Der wohl am schnellsten errichtete Uni-Campus des Landes ist rechtzeitig fertig geworden – zumindest auf dem großen Bildschirm, der im Eingangsbereich über der Türe hängt. Dort sieht man hübsche Animationen von einem beeindruckenden Gebäudekomplex, der neben elf Hörsälen, verschiedenen Seminar- und Büroräumen auch eine Bibliothek sowie eine Mensa umfasst. Kurzum, ein kompletter Campus für 2500 Studierende.
In der Realität ist die Technische Universität München (TUM) indes nicht ganz so weit wie auf dem Monitor. Vielmehr wird auf dem Grundstück in Taufkirchen an der Gemeindegrenze zu Ottobrunn allenthalben noch geschraubt und gehämmert, gebaggert und gewerkelt. Und das im Eiltempo, schließlich sollen hier in wenigen Tagen die Studierenden einziehen – zum Start des Wintersemesters am 13. Oktober.
Eröffnet werden die Interimsgebäude auf dem Ludwig-Bölkow-Campus freilich schon jetzt. Wobei man mit Blick auf die ausstehende Fertigstellung genau genommen ein „Soft Opening“ feiere, schränkt Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) ein. Er spricht von einem „großen Meilenstein“ für das TUM-Department of Aerospace and Geodesy, dessen Heimat nach den Plänen der Bayerischen Staatsregierung zu Europas größtem universitären Luft- und Raumfahrtcampus ausgebaut werden soll. Auf dem Weg dorthin sei man „ungefähr in der Mitte der Wegstrecke“, sagt Markus Blume mit Blick auf derzeit 28 Professuren und knapp 2500 Studierende. Gut die Hälfte davon – 1300 junge Menschen, die im Fachbereich Aerospace einen Bachelor-Abschluss anstreben – werden ab dem kommenden Wintersemester am Standort in Taufkirchen und Ottobrunn unterrichtet. Zudem sind dort zwölf Professuren des Departments angesiedelt.
Möglich macht dies jener Interims-Campus mit 12 500 Quadratmetern Bruttogesamtfläche, den der Freistaat im Rahmen seiner Hightech-Agenda mit 60 Millionen Euro finanziert hat. Hochgezogen worden sind die Gebäude in gerade mal sechs Monaten, was TUM-Präsident Thomas Hofmann an die Corona-Zeit in China erinnert, wo ganze Krankenhäuser binnen weniger Wochen errichtet worden seien. „Wir verbinden hier also chinesische Geschwindigkeit mit bayerischem Bauen“, sagt Hofmann, bevor er auf die Hintergründe des neuen Campus eingeht. „Es gibt Themen, die brauchen noch viel stärker die Schnittstelle zur Industrie“, sagt der Präsident.
Der Ausbau des Campus könnte auch die Verlängerung der U-Bahn bis zum Uni-Gelände anschieben
Und während man hierzu am TUM-Campus in Garching die entsprechenden Firmen wie SAP und Siemens auf das Uni-Gelände geholt habe, nehme man in Taufkirchen und Ottobrunn den umgekehrten Weg: „Wir gehen dorthin, wo eine große Verdichtung von zukunftsorientierten Unternehmen der Luft- und Raumfahrt ist.“ Tatsächlich liegt der neue Campus inmitten der Betriebsgelände von Airbus, IABG, Hensoldt, Ariane und weiteren Unternehmen aus der Branche. Mit ihnen wolle man „ein gemeinsames Ökosystem“ aufbauen, so Hofmann.

Dabei habe es vor 15 Jahren noch Überlegungen gegeben, den ansässigen Industriestandort abzuwickeln und stattdessen ein riesiges Einkaufszentrum zu bauen, erinnert Minister Blume. „Ich bin froh, dass die Würfel der Zeit dann anders gefallen sind.“ Nicht unglücklich über diese Entwicklung dürften auch die Bürgermeister aus Taufkirchen und Ottobrunn sein, Ullrich Sander (parteilos) und Thomas Loderer (CSU), die das „Soft Opening“ Seite an Seite verfolgen. Sie erhoffen sich durch den Ausbau des TUM-Campus einen Schub für ihre Gemeinden – und nicht zuletzt ein gewichtiges Argument für einen Ausbau der Münchner U-Bahn bis zum Uni-Gelände. Aktuell ist dies aber noch Zukunftsmusik, weshalb die Studierenden auf absehbare Zeit größtenteils in Bussen zu ihren Vorlesungen kommen werden.
Die Campus-Gebäude, die als Leichtbauhallen errichtet wurden, sind ausdrücklich als Interimslösung gedacht. Man werde nun einen Masterplan entwickeln, „wie hier langfristig ein Campus entstehen kann“, kündigt Markus Blume an. Derweil sollen die bestehenden Bauten sukzessive erweitert werden. „Wir haben hier in den nächsten Jahren einiges vor“, sagt Chiara Manfletti, die Leiterin des Departments of Aerospace and Geodesy. „Und dabei sollten wir das jetzt eingeschlagene Tempo beibehalten.“

