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Taufkirchen:Taufkircher und Jesuiten

Heimatforscher beleuchtet Geschichte von St. Johannes

In Taufkirchen kennt wohl jeder den Mann, der auf einer Grabplatte im Vorraum der Dorfkirche St. Johannes der Täufer in Ritterrüstung zu sehen ist: Hilprant Taufkircher. Dass Hilprant (oder Hilprand) aber wohl eher doch kein Ritter war, hat der ortsansässige Heimatforscher Dietrich Grund herausgefunden. Auch mit der irritierenden Bedeutung des Gemeindewappens, das mit Hilprand Taufkircher verbunden ist, "ein halber Löwe, sich mit einem Schwert durch das Maul und Kopf stechend", hat er sich befasst und ist bei der traditionellen Deutung geblieben: Es wirkt wie eine "Selbstverstümmlungsszene".

In seinem neusten Buch stellt Grund nun die Geschichte der Kirche und Pfarrei St. Johannes in Taufkirchen vom Mittelalter bis in die Gegenwart dar. Und die reicht weit zurück. Der Freisinger Bischof ließ schon früh am Bach eine hölzerne Taufkirche für das Hachinger Tal errichten. Im 12. Jahrhundert wurde sie durch einen Steinbau ersetzt. Ihren Turm erhielt sie erst 200 Jahre später in der "Backsteingotik". Die wechselnden Hofmarksherren - die Taufkircher, der Bischof, der Landesherr, die Jesuiten - hatten großen Einfluss auf die Entwicklung der Pfarrei, wie Grund erklärt. Die Sozietas Jesu gab der Kirche ihr "großartiges barockes Gewand". Seit 1980 beschäftigt sich der Taufkirchner mit der Geschichte seines Wohnorts und dessen Umgebung. Über den Hachinger Bach hat er ein Buch publiziert, über die Revolution von 1918/19 und die NS-Zeit im Hachinger Tal hat er geforscht, sowie ein Buch über "Hilprant und die Familie der Taufkircher" und eine "Kleine Chronik von Taufkirchen" veröffentlicht. Das Buch "Kirche und Gemeinde St. Johannes in Taufkirchen" kostet 12,99 Euro. Weitere Informationen gibt es unter www.dietrich-grund.de.

© SZ vom 21.11.2020 / wat
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