Theaterverein Feldkirchen Raubritter Kunibert ist ein Preiß

Im Stück "Raubritter Kunibert im Funkloch" geht es ganz schön zur Sache.

(Foto: Claus Schunk)

Gelungene Premiere: Mit dem neuen Stück bescheren die Darsteller ihrem Publikum einen kurzweiligen Abend. Regisseur Winfried Frey lobt sein Laien-Ensemble als spielfreudig und professionell.

Von Anna-Maria Salmen, Feldkirchen

Eine bayerische Idylle mitten in den Bergen: satte Wiesen und das imposante Steinerjoch ragt in den weiß-blauen Himmel. Noch einmal die frische Landluft einatmen und per Handy den daheimgebliebenen Verwandten von der Postkarten-Szenerie berichten. Doch das Gerät zeigt keinen einzigen Balken. Nach Empfang sucht man in der Gegend um Kunbertsbeil vergebens, denn das kleine Dorf liegt mitten in einem Funkloch. An diesen fiktiven Ort entführt der Feldkirchner Theaterverein die Zuschauer im Stück "Raubritter Kunibert im Funkloch". Mit einer rundum gelungenen Premiere eröffnete der Verein am Freitag im Saal des evangelischen Kinderheims die neue Saison.

Die Kunbertsbeiler sind der Verzweiflung nahe: Kaum ein Besucher verirrt sich in den entlegenen Ort, auf der Landkarte ist der Name in der Schriftgröße 2,5 nahezu unlesbar. "Wir leben ja auch wie im letzten Jahrhundert, mit unserem Drecks-Funkloch", beschwert sich Kellnerin Magdi. Zu allem Überfluss zerschlagen sich die Geothermie-Pläne von Bürgermeister Sepp, in die er bereits Millionen Euro investiert hat. Das Bergdorf steht vor dem finanziellen Ruin. "Kunbertsbeil wird vermutlich komplett von der Landkarte verschwinden. Und wer ist schuld? "Ich", stellt Sepp deprimiert fest.

Bürgermeister träumt von Festspielen

Doch dann bringt Postbotin Désirée frohe Kunde: In einer nahegelegenen Felsspalte wurde eine Mumie gefunden - ein "verhunzelter, lederhäutiger Leichnam", ein bayerischer Ötzi. Die Kunbertsbeiler sind sich sicher, dass es sich nur um den sagenumwobenen Raubritter Kunibert handeln kann, nach dem ihr Ort benannt ist. Das wäre eine Sensation, durch die der Name auf der Landkarte wieder mindestens Schriftgröße 20 wert wäre. Und so will Bürgermeister Sepp den Fund bestmöglich vermarkten. Er träumt von den Kunbertsbeiler Festspielen und inszeniert dafür gemeinsam mit seinen Gemeinderäten ein Freilufttheater über das Leben des Ritters.

Einige Wochen später verirren sich zwei Touristen aus Berlin nach Kunbertsbeil. Nach anfänglichen Sprachschwierigkeiten verfolgen sie die Proben für das Theaterstück mit Begeisterung. Und eine durchzechte Nacht mit reichlich Bier und Sekt trägt gleichfalls zur bayerisch-preußischen Völkerverständigung bei. Bis eine Hiobsbotschaft die Pläne für die Festspiele zunichtemacht. Eine genauere Untersuchung der Mumie hat ergeben, dass der Fund nicht Raubritter Kunibert war, sondern ein Norddeutscher, der in den Fünfzigerjahren beim Klettern in den Bergen abgestürzt ist. "Der Kunibert ist a Preiß": Erneut werden düstere Zukunftsvisionen gemalt. Doch die Berliner entwickeln einen Plan und zeigen den Kunbertsbeilern, dass ein Funkloch nicht nur negative Seiten hat.

Mit viel Freude am Spiel, großem Engagement und beachtlichen schauspielerischen Leistungen überzeugten die Darsteller bei der Premiere das Publikum, darunter auch Feldkirchens Zweiter Bürgermeister Andreas Janson (UWV), Altbürgermeister Leonhard Baumann sowie mehrere Mitglieder des Gemeinderats. Wortspiele und Situationskomik brachten die Zuschauer zum Lachen und boten einen kurzweiligen, unterhaltsamen Abend. Für Janson sind die Aufführungen des Theatervereins "immer ein Highlight. Wir können als Gemeinde stolz darauf sein", sagte er.

Ein Jahr Vorbereitungen

Wie viel Arbeit hinter einer Theaterinszenierung steckt, weiß Gabriele Brandmeier, Zweite Vorsitzende des Vereins. Knapp ein Jahr nimmt die Vorbereitung in Anspruch. Bereits im Frühjahr 2018 begann die Suche nach dem Stück, das im Anschluss überarbeitet wurde. Im Herbst wurden die Rollen verteilt, bald darauf starteten die Leseproben. Über Weihnachten hatten die Darsteller Zeit, den Text zu lernen, bevor sie zweimal wöchentlich probten. Insgesamt wirken heuer 20 bis 25 Personen an der Aufführung mit. Einen wesentlichen Beitrag zur gelungenen Inszenierung hat Regisseur Winfried Frey. Der Schauspieler, bekannt aus Serien wie "München 7", "Rosenheim Cops" sowie mehreren "Tatort"-Folgen, führt heuer im siebten Jahr Regie bei einer Aufführung des Theatervereins. "Das Schöne mit den Amateuren ist, dass sie eine ganz andere Spielfreude haben. Profis haben immer Druck", sagt Frey und lobt sein Ensemble. "Sie werden immer besser. Für eine Amateurbühne brauchen sie relativ wenige Proben, das ist schon fast Profi-Standard."

Laut Frey soll die Gemeinschaftsproduktion auch im nächsten Jahr andauern. Im Hinterkopf habe er ein Stück, das 2020 ideal zu den Ereignissen in Feldkirchen passen wird.

Weitere Aufführungen von "Raubritter Kunibert im Funkloch" sind am 29., 30. und 31. März sowie am 5. und 6. März im evangelischen Kinderheim, Hohenlindner Straße 8. Beginn ist freitags und samstags jeweils um 20 Uhr, am Sonntag um 19 Uhr. Karten unter Telefon 0160/92 03 71 43 oder www.theater-feldkirchen.de; Restkarten an der Abendkasse.