Taufkirchen:Taufkirchen erwägt Windräder

Vor einer Entscheidung sollen aber die Bürger gehört werden

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Mehrere Gemeinden im Landkreis beschäftigen sich schon seit Längerem mit dem Bau von Windrädern zur Energiegewinnung - zum Teil gibt es auch schon konkrete Projekte wie im Hofoldinger und Höhenkirchner Forst. Nun will sich auch das Taufkirchner Rathaus mit diesem Thema auseinandersetzen: Wie der Gemeinderat einstimmig beschlossen hat, soll die Verwaltung das Potenzial für Windenergieanlagen im Ort prüfen und sich diesbezüglich beraten lassen. Den Bürgerinnen und Bürgern müsse dabei die Möglichkeit zur Teilhabe eingeräumt werden - "in einem offenen Planungsprozess und dank finanzieller Beteiligungsmöglichkeiten", heißt es im Beschluss. Auf Anregung der CSU erteilte der Gemeinderat der Rathausverwaltung zudem den Auftrag, auch das Potenzial von Freiflächen-Photovoltaikanlagen zu untersuchen.

Auslöser für den Beschluss war ein Antrag von Grünen, SPD, FDP und Initiative Lebenswertes Taufkirchen (ILT). Sie hatten darin gefordert, dass die Gemeinde sich zur Windkraft "bekennen" solle - eine Formulierung, die Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) als "zu hart" ablehnte. Er verwies darauf, dass Windkraftanlagen "ein hoch emotionales Thema" seien. "Da dürfen wir die Bürger nicht vergessen." Dezidiert skeptisch gab sich Peter Hofbauer (Freie Wähler), der auf die Daten des Regionalen Planungsverbands verwies, wonach in Taufkirchen kein Potenzial für Windkraftanlagen vorhanden sei. Demgegenüber führte Maike Vatheuer-Seele (FDP) den Energie-Atlas Bayern an, demzufolge der Bau von Windrädern in der Region durchaus sinnvoll sein könne. "Das ist nicht Offshore vor den Ostfriesischen Inseln, aber für die regionale Versorgung im Energiemix sollte man das prüfen", befand Vatheuer-Seele. Sie unterstrich auch die Notwendigkeit einer Bürgerbeteiligung von Anfang an. Denn: "Wir haben am Beispiel Brunnthals im Hofoldinger Forst gesehen, was andernfalls passieren kann."

Derweil betonte David Grothe (Grüne), dass es durchaus das Ziel des Antrags sei, "dass wir irgendwann mal ein Windrad in Taufkirchen haben". Dies werde aber nicht schon in zwei, drei Jahren der Fall sein, so Grothe. "Wir wollen mit dem Antrag einen Prozess ins Rollen bringen." Schließlich stehe die Gemeinde Taufkirchen beim Thema regenerative Stromerzeugung nicht besonders gut da. "Wir haben die Geothermie, aber die macht keinen Strom, sondern Wärme", sagte Grothe. "Deshalb stellt sich die Frage: Machen wir Solar oder Windkraft? Und idealerweise machen wir beides zusammen." Daran anknüpfend regte Christiane Lehners (CSU) an, auch das Potenzial für großflächige Photovoltaikanlagen in Taufkirchen zu prüfen. Diesen Vorschlag befürwortete der Gemeinderat einstimmig. Zudem kam er überein, das Wort "bekennen" aus dem Beschluss zu streichen und stattdessen eine offene Prüfung zu beauftragen.

Parallel zu Taufkirchen diskutieren Kommunalpolitiker aus dem Landkreis und Stadtteilpolitiker aus München über Rotoren im Forstenrieder Park. Schrittmacher dabei sind zwei Anrainergemeinden Neuried und Pullach. Baierbrunn und Schäftlarn signalisieren Interesse an einem Windpark, Politiker des Münchner Bezirksausschusses Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln kündigten diese Woche dagegen an, sich in dieser Angelegenheit durchaus kritisch zu Wort melden zu wollen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB