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Taufkirchen:Ungeliebte Eltern-Taxis

Weniger Stau, mehr Bewegung: Mit der Aktion "Zu Fuß zur Schule" soll der Autoverkehr an der Grundschule am Wald verringert werden.

(Foto: Claus Schunk)

Jedes dritte Kind der Grundschule am Wald wird täglich von Mama oder Papa mit dem Auto gebracht. Der Elternbeirat geht mit Schulweghelfern und einem Bonussystem für Fußgänger gegen das Verkehrschaos vor

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Nicht eben langsam rauscht der weiße SUV den Lindenring hinunter, am Zebrastreifen geht der Fahrer kurz vom Gas - freilich ohne zu stoppen - und brettert dann um die Kurve in die Pappelstraße. Dort jedoch leuchten schon nach wenigen Metern die Bremslichter auf, denn zwischen Grundschule am Wald und Mittelschule Taufkirchen sowie dem Kinderhaus und der Großtagespflege herrscht an diesem Morgen um kurz vor 8 Uhr reger Verkehr. Stoßstange an Stoßstange schieben sich die Fahrzeuge die Sackgasse hinunter, bis sie - gerne auch in zweiter Reihe - einen Platz finden, stoppen, und zumeist eines, seltener auch zwei Kinder aussteigen. Danach reiht sich der Wagen wieder in die Schlange ein, um zurück auf den Lindenring zu gelangen.

"Ich habe hier in der Pappelstraße schon öfter kritische Situationen erlebt, wo's richtig gefährlich wurde", sagt Marion Fischer, die dem Treiben vom Zebrastreifen aus zusieht. Dort steht die Vorsitzende des Elternbeirats der Grundschule am Wald regelmäßig als Schulweghelferin und lotst Kinder über die Fahrbahn. Vor allem bei schlechtem Wetter sei der Verkehr in der Pappelstraße durch die "Elterntaxis" enorm, sagt Fischer. "Manchmal stauen sich die Autos bis auf den Lindenring zurück." Um die Verkehrslage vor der Schule zu beruhigen, beteiligt sich der Elternbeirat auch dieses Jahr an der Aktion "Zu Fuß zur Schule". Die Idee: Alle Kinder erhalten eine Stempelkarte, auf der sie für jeden Tag ein Sternchen erhalten, an dem sie ihren Schulweg - oder zumindest einen Teil davon - zu Fuß zurücklegen. Ist die Karte mit 15 Sternen voll, bekommen die Grundschüler einen Tag ohne Hausaufgaben.

"Wir möchten den Kindern zeigen, wie schön es sein kann, gemeinsam mit den Klassenkameraden in die Schule zu laufen", sagt Marion Fischer. Sie hat die Aktion im Vorjahr erstmals initiiert. "Und man hat gleich gemerkt, dass weniger Autos in der Pappelstraße unterwegs waren." Zudem hätten ihr Lehrer berichtet, "dass die Kinder viel wacher und fitter morgens in den Unterricht starten, wenn sie zu Fuß zur Schule gekommen sind", sagt die Elternbeiratsvorsitzende. An diese Erfolge wolle man nun mit der Neuauflage des Projekts anknüpfen.

Das Problem mit den sogenannten Elterntaxis gibt es beileibe nicht nur in Taufkirchen. Auch in Unterhaching kämpfte die Gemeinde jahrelang gegen das allmorgendliche Chaos im Utzweg, der zu Grundschule und Gymnasium führt. Nachdem alle Appelle jedoch nur wenig Wirkung zeigten, wurde 2018 der Umbau der Straße beschlossen, um den Hol- und Bringverkehr zu reduzieren. In einer Umfrage des ADAC unter Grundschulen in Nordrhein-Westfalen gaben fast zwei Drittel von ihnen an, dass sie ein deutliches Problem mit Elterntaxis haben - und in Bayern dürfte das kaum anders aussehen. Diverse Verbände und die Polizei raten daher dazu, Grundschüler zu Fuß in die Schule gehen zu lassen - auch, damit sie ein Verständnis für den Straßenverkehr erlernen. Laut einer Forsa-Umfrage wird hierzulande jeder fünfte Grundschüler mit dem Auto in die Schule gefahren. 43 Prozent gehen zu Fuß, 17 Prozent nehmen den Bus und zehn Prozent das Fahrrad.

Ähnlich ist die Situation an der Wald-Grundschule, wie 2019 eine Umfrage des Elternbeirats unter den 115 Erst- und Zweitklässlern gezeigt hat. 32 Prozent von ihnen kommen demnach mit dem Auto in die Schule. Als Gründe dafür nannten die Eltern Zeitmangel (25 Prozent) sowie einen zu unsicheren Schulweg (35 Prozent). Um hier Abhilfe zu schaffen, rief der Elternbeirat ein Schulweghelfer-Programm ins Leben. Seither stehen Ehrenamtliche morgens im Lindenring, sowohl an der Einmündung zum Köglweg als auch an der Kreuzung zur Pappelstraße. "Zurzeit sind wir aber nur zu dritt", sagt Marion Fischer. "Deshalb brauchen wir dringend weitere Schulweghelfer."

© SZ vom 28.10.2020
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