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Taufkirchen:Eine multikulturelle Firma

Stapelweise lagern die Laubplatten in der Firma.

(Foto: Claus Schunk)

Jetzt wohnt er in Planegg zusammen mit sieben anderen Männern in einem Zimmer. Er habe sich immer gewundert, sagt Zolgadri, warum Fazil am Abend oft so lange bleibe. Aber nun sei ihm das klar: "Es gefällt ihm bei uns besser als in seinem Zimmer." Zolgadri ist es ein Anliegen, Flüchtlinge zu beschäftigen. Außer Fazil ist noch ein Nigerianer in der Firma beschäftigt, in Kürze kommt noch ein zweiter Afghane hinzu, ein Industrie-Designer. "Wir sind eine multikulturelle Firma, das mögen wir", sagt der Geschäftsführer, der selbst mit Mutter und Bruder als Kind aus Iran geflohen ist. Die Familie bekam Asyl in Deutschland. "Ich habe damals die Chance bekommen, jetzt möchte ich auch anderen die Chance geben", erklärt er.

Doch es gibt noch einen Aspekt, warum die Firma offen für Menschen aus anderen Ländern ist. Zolgadri vertritt die Ansicht, dass die Flüchtlinge die Zukunft Europas sind. Es sei meist die Mittelschicht, die sich samt Familie auf die gefährliche Reise begebe, die kein Risiko scheue. Genau solche Menschen fehlten Deutschland: "Was wir brauchen, sind Gründer." Menschen mit Mut und Einsatzbereitschaft. Seiner Meinung nach werde der dritte Weltkrieg auf der Wirtschaftsebene entschieden. "Man sollte sich keine Gedanken machen, wer sein Nachbar ist", sagt er. "Wir sollten lieber schauen, dass wir in 20 Jahren nicht abhängig sind von Chinesen und Amerikanern."

Für Leaf Republic ist es Ehrensache, in Deutschland zu produzieren. "Hier wurden wir gefördert, hier leben unsere Kinder, unsere Freunde", sagt Zolgadri. Und er fügt hinzu, dass es durchaus noch möglich sei, in Deutschland Produkte herzustellen. Für ihn gehört das zur Firmenphilosophie. Er spricht viel von der Zukunft, davon, wie sie gestaltet werden sollte, und dass die Menschen Verantwortung dafür hätten, was passiert. Deswegen arbeiten die Maschinen bei Leaf Republic auch ohne Strom - sie nutzen Luftdruck. Dass Schneewittchen deswegen etwas schnauft bei der Arbeit, macht keinem etwas aus.

Und dass es auf der Toilette keine Handtücher gibt, offenbar auch nicht. Der Chef hält Handtücher für Papierverschwendung. Er fuchtelt mit seinen Händen in der Luft herum. "Bei uns müssen sie 20 Mal die Hände schütteln, um sie trocken zu bekommen." Leaf Republic ist mehr als ein Produkt aus Blättern. Es ist eine Lebenseinstellung. So versucht die Firma auch Alternativen zu Kunststoffdeckeln zu entwickeln, die teils noch unverzichtbar sind, um gewisse Lebensmittel zu verkaufen. Die Lösung habe man schon gefunden, sagt Zolgadri, aber noch nicht die Investoren dafür.

Die grünen Teller und Schalen sind teils schon im Einsatz, etwa bei Gastronomiebetrieben in der Umgebung und in der Schweiz. Doch die richtige Vermarktung wird erst in Kürze gestartet. Dafür arbeitet das Team oft bis spätabends. Bis vor kurzem haben die Mitarbeiter immer am Morgen gemeinsam gefrühstückt, aber weil sich die Zeiten nach hinten verschoben haben, bröckelt dieser Brauch. Fix gesetzt ist aber nach wie vor der Donnerstag, 12 Uhr. Dann kommt die Sportlehrerin und das Team macht gemeinsam Übungen im Yoga-Raum. Schließlich ist es nicht schlecht, sich fit zu halten, denn die nächste Zeit wird sicherlich noch anstrengend.

© SZ vom 12.10.2016/imei
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