einem Beratungsgespräch, ergriff diverse Schutzmaßnahmen und ermittelt wegen Beleidigung, Bedrohung, falscher Verdächtigung. Denn eines ist sicher: Das blonde Mädchen aus dem Video kommt sicher nicht aus Aying. "Der Film ist offenbar in Bosnien gedreht worden", sagt Reichl.

Die sieht inzwischen auch Peta so: Auf der Seite heißt es, Mitglieder von 4chan seien fündig geworgen und hätten den Besitzer des bosnischen Youtube-Kontos ausfindig machen können. Man habe mehrere Anhaltspunkte, die auf die Identität des Mädchens hindeuten könnten.

Bei 4Chan handelt es sich um eine Seite, die zunächst als Plattform dient, Bilder zu zeigen, zu tauschen und zu kommentieren. Doch immer wieder geriet das Portal in die Schlagzeilen, weil sich Nutzer einen Spaß daraus gemacht, die Medien in die Irre zu führen. So hatte beispielsweise der deutsche Ableger nach dem Amoklauf von Winnenden eine gefälschte Ankündigung der Tat ins Internet gestellt.

Nun also richtet sich der Zorn der Nutzer der Peta-Seite nach Bosnien, was dem Mädchen aus Aying allerdings bislang wenig nützt. Zwar hat die Polizei den Namen der jungen Frau aus dem Netz löschen lassen, doch mittlerweile ist er dort in mehreren Seiten von einem sozialen Netzwerk wieder aufgetaucht - in Kombination mit einem Screenshot des Mädchens aus dem Youtube-Video. Mehr als 3700 Mitglieder hat die Seite bereits - und inzwischen musste der Administrator den Nutzern die Möglichkeit entziehen, an die Pinnwand zu posten. Zu viele Morddrohungen heißt es als Grund.

Inzwischen gibt es auch einen Diskussionsstrang, wonach die Spur des Mädchens nicht nach Aying führe - eine Nutzerin vermutet das Mädchen in Kroatien. Die digitale Hexenjagd geht weiter.

© SZ vom 03.09.2010/hai
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